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Mindener Altar

Ident. Nr.: 5863

ObjID: obj:1909560

Details (Expert)

Datierung
Datierung: um 1220/30, um 1425/30
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 250 x 551 x 19 cm (geöffnet)
Höhe x Breite x Tiefe: 250 x 276 x 48 cm (geschlossen)
Erwerbung
Erworben 1909 nach mehrjährigen Verhandlungen mit der Mindener Domgemeinde.

Objektbeschreibung

Das Hochaltarretabel aus dem Mindener Dom besteht aus zwei mittelalterlichen Teilen, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden und deren Zusammenfügung vermutlich erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erfolgte. Der mächtige Aufsatz in Gestalt eines Triptychons mit Skulpturen im Innern und Malereien auf den Flügelaußenseiten entstand im frühen 15. Jahrhundert. Die heutige Predella hingegen ist sehr wahrscheinlich das ehemals mit Reliquien ausgestattete Retabel des um 1220/30 im Zuge des Neubaus der Ostteile des Mindener Doms neu errichteten Hochaltars. Durch die Kombination mit dem späteren Aufsatz ist das ältere Retabel einschneidend verändert worden. Es handelt sich um einen querrechteckigen Kasten, der auch ursprünglich lediglich an der Front und den Seiten durch zwei Arkadenreihen horizontal gegliedert wurde. Im Mittelrisalit befindet sich die Marienkrönung. Der Aufsatz des jüngeren Retabels ist ein verschließbares Triptychon, das innen eine reiche architektonische Rahmenstruktur besitzt, die von großformatigen Skulpturen der Marienkrönung und des Apostelkollegiums geschmückt und von kleineren Engel bevölkert wird.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 10.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)