Deutscher Frauenverein vom Roten Kreuz für die Kolonien. Ausstellung Deutscher Edelsteine und Edelmetalle
Ident. Nr.: 1917,279/07
ObjID: obj:1879637
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1914
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Lithografie
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 76,3 x 98,2 cm
- Erwerbung
- 1917 Schenkung des Künstlers
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1879637
Objektbeschreibung
Das Plakat für die „Ausstellung deutscher Edelsteine und Edelmetalle“ im Preußischen Herrenhaus (dem heutigen Bundesratsgebäude) in Berlin entstand 1914 nach einem Entwurf von Emil Orlik. Es kommuniziert unmittelbar den „wohltätigen“ Zweck: Mit dem Erlös aus den Eintrittsgeldern – in Höhe von einer Mark pro Person – wurde die Arbeit des Deutschen Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien unterstützt, der die Schau auch organisiert hatte. „Seine Hoheit“ Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg fungierte als Schirmherr. Beide, Verein und Herzog, waren zentrale Akteure in der Kolonialpolitik des Kaiserreichs.
Der Deutsche Frauenverein vom Roten Kreuz für die Kolonien hatte im Jahr 1914 rund 20.000 Mitglieder. Neben den christlichen Missionsgemeinschaften gehörte der Verein, der aus dem 1877 gegründeten Deutsch-Nationalen Frauenbund hervorgegangen war, zu den zentralen Organen für die Entsendung von deutschen Frauen in die Kolonien. Die Frauen, denen die Männer der Politik die „Wohlfahrt“ als „ureigenste Domäne“ (Solf 1913, S. 63) übergeholfen hatten, errichteten und betrieben dort Pflege-, Kranken- und Geburtsstationen. Um 1914 waren 66 Schwestern des Vereins weltweit als Krankenpflegerinnen in den Kolonien tätig. In der Hochphase des Kolonialismus fanden im Deutschen Reich zahlreiche Benefizveranstaltungen zugunsten der Rotkreuzschwestern in den Kolonien statt, von Chrysanthemenschauen und Bordfesten bis zur Wohlfahrtslotterie.
Mit Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg hatte die Ausstellung einen Schirmherrn aus der preußischen Kolonialprominenz gewonnen. Sein großes Interesse an der Kolonialpolitik hatte Johann Albrecht 1882 zum Austritt aus dem aktiven Militärdienst bewogen. Er engagierte sich fortan in der Deutschen Kolonialgesellschaft, als deren Präsident er ab 1895 Öffentlichkeitsarbeit und Propaganda für die Kolonien betrieb, etwa Brautbeschaffung für Kolonisten oder Imagepflege für Soldaten in Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika. Als Mitglied im Kolonialrat und dem Kolonialwirtschaftlichen Komitee leitete er 1902, 1905 und 1910 die deutschen Kolonial-Kongresse, 1914 wurde er der Kaiserlichen „Schutztruppe“ in Ostafrika an die Seite gestellt. Seine zentrale Position in der Kolonialpolitik lässt sich auch an nach ihm benannten Orten wie dem Johann-Albrecht-Platz in Togos Hauptstadt Lome erkennen, sowie der Inszenierung auf der Kolonialausstellung, die 1896 als Teil der Berliner Gewerbeausstellung stattfand: Altarartig gerahmt von Palmen und Stoßzähnen, wurde die Büste des Herzogs hier wie ein kolonialer Schutzheiliger präsentiert.
Das Plakat zur „Ausstellung deutscher Edelsteine und Edelmetalle“ unterstreicht den nationalistischen Anlass und Zweck der beworbenen Veranstaltung mit gestalterischen Mitteln. Orlik wählte ein Querformat und reduzierte die Farben auf Schwarz, Weiß und Rot – was eine direkte Assoziation mit der Flagge des Deutschen Reichs hervorruft. Symbolträchtig wirken auch die Edelsteine, die in heilsbringerischem Weiß auf schwarzem Hintergrund strahlen, und die vier roten Kreuze, die in alle vier Himmelsrichtungen weisen.
Das Plakat gelangte bereits 1917 in die Sammlung der Kunstbibliothek, als Schenkung des Künstlers. Als Professor an der Lehranstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums, zu dem auch die Bibliothek gehörte, war der Grafiker und Secessionskünstler Emil Orlik dem Haus verbunden. Sein Werk deckt eine große Spannbreite innerhalb der grafischen Kunst ab: Neben freien Zeichnungen und Drucken entstanden angewandte Arbeiten aller Art – von Plakaten, Illustrationen und Bucheinbänden bis zu Marken, Exlibris, Speisekarten, Programmheften und Notentiteln. In der Kunstbibliothek ist Orlik heute mit zahlreichen Ephemera und fast 50 Plakaten vertreten, darunter auch ein weiteres Plakat für eine Benefizausstellung zugunsten des Roten Kreuzes im Jahr 1914, eine Schau für „Deutsche Kleider“.
Text und Recherche: Christina Thomson
Zitierte Literatur:
_Festrede Seiner Exzellenz des Staatssekretärs Dr. Solf, in: Unter dem roten Kreuz, 24. Jg. (1913), Nr. 6/7, S. 63
Ausgewählte Quellen:
_Livia Loosen: Deutsche Frauen in den Südsee-Kolonien des Kaiserreichs. Alltag und Beziehung zur indigenen Bevölkerung, 1884–1919, Bielefeld 2014
_Karen Smidt: „Germania führt die deutsche Frau nach Südwest“. Auswanderung, Leben und soziale Konflikte deutscher Frauen in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika 1884–1920. Eine sozial- und frauengeschichtliche Studie, Magdeburg 1995
//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.
_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/
Letzte Aktualisierung: 30.07.2026
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