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Gedenkblatt für Karl Liebknecht (3. und endgültige Fassung, 6. Zustand)

Ident. Nr.: 363-1927

ObjID: obj:1881171

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Holzschneider*in
Karl Liebknecht (13.8.1871 - 15.1.1919),
Dargestellt
Datierung
Herstellung: 1920
Geografische Bezüge
Berlin,
Stadt
Provenienz
Käthe Kollwitz (1867-1945),
bis 21.12.1927
Abmessungen
Plattenrand: 35,5 x 50 cm

Objektbeschreibung

Das Kupferstichkabinett besitzt auch ein numeriertes Exemplar des vorausgehenden Zustandes vor der Schrift [...][#vgl. Ident. Nr. AM 208-1955] 
Verbreitet sind vor allem Abdrucke aus einer unlimitierten Massenauflage, die zugunsten einer 1920 im Berliner Osten veranstalteten "Arbeiter-Kunstausstellung" preiswert vertrieben wurden. [...] Es handelt sich um die letzte und bedeutendste Fassung einer Komposition, die von Kollwitz zunächst radiert, dann lithographiert und schließlich in erweiterter Form als Holzschnitt bearbeitet wurde [#vgl. Ident. Nr. AM 101-1957]. Begonnen unter dem Titel "Totenklage" (auch »Totenfeier«) , verwandelte sich das Motiv während der langfristigen Bearbeitung zum "Abschied der Arbeiterschaft von Liebknecht". Das Gedenkblatt ist die zweite ihrer erst 1920 einsetzenden
Holzschnittarbeiten, zu denen sie durch die Auseinandersetzung mit Ernst Barlach und den Expressionisten angeregt wurde. Der Anfang der Legende "Die Lebenden den Toten" verkehrt den Titel eines berühmten, auf die Opfer der 1848er Revolution bezogenen Gedichtes von Ferdinand Freiligrath (1810-76), das Käthe Kollwitz als junges Mädchen stark beeindruckt hatte. Mit dem Datum vom "15. Januar 1919" erinnert sie an den Tag, an dem Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg erschossen
wurden. Die Darstellung selbst nimmt Bezug auf das Begräbnis auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde am 25. Januar 1919. Den Beisetzungsfeierlichkeiten für die beiden Revolutionäre Liebknecht und Luxemburg sowie mehr als 30 andere Revolutionsopfer war unter großem Militäraufgebot ein quer durch die Stadt über
Friedrichshain führender gewaltiger Demonstrationszug vorausgegangen. "Die Trauer der Hunderttausend an seinem Grabe" gab den Anstoß zur Gestaltung des Gedenkblattes. In ihrer Darstellung der abschiednehmenden und sich im Anblick des
Toten solidarisch bekennenden Arbeiterschaft würdigt die Künstlerin den Ermordeten als wichtige Leitfigur der Arbeiterbewegung und bezieht damit gegen seine Ermordung Stellung. Obwohl sie sich motivisch an die christliche Bildtradition anlehnte und den Arbeiterführer in der Art des von seinen Getreuen beweinten toten Christus darstellt, bekennt sie sich damit nicht uneingeschränkt zu den Thesen und politischen Aktionen des Revolutionärs.

(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 125-127, Kat.-Nr. 152)

Letzte Aktualisierung: 18.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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