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Reliquienkasten aus Agram (Zagreb)

Ident. Nr.: F 203

ObjID: obj:1919066

Details (Expert)

Datierung
12. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Italien
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 10,7 x 51,6 x 10,5 cm

Objektbeschreibung

Das Reliquiar aus dem Schatz des Domes zu Agram (Zagreb) wurde durch das Domkapitel angeblich im Zusammenhang mit der Finanzierung der Instandsetzung der Kathedrale nach dem Erdbeben von 1880 veräußert und gelangte bis 1887 in die Sammlung von Albert Figdor in Wien.
Der kupferne Deckelkasten ist mit Ausnahme des Bodens an allen Außenseiten mit opakem Émail cloisonné bedeckt. An seinen beiden Längswänden entfaltet sich ein kleinteiliges Blattwerk vor blauem Schmelzgrund, zwischen dem wellenartige weiße Linien je acht linsenförmige Felder bilden, die an der stark beschädigten Schloss-Seite des Kastens mehrfarbige Vogeldarstellungen zeigen, während an der Scharnier-Seite vier von ihnen weiße Kreuze enthalten. Am Deckel erscheint das vegetabile blaugründige Ornament durch symmetrisch angelegte rundliche Rankenformen deutlich strenger organisiert. Hier gliedert es die Flächen zwischen acht Medaillons, in denen auf weißem Grund Brustbilder von Heiligen dargestellt sind. Von links nach rechts erscheinen der hl. Georg (Ⓐ ΓΕωΡΓΙΟS), die hl. Agatha (ΗΑΓΙΑ / ΑΓΑΘ), Maria (ΜΡ / ΘΥ), Christus (ΙC / ΧC), Johannes der Täufer (Ⓐ Ιω/ΟΡΤ), Apostel Simon (Ⓐ CΙ/ΜΟΗ), Apostel Judas (Ⓐ ΙΟΥ/ΔΑS) und der hl. Demetrios (Ⓐ ΔΙΜΙΤΡΙΟS). Bedingt durch die gerade Anzahl der Medaillons erscheint Christus nicht im Zentrum der Bildreihe. Die beiden seitlichen Darstellungen sind als Halbmedaillons angelegt. Die Schmalseiten des Kastens zeigen vor grünem Hintergrund ohne vegetabiles Ornament die beiden Erzengel Michael (Ο ΑΡΧ / ΜΧ) und Gabriel (ΓΑΒΡΗΜΛ) als Halbfiguren.
Das Bildprogramm byzantinischer Prägung sowie die Form des Behältnisses und seine an eine Versilberung erinnernde Verzinnung im Innern legen die Annahme einer bereits intendierten Funktion des Deckelkastens als Reliquienbehältnis, möglicherweise für Arm- oder Beinreliquien, nahe. Die einer solchen Verwendung entsprechende, jedoch ohne Rücksicht auf die Zellenschmelzdarstellungen erfolgte Montage der Scharniere und des Schlosses muss keineswegs, wie früher angenommen, erst im Nachhinein erfolgt sein. Am Bodenblech finden sich Spuren ehemals angelöteter Fuße, deren Ursprünglichkeit jedoch ebenso fraglich bleibt wie die eines Deckelknaufs, auf dessen frühere Existenz eine Bohrung im Bereich der Befestigung der Schlossfalle verweist. LL

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Bauchiger Deckelpokal mit Fruchtgirlanden

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Pokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem, schlierigem Glas, Abriss am Boden, ansteigender, getreppter Fuß mit einem Kranz aus Strahlenfacetten über vertieften Rundfacetten. Der angesetzte Schaft, schlank-konvex geformt und mit gestaffelten, stehenden Bogenfacetten versehen, geht nahtlos in die rund gebauchte Kuppa mit Eisboden über, dieser mit einem Kranz aus zwölf Luftblasen konzentrisch um eine zentrale eingestochene Luftblase dekoriert. Die Kuppawandung ist mit einer umlaufenden, detailreich geschnittenen Girlande aus Früchten verziert, die an Ringen hängt. Auf jedem Feston sitzt ein Tier: ein Bär, zwei Eichhörnchen und ein Adler. Die Pokal- sowie die Deckelmündung ziert ein blanker Perlfries, der hoch aufgebaute Deckelknauf orientiert sich am Schaftdekor. Am Fuß sind Merkmale der Glaskrankheit erkennbar.Robert Schmidt bildet den Kelch 1914 in seinem Standardwerk "Brandenburgische Gläser" von 1914 ab und beschreibt die Glasmasse bereits als "hell" mit "Haarrissen". Eine Reihe bauchiger Pokale gleicher Größe aus brandenburgischer Produktion - mit und ohne Vergoldung - ist überliefert (vgl. Klesse, Glassammlung Helfried Krug, 1965, Kat. 273; Berckenhagen, Berliner und Märkische Gläser, 1956, Kat. 23; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 34.1; 37.2). Sie werden übereinstimmend der Zechliner Glashütte zugeschrieben in die Zeit um 1740 und tragen meist jagdliche oder mythologische Szenen. Als Glasschneider wird Elias Rosbach oder jemand aus seinem Umkreis vermutet. [Verena Wasmuth]