Logo

Heilige Dorothea

Ident. Nr.: 7964

ObjID: obj:1924069

Details (Expert)

Datierung
Ende 14. Jahrhundert
Material / Technik
Sandstein
Abmessungen
Höhe: 66 cm

Objektbeschreibung

Die schlanke Gestalt der heiligen Jungfrau steht auf einer Konsole in Gestalt eines voll ausgebildeten Engels, der mit angezogenen Beinen in einer nahezu waagerechten Lage schwebt. Der linke, umgeknickte Flügel des Engels dient optisch der Heiligenfigur und tatsächlich einem kleinen Kind als Standfläche, von dem lediglich der nackte rechte Unterschenkel erhalten ist. Das Kind ist ein wichtiges Attribut Dorotheas, das sie – wie in diesem Fall – meist an der rechten Hand führt und das einen kleinen Korb mit Rosen und Äpfeln hält. Auf zeitgenössischen Darstellungen trägt es ein schlichtes Unterhemd und um das Haupt in der Regel einen Rosenkranz; ein zumindest auf Gemälden unmissverständlicher, wahrscheinlich auch plastischen Darstellungen meist applizierter Kreuznimbus weist es als Jesuskind aus. Das Kind entstammt einer im Mittelalter sehr beliebten Episode aus der Legende der frühchristlichen Märtyrerin, die auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung mit der Aufforderung verspottet wurde, aus dem Garten ihres himmlischen Bräutigams – zur Winterzeit – Äpfel und Rosen zu schicken. Ein Kind brachte daraufhin einen Korb mit dem Gewünschten, den es auf Dorotheas Geheiß dem ungläubigen, auf diese Weise bekehrten Spötter (Theophilus) überbrachte. Das Kind an Dorotheas Hand wurde als Symbol ihres Rangs als heilige Jungfrau und Braut Christi verstanden.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Kruzifixus

Kruzifixus

Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)