Logo

Papyrusbündelsäule und Säulenbasis aus dem Grab des Iniuia, Schreiber und Rindervorsteher des Amun

Ident. Nr.: ÄM 1627

ObjID: obj:1929193

Details (Expert)

Beteiligte
Carl Richard Lepsius (23.12.1810 - 10.7.1884),
Expeditionsleiter*in
Datierung
19. Dynastie
Datierung engl.: 19th Dynasty
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 143,5 x 23,5 x 23 cm (1)

Objektbeschreibung

„Die Beamtengräber des Neuen Reiches in Saqqara hatten als Oberbau über den unterirdischen Grabkammern eine Pyramide, an dessen Ostseite sich kleine tempelartige Anlagen erhoben mit einem Pylon, einem oder mehreren Höfen, häufig mit Säulenarkaden, und, an die Pyramide angebaut, kleine Opferkapellen, ebenfalls häufig mit Säulen. Aus einem solchen Bauzusammenhang kommen zwei gleichartige Säulen der Grabanlagen für einen „Königlichen Schreiber und Verwalter der Rinder des Amun, Inua“. Sie sind zwei schöne Beispiele der „Papyrusbündelsäule“: Sechs dreikantige Papyrusstengel sind durch eine Umschnürung zusammengehalten, über dem die geschlossenen Blütenstände emporragen. Zwischen je zwei Papyrusstengel sind durch das Band drei kleinere Stengel mit geschlossenen Dolden gesteckt. Die Säulen stehen auf breiten Basen und sind mit flachen Abaci abgedeckt, auf dessen Seitenflächen Titel und Name des Grabinhabers stehen. Viele der beschriebenen Details sind nur durch die farbliche Fassung angegeben gewesen. Nach den Farbresten waren die Schäfte gelb, die fünffache Schnürung abwechselnd rot und blau. Die ägyptische Architektur hat u.a. mehrere Typen von Pflanzensäulen entwickelt, die „Palmensäule“ als Wiedergabe eines Palmstammes mit neun Palmwedeln, die „Lotosbündelsäule“ aus vier zusammengeschnürten Lotosstengeln mit vier geschlossenen Knospen, die „Papyrussäule“ aus einem Papyrusstengel mit glockenförmiger geöffneter Dolde und in der Steinarchitektur seit der Perserzeit nachweisbar eine Papyrussäule, deren „Kapitell“ aus unterschiedlichen pflanzlichen Motiven zusammengesetzt wird („Kompositsäule“). Eine Abart der „Papyrusbündelsäule“ vereinfacht in der Ramessidenzeit die Säule zu einem drehrunden geschlossenen Körper, auf dem dann Reliefszenen angebracht werden. Den Pflanzen nachgebildeten Säulenformen kam in der Tempelarchitektur ein eindeutiger Symbolwert zu. Die Tempel waren Abbilder des Kosmos: Die Säulen sind die aus dem Erdboden sprießenden Pflanzen, über denen sich die Decke als Himmelwölbt. Außer diesen Säulenformen spielen in der Steinarchitektur neben dem Pfeiler noch die aus dem Pfeiler abgeleitete kannelierte Säule einer Rolle, die Nachbildung von Zeltstangen und für die Tempel von Göttinnen die „Hathorsäulen“ als Nachbildung von Sistren.“
Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, Karl-Heinz (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 140.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper