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Spielekasten aus dem Pommerschen Kunstschrank

Ident. Nr.: P 77 a

ObjID: obj:1905285

Details (Expert)

Beteiligte
Herstellung: Johann Matthias Kager (um 1575–1634),
Entwerfer*in
Herstellung: Ulrich Baumgartner (vor 1580 - 1652),
Kunsttischler*in
zugeschrieben: Paul Goettich (1586 - 1622),
Graveur*in
Datierung
vor 1614/15
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 4,5 x 37,5 x 46 cm

Objektbeschreibung

Offener Kasten für 10 Spiele mit Spielplänen auf Außen- und Innenseite des Bodens, in den sich zwei doppelseitige Spielbretter (Inv. Nr. P 77 b und c) einlegen lassen. Die niedrigen Wandungen des Spielekastens sind durch Einlegearbeiten mit verschiedenen exotischen Hölzern in geometrische Figuren gegliedert, die an der ursprünglich zur Vorderseite des Schrankes zeigenden Seite die Fronten von zwei nebeneinander liegenden größeren und einer seitlich gelegenen schmaleren Schublade mit Knäufen vortäuschen. Lange schmale Kästchen zur Aufnahme der Spielsteine (Inv. Nr. P 77 d [1–27], P 77 e [1–26], P 77 f [1–15], P 77 g [1–13]) begleiten die Außenseiten des Kastens. Sie besitzen Schiebedeckel, die jeweils in gravierten Silbereinlagen ein quadratisches Eckfeld mit Erdteil-Allegorie und ein langrechteckiges mit dem Triumphzug eines Elements zeigen. Schiebt man den Deckel über das Eckfeld mit Europa, Africa, Asia oder America zur Seite, so kommt ein doppelstöckiges mit rotem Samt gefüttertes Kästchen zum Vorschein, dessen Einsatz Abteilungen für die Spielsteine enthält. Seine Außenseiten sind mit Marmorpapier beklebt. In der Mitte das quadratische Spielfeld mit den vorgeschriebenen 8 x 8 Feldern für Schach aus schwarzen Ebenholzfelder und weißen Elfenbeinplättchen, die szenische Gravuren zeigen. Auf der Rückseite zweigeteiltes Brett mit einem Schach- oder Dame-Spielplan in Rhombusform mit rautenförmigen Einzelfeldern aus Ebenholz- und Perlmuttplättchen. Daneben ein Gänsespiel mit Silber in den hölzernen Grund eingelegt. Um ein großes Mittelfeld mit einer Darstellung der Fortuna zieht sich eine doppelte Reihe nummerierter Spielfelder, von denen manche leer, eine geringere Zahl mit bedeutsamen Miniaturdarstellungen ausgelegt sind. Beide umgeben von reichem ornamentalem und figürlichem Schmuck aus gravierten Silbereinlagen in den Zwickeln. Groteske Mischwesen, Schwäne, in Festons schaukelnde Vögel, Tuchgehänge, Perlschnüre und Bänder sind zu amüsantem ornamentalem Beiwerk verbunden. Beide Spielbretter zusammen zum Turmspiel zu verwenden.
unbezeichnet

Lit.: Julius Lessing / Adolf Brüning: Der Pommersche Kunstschrank im Königlichen Kunstgewerbe-Museum, Berlin 1905, S. 45, Nr. P 77.
Barbara Mundt: Der Pommersche Kunstschrank des Augsburger Unternehmers Philipp Hainhofer für den gelehrten Herzog Philipp II. von Pommern, München 2009, S. 230–234, Nr. P 77, P 77.1, S. 238f., Nr. P 77.2 und P 77.3 sowie S. 240f., Nr. P 77.4.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa