Logo

Fragmente einer Tunika

Ident. Nr.: 9930

ObjID: obj:1910731

Details (Expert)

Datierung
Datierung: 2.-4. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Material / Technik
Abmessungen
Breite: 205 cm (mit Ärmeln)
Höhe: 86 cm (Mittelteil)
Breite: 106 cm (Mittelteil)

Objektbeschreibung

Erhalten sind drei Teile einer weiteren Ärmeltunika, und zwar ein größeres Fragment des Vorder- oder Rückenteils und die beiden Ärmel. Die Tunika wurde in einem Stück von Ärmel zu Ärmel gewebt, d.h. die Kette verläuft horizontal. Die Ärmel der Tunikaseiten waren ursprünglich geschlossen. Die Tunikaseiten wurden durch mehrere Schußeinträge in den letzten drei Fächern verstärkt. Diese Verstärkung wird bis in den Achselbereich fortgeführt und markiert so den Übergang vom Vorder- bzw. Rückenteil zu den Ärmeln. Die Anschlüsse sind am oberen Abschluß des rechten Ärmels und an der oberen linken Kante des Vorder- bzw. Rückenteil erhalten. Die Ärmel setzten etwas tiefer am Vorder- und Rückenteil der Tunika an, als die Abbildung sugeriert. Ein gestopfter Riß befindet sich in Höhe einer Achsel.
Das Grundgewebe der Tunika ist durch vertikale doppelte Strukturstreifen in regelmäßigen Abständen von ca. 2,5 cm verziert. An der Innenseite der Clavi liegen mehrere Strukturstreifen in dichter Abfolge. Die Clavi verlaufen bis zur unteren Kante des Vorder- bzw. Rückenteils. Die Ärmelstreifen sind durch eine schmale Linie aus ungefärbten Schußeinträgen in zwei Bahnen unterteilt. Clavi und Ärmelstreifen sind schlicht dunkelviolett gehalten. Kurze Fransen schmücken die unteren Ärmelabschlußkanten. Reste etwas längerer Fransen haben sich an der linken Tunikaseite unter der Achsel erhalten. Parallel zu den Tunikaseiten und den unteren Ärmelabschlußkanten sind zwei Schüsse aus dunkler Wolle eingetragen. Eine Radiocarbonanalyse zur Altersbestimmung erbrachte einen Datierungszeitraum von 135-320 n. Chr.

(Cäcilia Fluck, 2018)

Letzte Aktualisierung: 08.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Junge Frau

Junge Frau

Die grazile Frauengestalt, in Mieder und einem bodenlangen, die Füße vollständig bedeckenden Kleid gehüllt, ist in einer ausgewogenen Torsion dargestellt. Dem leicht einwärts gekehrten Spielbein, das sich unter dem vom Wind erfassten Stoff deutlich abzeichnet, antwortet der nach links gewendete Oberkörper, während der Kopf sich wiederum über die rechte vorgeschobene Schulter neigt. Die schwungvolle Körperbewegung wird durch die gleichmäßigen, von allen Seiten fein ausgearbeiteten Gewandfalten effektvoll nachgezeichnet. Von gleicher handwerklicher Raffinesse ist die Ausarbeitung der anmutigen Physiognomie und des am Hinterkopf zum Knoten geschlungene Haares. Über die Identität der kleinen Figur lässt sich nur spekulieren. Die frei angesetzten Unterarme mit den zur Seite ausgerichteten und zum Gebet zusammengefalteten Händen, sind wohl eine spätere Ergänzung. In den frühesten Inventareintragungen (1655 und 1757), als sich die Statuette noch in der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer befand, wurde sie mal mit Turm, mal mit Kelch beschrieben, womit sie eindeutig als hl. Babara zu identifizieren wäre.Bislang konnte kein Künstler dem Werk eindeutig zugeordnet werden. Allerdings finden sich von dem in Regensburg tätigen Maler Albrecht Altdorfer (1480-1538) einige Zeichnungen, in denen nicht nur der gleiche Frauentypus vorkommt, sondern auch ein ganz ähnlicher Körperaufbau mit geradezu identischen Faltenzügen. Es ist daher plausibel, den Autor dieser anmutigen Mädchenfigur in Regensburg, im Umkreis Albrecht Altdorfers zu suchen.

Heiliger Nikolaus

Heiliger Nikolaus

Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)