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Vorderwand einer Frontstollentruhe

Ident. Nr.: 1884,1688

ObjID: obj:1904343

Details (Expert)

Datierung
um 1380
Abmessungen
Höhe x Breite: 92 x 163 cm

Objektbeschreibung

Die Truhenfront ist das prächtige Fragment eines über 600 Jahre alten Kastenmöbels. Als romanisch anmutende Stollentruhe – ein Typus der Ende des 12. Jahrhunderts aufkam – war sie aus vier breiten senkrechten Eckstollen und waagerecht dazwischen gesetzten mächtigen Brettern gefügt und von einem Deckel mit außen aufgesetztem Schloss versperrt. Dabei sind die Bohlen mit der Axt aus dem Stamm gespalten und nicht gesägt, die einzelnen Teile in Nuten zusammengesteckt und nicht gezinkt – insgesamt das Zeugnis einer archaisch anmutenden Möbelkultur. Die dünnen Seitenwände waren nach oben einwärts geneigt und außen mit einem Gitter von waagerecht und senkrecht aufgelegten Riegeln verziert, der Deckel wohl flach gewölbt, die Stollen unten länger und die Truhe also einiges höher.
Bei der „Biestertruhe“ ist die Front mit Medaillons von heraldischen Tierbildern und Fabelwesen bedeckt. Ungeachtet der Konstruktion liegen zwanzig Rondos in drei Reihen übereinander, ohne die architektonische Gliederung späterer, mit gotischen Wimpergen und Maßwerkarchitekturen kombinierter Exemplare. Darunter kauerten zwei Drachen – ihre Leiber in den Zwickeln fehlen, allein die Schweife laufen in Ranken aus. Die Medaillons orientieren sich an romanischen Mustern, wie sie durch orientalische und byzantinische Seidenstoffe und Elfenbeinkasten bekannt waren und in den Norden auch durch norditalienische Steinmetze überliefert wurden.
Das mehr durch Ausstechen des Grundes als durch Modellierung gebildete Relief der Medaillons ist durch Punzierungen geschmückt und trägt Reste von Farbigkeit. Das Eichenholz zeigt ganz ungleiche Spuren des Alters: der Kontakt mit dem Fußboden, die Konstruktion, die ursprüngliche Lage der Bohlen im Baumstamm und der jahrhundertelange Gebrauch – sie alle tragen zur unterschiedlichen Erhaltung bei. ASt

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal aus farblosem Glas, Abriss am Boden, leicht ansteigender Fuß mit versenktem und mattiertem Spitzblattfries, angesetzt ein wabenfacettierter Balusterschaft zwischen zwei ebenfalls wabenfacettierten Nodi, der Baluster ist mit drei übereinanderliegenden Kränzen aus eingestochenen Luftblasen verziert. Die becherförmige Kuppa wiederholt am Ansatz den Spitzblattdekor vom Fuß und trägt auf der Wandung das fein geschnittene große brandenburgisch-preußische Wappen, beidseitig gehalten von Wilden Männern und unter einem mit Adlern und der Bügelkrone bekrönten Baldachin, hinter dem rechts die Sonne strahlt, unten: Gott mit uns. Die Gegenseite zeigt den preußischen Adler im Flug gegen die Sonne, darunter: Nec soli cedit (Nicht [einmal] der Sonne weicht er), die Devise des sogenannten Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. (reg. 1713–1740). Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Perlfries unter einer Linie. Bei dem Glas handelt es sich um ein Erzeugnis der Potsdamer Glasmanufaktur, in die Regierungszeit Friedrichs I. datierend, auf den es mit Wappen und Devise gleich zweifach Bezug nimmt. Vermutlich gehörte ein Deckel dazu (der zugeordnete Deckel mit der Inv.-Nr. O-1982,92 b ist zu groß). Ähnliche Deckelpokale mit dem gleichen Sujet sind überliefert (Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 180, 181, 191, 192, 194; Rückert, Die Glassammlung des Bayerischen Nationalmuseums, Bd. 2, 1982, Kat. 812, S. 275, Taf. 251; Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Inv. Nrn. XIII 7 und Dln E.St. 01/26; Stiftung Stadtmuseum Berlin Inv. Nr. KH 99/1270 A; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 19.2 und 20.1). Pokale von dieser Größe und mit königlichen Symbolen waren sicherlich für den Hof bestimmt. [Verena Wasmuth]MAKR

Vergoldeter Pokal mit Bildnis Königin Sophie Dorothea von Preußen

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Pokal aus dickwandigem, farblosem Glas, Boden mit Abrissnarbe, die gesamte Oberfläche ist akzentuiert mit Gold staffiert, auf dem Fuß ein Kranz aus Oliven mit Ovalaugen, der massive Schaft ist mit Längsfacetten beschliffen, die sich bis an den Ansatz der bündig anschließenden Kuppa als vertiefte Zungen fortsetzen. Die Kuppawandung ziert in Tiefschnitt unter der Bügelkrone das von einem Adler gehaltene Rundmedaillon mit dem Profilbildnis Königin Sophie Dorotheas (1687–1757), flankiert von Adlern und Lorbeerzweigen, darunter fein goldgemaltes Rollwerk und sich überkreuzende Füllhörner. Der verwärmte Mündungsrand ist beidseitig vergoldet. Der Pokal datiert entweder in die letzten Betriebsjahre der Potsdamer oder in die ersten der Zechliner Glashütte und dürfte höchst wahrscheinlich als Paar mit einem Glas konzipiert gewesen sein, das ein Porträt Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) trug (möglicherweise Inv. Nr. O-1982,78, a,b). Eine Reihe sehr ähnlicher bis nahezu identischer Pokalgläser mit Potsdamer Provenienz sind überliefert, die einen zugehörigen Deckel besitzen (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 35.5; Baumgärtner, Porträtgläser, 1981, Abb. 9, S. 21; für das Bildnis vgl. Abb. 5, S. 18; Klesse/Mayr, Veredelte Gläser aus Renaissance und Barock, 1987, Nr. 134; Strasser/Spiegl, Dekoriertes Glas, 1989, Kat. 145, S. 280; Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr. Kunstkammer, 10382; Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv. Nr. II 74/185 A, ebenfalls ohne Deckel). Ursprünglich war wohl ein zugehöriger Deckel vorhanden, der zugeordnete Deckel passt nicht, er gehört zu einem kleineren Pokal. [Verena Wasmuth]MAKR