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Maria mit dem Kind

Ident. Nr.: 7025

ObjID: obj:1924073

Details (Expert)

Datierung
um 1420/30
Material / Technik
Lindenholz, gefasst
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 83 x 31 x 22,5 cm
Gewicht: 7,9 kg

Objektbeschreibung

Die Muttergottes steht auf einer polygonalen, unten gekehlten und oben leicht geschrägten Plinthe. Ihr Körper vollführt einen kräftigen S-Schwung vom vorgestellten rechten Fuß über die ausgestellte linke Hüfte, über den zurückgenommenen und auch optisch ganz hinter der Stofffülle des Mantels verschwindenden Oberkörper bis zum wieder gegenläufig ausgerichteten geneigten Kopf. Über der linken Hüfte hält sie das mit überkreuzten Beinen sitzende Kind, in der Rechten einen großen Apfel. Über einem am Hals v-förmig geschlossenen Kleid trägt Maria einen weiten Mantel, der von der linken Schulter über den Körper gezogen wird und über dem vorgestreckten rechten Arm liegt. Somit entstehen charakteristische Querfalten, wie die schwere Schüsselfalte zwischen Kind und Apfel, darüber mehrere flache und gebrochene Falten sowie vor dem Unterleib Dreieck- und unterhalb des Kindes mehrere lange Zugfalten. In der Gesamtwirkung ergibt sich jedoch eine recht einheitliche Mantelfläche, hinter der der Körper vollständig verschwindet. Der Schleier ist locker um Marias Haupt gelegt und fällt gemeinsam mit dem Mantel von der linken Schulter quer über ihren Oberkörper über den rechten Arm zur Seite, wo er aus dem linken Halbprofil gut sichtbar ist. Auf dem Haupt sitzt eine mächtige Krone mit hohem Reif und dreipassförmigen, in der Größe alternierenden Zacken. Die gelockten und zu lebendigen Wülsten gedrehten Haare sind fein gerillt. Das länglich-spitze Gesicht besitzt eine hohe, ebenmäßig gewölbte Stirn, deutlich geschlitzte Augen, glatte Wangen ohne klar akzentuierte Jochbeine, eine schmale Nase sowie einen zarten Mund mit regelmäßig zu einem Lächeln nach oben gebogenen Winkeln. Ein fast identisches Lächeln zeigt das Kind, dessen Kopf freilich viel stärker gerundet und dessen kurze Locken regelmäßig angeordnet sind, bis hin zu symmetrisch in die Stirn fallenden Strähnen.

Kind und Mutter blicken sich nicht an und neigen auch nicht die Köpfe einander zu, sondern schauen herab zum vor ihnen stehenden Betrachter. Anstelle einer unmittelbaren Interaktion treten verschiedene kleinere Bezüge und Berührungen zur Verdeutlichung der Innigkeit der Beziehung zwischen beiden. Das Kind greift spielerisch mit der rechten Hand in den Schleier, Symbol der Mutterschaft Marias – ein schon in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts geläufiges Motiv. Ein besonders schönes Detail ist die ebenfalls spielerisch aufgefasste zärtliche Verschränkung der Hände: Die drei kleinen Finger der linken Hand Jesu sind zwischen linkem Ring- und Mittelfinger der Mutter gesteckt; nur sein Daumen liegt auf ihrem Mittelfinger. Durch die vielfache direkte Berührung drängt sich der Größenunterschied der Hände und somit die Betrachtung der Kindlichkeit Christi auf. Derselben Intention folgt die fast demonstrative Sichtbarkeit des Geschlechts sowie überhaupt des schutzlosen nackten Körpers, an dem die einzelnen kindlichen Speckfalten deutlich erkennbar sind.

Das Kind ist kompositorisch durch die große Schüsselfalte des Mantels und den Griff seiner Rechten an den Schleier seiner Mutter mit dem großen Apfel in Marias rechter Hand verbunden. Die inhaltliche Bedeutung dieser Verkettung entspricht dem zentralen Bildgehalt: Der Apfel symbolisiert die Erbsünde, die Maria als neue Eva überwindet und von der die Menschheit durch das Kreuzesopfer des inkarnierten Gottessohns erlöst wird. Dieses wird angedeutet durch das traditionelle Motiv der überkreuzten Beine des Kindes und die somit sichtbar werdenden Fußsohlen, durch die die Nägel am Kreuz geschlagen werden. Der Blick beider Personen auf den Betrachter bindet diesen in das Heilskonzept ein.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Letzte Aktualisierung: 25.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

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Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler