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Thronende Muttergottes

Ident. Nr.: 2/2009

ObjID: obj:1884711

Erworben mit Unterstützung des Ernst von Siemens-Kunstfonds

Details (Expert)

Datierung
Datierung: um 1390
Material / Technik
Kalkstein
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 68 x 42 x 31 cm
Gewicht: ca. 35 kg
Erwerbung
Erworben 2009 vom Münchener Kunsthändler Sascha Mehringer, auf den die weiteren Angaben zur früheren Provenienz zurückgehen. Demnach hatte er die Madonna 2006 von Alfred Gschwind (Bamberg) erworben. Dieser habe sie 1985 als Geschenk seines Vaters erhalten, in dessen Besitz sie Ende der 1960er-Jahre gelangt war. Nach Aussage Paul Weinzierls, Möbelrestaurator in Ottering (Niederbayern) und Freund des früheren Besitzers Gschwind, habe sich die Figur zuvor in der Sammlung Anni Hüttingers befunden, einzige Tochter einer bedeutenden Straubinger Goldschmiede- und Kunsthändlerfamilie und ab 1940 Gattin des Regensburger Sammlers Josef Johann Ludwig (1904–2007). Seit 1949 war die vereinte Sammlung Hüttinger-Ludwig im Regensburger Geschäftshaus Ludwigs Am Vitusbach 6 vereint. Ob auch die Madonna damals dazugehört hat, konnte nicht ermittelt werden.

Objektbeschreibung

Die 2009 für die Berliner Skulpturensammlung erworbene Thronende Muttergottes gehört zu den Schlüsselwerken des Schönen Stils, eine Kunstform, die sich im späten 14. Jahrhundert in Prag entwickelte. Gleichzeitig gewichtig und graziös nimmt die Figur den sie umgebenden Raum selbstbewusst ein. Ihr Mantel scheint aus einem dicken Stoff wie Wolle gemacht zu sein, der sich nicht in winkelförmigen Falten bricht, sondern ein kalligrafisches Spiel von übereinstimmenden Kurven schafft. Die komplexe Komposition, die Fülle gegen Leere und Höhen gegen Mulden kontrastieren lässt, erfordert die Beweglichkeit des Betrachters. Jede Ansicht wird mit der Entdeckung eines ausgewogenen Gesamteindrucks belohnt. Wiederholt hat hier der Künstler die Beschränkungen seines Materials zu überschreiten versucht, indem er spröde Faltenkaskaden neben tief ausgehöhlte Täler gesetzt hat. Stein scheint sich zu verwandeln, und die Virtuosität in der Faltenbehandlung ist von einem Niveau, das man eher von einer modellierten statt einer gemeißelten Arbeit erwarten würde. Auch die detaillierte Wiedergabe des Pelzfutters am Kopfschleier, gegenüber dem sich das versonnene Gesicht von Maria abzeichnet, zeugt von der herausragenden Qualität der Ausführung.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

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Bei dem Fragment handelt es sich, wie die äußere Form und die Tiefe des Reliefs zeigt, um eine ehemalige Wandfliese, die Teil eines Fensterpfostens oder einer Türrahmung gewesen ist. Der Stein besitzt eine gleichschenklig trapezförmige und könnte zur Mittelstütze einer Fenstergruppe gehört haben, die aus einem schmalen lotrechten Wandstreifen und den im stumpfen Winkel anschließenden Schrägen bestand. Er zeigt einen Fries senkrecht laufender und miteinander verbundener Herzpalmetten und stammt aus dem Zisterzienserkloster St. Urban bei Luzern, wo es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine florierende Produktion von Formsteinen gab, die weit über die umliegenden Ortschaften hinaus exportiert wurden. Von den bekannten Backsteinherstellungen hebt sich das St. Urbaner Stück in mehrerer Hinsicht ab: Es ist übermäßig groß, Maße von 54 x 30 x 22 cm sind die Regel, wofür man einen riskanten Brennprozess in Kauf nahm; es imitiert Hausteinformen, die in keine backsteingerechte Formen übersetzt wurden. Die Backsteinproduktion in St. Urban lässt sich vor allem aufgrund der zum Teil sicher datierten Burgen und Kirchen, an denen sie zum Einsatz kamen, zeitlich gut eingrenzen. Klar ist außerdem, dass sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen ist. Es wurde immer wieder vermutet, dass der reiche Motivschatz der St. Urbaner Muster (mehr als 100 verschiedene Motive nachgewiesen) illustrierten Handschriften der Klosterbibliothek entnommen wurde. Immerhin fallen in diese Zeit auch andere Verfeinerungen bestimmter Kunsttechniken in St. Urban (Inkrustationen, Glasuren), die auch dort betrieben wurden.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)