Logo

Ritualgefäß, Typ gu

Ident. Nr.: 1996-16

ObjID: obj:1904161

Erworben mit Unterstützung der Ernst von Siemens-Kunststiftung

Details (Expert)

Datierung
Shang-Zeit, mittlere bis späte Anyang-Periode
12./11. Jahrhundert vor Christus
Geografische Bezüge
Herkunft (Allgemein): China,
Land
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 27,5 x 16 cm
Durchmesser: 9,7 cm (Standring)
Gewicht: 1,35 kg
Durchmesser: 9,7 cm (Öffnung)
Erwerbung
Kauf 1996

Objektbeschreibung

Lange Beschreibung: Der schlanke Kelch mit trompetenförmig weit ausschwingender Mündung über einem gewölbten Schaft, der auf einem hohen, ausgestellten Fuß mit abgesetztem Standring ruht, zeigt den für diesen Gefäßtyp kanonischen klaren und ausgewogenen dreigegliederten Aufbau. Fuß und Schaft werden durch zwei Bogensehnen voneinander abgesetzt, Schaft und Mündung sind durch eine Kanellur getrennt. Zwei taotie mit kurzen Körpern, von Mittelgraten gegliedert, nehmen Vorder- und Rückseite des Schaftes ein. Der Fuß zeigt unterhalb der beiden Bogensehnen ein schmales, in vier Einheiten aufgereihtes Band mit Schlangendekor. In den vier hohen Dekorfeldern darunter sind hochgestellte Drachen mit Vorderbein über leiwen-Grund dargestellt. Wie die taotie haben die Drachen plastische, stark aufgewölbte Augen. Über einem umlaufenden leiwen-Band an der Basis der Mündung stehen vier schlanke Lanzetten, deren Spitzen knapp unterhalb des Mündungsrandes enden. In der stark stilisierten Binnenzeichnung des Schildes sind möglicherweise reduzierte Drachenpaare ausgebildet.

Der klaren horizontalen Gliederung des Kelches entspricht eine sich aus vier Kompositionsachsen konstituierende strenge vertikale Ordnung. Diese Achsen verlaufen entlang der Mitte der Schilde auf der Mündung und setzen sich, und setzen sich, die Dekoreinheiten gliedernd, über Schaft und Fuß. Eine schmale, horizontal geführte Durchbrechung liegt in der Höhe der oberen Bogensehne unterhalb eines Schaftgrates (auf der Rückseite der auf der Farbtafel illustrierten Ansicht). Sie stellt den Rest einer nicht voll ausgebildeten kreuzförmigen Öffnung dar, die bei dem Gefäßtyp oft anzutreffen ist. Die gusstechnisch bedingten kreuzförmigen Öffnungen manifestieren sich indes bei diesem gu als Vertiefung deutlich an der Innenwandung.

SM8HF

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Die Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit

Die Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit

Zu den heiligsten und wichtigsten Texten des Mahâyâna-Buddhismus gehören die insgesamt 600 Kapitel umfassenden "Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit" (sanksr. Mahâ-prajnâpâramitâ-sûtra, jap. Dai-hannyaharamitta-kyô), welche der berühmte chinesische Pilgermönch Xuanzang (596-664) aus Indien mitgebracht und zwischen 659 und 663 ins Chinesische übersetzt hatte. Dieser buddhistische Lehrtext enthält Predigten, die Buddha in 16 Zusammenkünften auf dem Geierkopfberg in Magadha und an drei anderen Orten vor seinen Schülern und Laienanhängern gehalten haben soll. Seit dem achten Jahrhundert war es unter der Aristokratie und dem Klerus Japans ein beliebter Brauch, Sutrentexte auf kostbar verziertem Papier abzuschreiben. Die Vervielfältigung der heiligen Schrift wurde einerseits als religiöse Übung erachtet, andererseits erhoffte man damit auch heilbringende Wirkungen. Für die Sutrenabschriften wurde meist Papier verwendet, das mit Indigo dunkelblau gefärbt wurde. Für die Schrift und die begleitenden Illustrationen benutzte man Gold und Silber. Der Berliner Satz soll ursprünglich 60 Miniaturrollen umfasst haben. 10 Rollen wurden jedoch bereits im Jahre 1784 wegen Insektenfraß entfernt. Die übrig gebliebenen 50 Rollen enthalten je 10 Kapitel, wobei das äußere Deckblatt, hyôshi, mit prächtigen, stilisierten Blütenranken, hosoge, verziert ist. Auf dem Deckblatt ist auch eine Kartusche vorgesehen, in der die Nummerierung der jeweiligen Rolle sowie der Titel geschrieben ist. Auf der Innenseite fangen alle Rollen mit einer szenischen Darstellung von Buddhas Predigt vor seinen Schülern und Laienanhängern an. Eingebettet wird diese Szene in eine stilisierte, nicht näher identifizierbare Landschaft. Danach folgen die einzelnen Kapitel, die jeweils mit einem Titel voneinander getrennt sind. Mehrere Rollen sind jeweils in einem Schwarzlackkästchen untergebracht, das auf der Innenseite auf Rotlackgrund mystische Bannsilben im sogenannten Siddham-Alphabet trägt. Sechs solcher Kästchen, von Brokathüllen umgeben, füllen den großen, in der Negoro-Technik lackierten Aufbewahrungskasten. Der Kastendeckel ist mit einer chinesischen Gedichtaufschrift versehen. In einer illustrierten Chronik der Provinz Settsu aus dem Jahre 1797 wurde der Berliner Satz, der sich damals im Besitz des Jingu-Tempels in Sumiyoshi, Ôsaka, befand, erwähnt. Gemäß Akisato Ritô, dem Verfasser der Chronik, stammen Schrift und Bild von der Hand der Kaiserin Kômyô (701-760). Die technische Ausführung der Malerei deutet jedoch auf eine Arbeit des 12. Jahrhunderts hin.

Schwertstichblatt (Tsuba) in Malvenblütenform

Schwertstichblatt (Tsuba) in Malvenblütenform

Das Schwertstichblatt oder auch "tsuba" ist eine häufig durchbrochen gearbeitete Scheibe aus Eisen oder Bronze. Es schützte die Hand gegen den Hieb des Gegners und hielt zugleich das Schwert in Balance. Im Laufe der Tokugawa-Zeit jedoch, als tatsächliche Kampfhandlungen mit dem Schwert selten wurden, wurden tsuba und die weiteren Schwertschmuck-Bestandteile dekorativer und verloren teilweise sogar ihre schlichte Funktionalität. Das vorliegende Schwertstichblatt ist aus Eisen in Malvenblütenform (aoi-kata) geschmiedet. Die Front- und Rückseite werden jeweils von eingelegten Ranken aus Messing, Kupfer und Silber in einem reliefierten kleineren Blütenumriß geschmückt. In der Randzone wechseln sich Ranken und Paulownia-Blütendolden (kiri) ab, die ebenfalls in Messing, Kupfer und Silber eingelegt sind (hirazôgan-Technik). Die eingezogenen Ecken münden in herzförmigen Durchbrechungen. Rechts und links der zentralen Öffnung für die Schwertklinge befinden sich zwei weitere Öffnungen (hitsu), die die Schwertnadel (kogai) und den "kleinen Griff" (kozuka) umschlossen und fest an den Schwertkörper preßten. Das kogai ähnelt einem Papiermesser. Seine ursprüngliche Funktion ist heute nicht mehr bekannt. Möglicherweise war es Bestandteil eines Eßbestecks. Das kozuka ist der Griff zu einem etwa 12 cm langen Beimesser des Schwerts. Charakteristisch für yoshirô-tsuba sind flache, teilweise auch erheben gearbeitete Einlagen aus Metall. Der Name "Yoshirô" findet sich häufig in den Bezeichnungen auf den Stichblättern dieser Schule und nimmt ebenso wie die Signatur vom "Naomasa der 5. Generation" (godaime Naomasa) Bezug auf den Begründer der Schule.