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Kruzifix

Ident. Nr.: 8564

ObjID: obj:1910553

Details (Expert)

Datierung
2. Hälfte 18. Jahrhundert
Material / Technik
Blei
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 90,4 x 32 x 14 cm (Gesamtmaß)
Höhe x Breite x Tiefe: 18,7 x 20,6 x 14 cm (Sockel)
Höhe x Breite x Tiefe: 35,7 x 20 x 5,2 cm (Christus)

Objektbeschreibung

An einem hoch aufragenden Kreuz ist die schlanke Gestalt Christi mit drei Nägeln befestigt – an den Händen der beiden V-artig hochgestreckten Arme sowie an den übereinandergelegten Füßen, weshalb man hier auch von einem Dreinagelkruzifix spricht.
Seine Hüfte schwenkt in einer leichten Torsion nach rechts aus, wodurch der Körper einen leicht S-förmigen Schwung erhält. Der Blick des gesenkten Hauptes ist nach rechts unten gerichtet, während das um die Hüften gewickelte Lendentuch nach links flattert und so ein optisches Gegengewicht zur Torsion des Körpers bildet. Das Kruzifix steckt in einer felsartigen, pyramidal angeordneten Erhebung, die eine Anspielung auf Golgotha sein soll, also den Hügel, auf dem Christus gekreuzigt wurde.
Eine genaue zeitliche und stilistische Einordnung des Werkes ist schwierig. Bleikreuze wie das hier vorgestellte sind im 18. Jahrhundert vor allem als Altarkreuze weit verbreitet. Allerdings kann auch an eine Verwendung im Rahmen der privaten Andacht in einer Hauskapelle gedacht werden. Auffallend ist die äußerst schlanke und gestreckte Gestalt des Erlösers, in der anatomische Details wie Muskeln und die Rippen des vorgewölbten Brustkorbs subtil modelliert wurden. Eine späte Datierung ergibt sich durch den dazugehörigen Sockel, der nicht in den geschwungenen und ausladenden Formen des Rokokos gestaltet ist, sondern bereits die strengeren Ornamente der griechischen Klassik aufweist, die im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts besondere Beliebtheit erfuhr.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

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Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)