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Heilige Dorothea

Ident. Nr.: 7964

ObjID: obj:1924069

Details (Expert)

Datierung
Ende 14. Jahrhundert
Material / Technik
Sandstein
Abmessungen
Höhe: 66 cm

Objektbeschreibung

Die schlanke Gestalt der heiligen Jungfrau steht auf einer Konsole in Gestalt eines voll ausgebildeten Engels, der mit angezogenen Beinen in einer nahezu waagerechten Lage schwebt. Der linke, umgeknickte Flügel des Engels dient optisch der Heiligenfigur und tatsächlich einem kleinen Kind als Standfläche, von dem lediglich der nackte rechte Unterschenkel erhalten ist. Das Kind ist ein wichtiges Attribut Dorotheas, das sie – wie in diesem Fall – meist an der rechten Hand führt und das einen kleinen Korb mit Rosen und Äpfeln hält. Auf zeitgenössischen Darstellungen trägt es ein schlichtes Unterhemd und um das Haupt in der Regel einen Rosenkranz; ein zumindest auf Gemälden unmissverständlicher, wahrscheinlich auch plastischen Darstellungen meist applizierter Kreuznimbus weist es als Jesuskind aus. Das Kind entstammt einer im Mittelalter sehr beliebten Episode aus der Legende der frühchristlichen Märtyrerin, die auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung mit der Aufforderung verspottet wurde, aus dem Garten ihres himmlischen Bräutigams – zur Winterzeit – Äpfel und Rosen zu schicken. Ein Kind brachte daraufhin einen Korb mit dem Gewünschten, den es auf Dorotheas Geheiß dem ungläubigen, auf diese Weise bekehrten Spötter (Theophilus) überbrachte. Das Kind an Dorotheas Hand wurde als Symbol ihres Rangs als heilige Jungfrau und Braut Christi verstanden.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Blattornamenten

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)