Logo

Die Sechs Juwel-Flüsse (Mu-Tamagawa)

Ident. Nr.: 1971-38 b

ObjID: obj:1890984

Details (Expert)

Beteiligte
Hosoda Eishi 細田 栄之 (1756 - 1829),
Maler*in
Datierung
Edo (Tokugawa)-Zeit
Bunka- bis Bunsei-Ära
1804-1829
Systematik/Art
Geografische Bezüge
Japan,
Land
Abmessungen
Bildmaß: 76,2 x 32,2 cm
Höhe x Breite: 160,5 x 50,5 cm (Montierung)

Objektbeschreibung

Der Name „Juwel-Fluss“, Tamagawa, wurde ursprünglich für Flüsse von besonderer Schönheit verwendet, da das Wort tama (Schatz, Juwel) exquisite, elegante Dinge bezeichnet. Obwohl jeder der Juwel-Flüsse bereits in der Heian-Zeit (794-1181) als „berühmter Ort“ (j. meisho) in der Dichtung besungen wurde, entstand die Gruppierung „Sechs Juwel-Flüsse“, Mu-Tamagawa, erst um die Mitte des 17. Jahrhunderts. Zu den sechs pittoresken Flüssen mit dem Präfix tama zählen:

1. Juwel-Fluss in Noda (bei Sendai, Präfektur Miyagi),
2. in Tetsukuri (in der Musashino-Ebene bei Tokyo),
3. in Noji (in der Nähe des Biwa-Sees, bei Kyoto),
4. in Ide (südlich von Kyoto),
5. in Kinuta (bei Osaka) und
6. in Kôya (auf dem Kōya-Berg, südlich von Nara).

Die ikonographische Grundlage für Darstellungen der „Sechs Juwel-Flüsse“ entstammt Waka-Gedichten von berühmten Dichtern des 8. bis 13. Jahrhunderts.
Eishis Komposition ist ein seltenes Beispiel für eine Umsetzung des Themas auf einem Hängerollenpaar. Je drei Flüsse mit ihren charakteristischen Merkmalen wurden hintereinander gestaffelt angeordnet, wobei die beiden vordersten als ausführliche figürliche Szenen, die übrigen nur als stark vereinfachte Landschaftsdarstellungen konzipiert sind. Von unten nach oben sind folgende Juwel-Flüsse dargestellt:

Rechte Hängerolle:
Kinuta (Stoffe walken, Kiefern)
Noda (Chidori-Vögel)
Kōya (Tempeldächer des Kōya-san)

Linke Hängerolle:
Tetsukuri (Stoffe bleichen)
Ide (yamabuki-Blüten)
Noji (Buschklee und Herbstmond)

Aus einer hochrangigen Familie des Schwertadels stammend, wurde Eishi in der Malerei der Kano-Schule ausgebildet und war am Hofe des Shogun tätig. In den 1790er Jahren beschloss er jedoch, auf Amt und Würde zu verzichten, um sich als Maler-Graphiker der populären „Fließenden Welt“ zu betätigen. Als Holzschnittmeister zeichnete er sich vor allem im Genre der „Darstellung schöner Frauen“ aus. Die Landschaft auf dem vorliegenden Hängerollenpaar verrät jedoch noch deutlich seine Ausbildung in der Kano-Malerei.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Die Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit

Die Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit

Zu den heiligsten und wichtigsten Texten des Mahâyâna-Buddhismus gehören die insgesamt 600 Kapitel umfassenden "Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit" (sanksr. Mahâ-prajnâpâramitâ-sûtra, jap. Dai-hannyaharamitta-kyô), welche der berühmte chinesische Pilgermönch Xuanzang (596-664) aus Indien mitgebracht und zwischen 659 und 663 ins Chinesische übersetzt hatte. Dieser buddhistische Lehrtext enthält Predigten, die Buddha in 16 Zusammenkünften auf dem Geierkopfberg in Magadha und an drei anderen Orten vor seinen Schülern und Laienanhängern gehalten haben soll. Seit dem achten Jahrhundert war es unter der Aristokratie und dem Klerus Japans ein beliebter Brauch, Sutrentexte auf kostbar verziertem Papier abzuschreiben. Die Vervielfältigung der heiligen Schrift wurde einerseits als religiöse Übung erachtet, andererseits erhoffte man damit auch heilbringende Wirkungen. Für die Sutrenabschriften wurde meist Papier verwendet, das mit Indigo dunkelblau gefärbt wurde. Für die Schrift und die begleitenden Illustrationen benutzte man Gold und Silber. Der Berliner Satz soll ursprünglich 60 Miniaturrollen umfasst haben. 10 Rollen wurden jedoch bereits im Jahre 1784 wegen Insektenfraß entfernt. Die übrig gebliebenen 50 Rollen enthalten je 10 Kapitel, wobei das äußere Deckblatt, hyôshi, mit prächtigen, stilisierten Blütenranken, hosoge, verziert ist. Auf dem Deckblatt ist auch eine Kartusche vorgesehen, in der die Nummerierung der jeweiligen Rolle sowie der Titel geschrieben ist. Auf der Innenseite fangen alle Rollen mit einer szenischen Darstellung von Buddhas Predigt vor seinen Schülern und Laienanhängern an. Eingebettet wird diese Szene in eine stilisierte, nicht näher identifizierbare Landschaft. Danach folgen die einzelnen Kapitel, die jeweils mit einem Titel voneinander getrennt sind. Mehrere Rollen sind jeweils in einem Schwarzlackkästchen untergebracht, das auf der Innenseite auf Rotlackgrund mystische Bannsilben im sogenannten Siddham-Alphabet trägt. Sechs solcher Kästchen, von Brokathüllen umgeben, füllen den großen, in der Negoro-Technik lackierten Aufbewahrungskasten. Der Kastendeckel ist mit einer chinesischen Gedichtaufschrift versehen. In einer illustrierten Chronik der Provinz Settsu aus dem Jahre 1797 wurde der Berliner Satz, der sich damals im Besitz des Jingu-Tempels in Sumiyoshi, Ôsaka, befand, erwähnt. Gemäß Akisato Ritô, dem Verfasser der Chronik, stammen Schrift und Bild von der Hand der Kaiserin Kômyô (701-760). Die technische Ausführung der Malerei deutet jedoch auf eine Arbeit des 12. Jahrhunderts hin.