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Reisefutteral

Ident. Nr.: 1894,152

ObjID: obj:1919958

Details (Expert)

Datierung
um 1550
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 30,5 x 10 x 8,5 cm

Objektbeschreibung

Überaus reich gestaltetes Futteral, das am Sattel getragen wie auch wohl anderweitig genutzt werden konnte. Schon das Äußere besticht durch fein gearbeitete gravierte Messingbeschläge, die in zierlichen dreistieligen Blüten die Ecken schützend umspannen. Seitlich an den Kanten und am Deckel sind inmitten von Blättern Messingringe befestigt für eine Kette oder Trageriemen. Die Riegel zu dem heute fehlenden Schloß verlaufen am Deckel in ein ornamentiertes Band, am Kasten ist es ein Drache, der Mitte zum Fuß des Futterals kriechend dargestellt wird. Der Deckel ist aufzuklappen. Er greift über einen erhöhten Einsatz im Kasten, der drei größere Fächer und sechs unterteilte kleinere besitzt. Sie bieten flache Einsteckmöglichkeiten für Messer, vielleicht auch Spielkarten, Schreib- und Malutensilien. Die Fächer sind mit Elfenbeinplättchen besetzt, denen Ranken und Blütenmuster eingelegt und eingraviert wurden. Die drei Schauseiten des herausragenden Einsatzes bestehen aus Ebenholz, Perlmutterintarsien mit sehr feinen geschwärzten Binnenzeichnungen zeigen an der Vorderseite die Verkündigung nach einem für Italien üblichen Schema. Abweichend dürfte jedoch die Vorlage für die Marienfigur gewesen sein, die eher einer Sibylle oder allegorischen Frauengestalt der Zeit gleicht. An den Seiten, zwischen zwei großen Blüten, wurden die Tugenden Prudentia (Klugheit) und Spes (Hoffnung) in Perlmuttermedaillons eingraviert. Die Intarsien sind von zarten gravierten und vergoldeten Ranken umgeben. Mit Perlmutter wurde auch das Innere des Deckels gestaltet. Die rückseitige Fläche zeigt eine Darstellung des Sündenfalls, Adam und Eva am Baum der Erkenntnis. In einem Medaillon darüber, bezogen auf den Sündenfall und hier als Symbol des Teufels zu deuten, ein junger Bär. Auf der Seite gegenüber ein Früchtestillleben. Zwei weitere Medaillons sind nicht mehr vorhanden.
EM

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR

Rastender Herkules (Modellnummer 382)

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Herkules ist an seinen Attributen, der lorbeerblattumrankten Keule und dem Löwenfell, zu identifizieren. Er wendet den Kopf nach links und nimmt so gewissermaßen Kontakt auf zu seiner weiblichen Pendantfigur, "Venus im Muschelwagen". Im Bestand des Kunstgewerbemuseums sind beide Figuren, in jeweils unterschiedlichen Größen, als weiß glasierte (Herkules, Inv. Nr. DM 8) bzw. staffierte Versionen (Venus, Inv. Nr. O-1990,94) vorhanden.Bei der hier besprochenen Herkulesfigur handelt es sich um ein nur schrühgebranntes Exemplar, das vermutlich wegen der Brandrisse, v.a. am Sockel unterhalb des rechten Fußes, nicht in den Glasurbrand gegeben wurde. Abgesehen vom Scherben ist auch der geringe Größenunterschied zur glasierten Version von nur einem Zentimeter ein Indiz dafür, dass es sich nicht um das Tonmodell handelt, das bei einer Schwindung des Porzellans von 16-22 % größer sein müsste. An der detaillierten, fast überzeichneten Oberflächenmodellierung ist zu erkennen, dass der Entwerfer, Wilhelm Christian Meyer (1726-1786), die Verschleifung der Details durch die Glasur einkalkulierte. Wilhelm Christian war ambitionierter Bildhauer und Schüler seines Bruders Friedrich Elias Meyer (1723/24 - 1785). Letzterer war Modellmeister bei der KPM und holte seinen jüngeren Bruder 1766 an die Berliner Porzellanmanufaktur.Weiterführende Informationen sind zu finden in: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 307-309, Kat.Nr. 41; Claudia Kanowski, in: C.Kanowski / L. Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 24-27, Abb. S. 26.ClKa