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Rinaldo und Armida im Zaubergarten Armidas, von Carlo und Ubaldo belauscht

Ident. Nr.: 459D

ObjID: obj:1949446

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Giovanni Battista Tiepolo (1696 - 1770),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1750/53
Weitere Titel
Sammlungstitel: Rinaldo und Armida im Zaubergarten Armidas, von Carlo und Ubaldo belauscht
Übersetzung: Rinaldo and Armida in Armida's Enchanted Garden, Overheard by Carlo and Ubaldo
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 39,4 x 62,5 cm

Objektbeschreibung

In einem Brief der Hofkammer in Würzburg vom 29. Mai 1750 ist erstmals davon die Rede, dass Tiepolo sich bereit erklärt habe, Arbeiten für die von Balthasar Neumann erbaute Würzburger Residenz des Fürstbischofs Carl Philipp von Greiffenclau auszuführen. Am 12. Dezember 1750 traf Tiepolo mit seinen beiden Söhnen Domenico und Lorenzo in Würzburg ein, wo er fast drei Jahre blieb. Das 1753 datierte Deckenfresko im großen Treppenhaus bildet den Kulminationspunkt seines Schaffens. Neben der Freskodekoration des Kaisersaals (1752) und den Bildern für die Kapelle (1752) malte er wahrscheinlich 1753 für nicht näher bestimmbare Räume der Residenz zwei Leinwandbilder mittleren Formats mit Szenen aus einer der bekanntesten und am häufigsten dargestellten Liebesepisoden in Torquato Tassos Versepos "Das Befreite Jerusalem" (1581): Rinaldo und Armida im Zaubergarten Armidas und Rinaldos Abschied von Armida. Die beiden Bilder befinden sich seit 1974 wieder in der Residenz.
1908 konnte Wilhelm von Bode für die Berliner Gemäldegalerie die kleine, modellohafte Skizze der ersten der beiden Tasso-Szenen erwerben. 1979 gelang es, aus der Sammlung Cailleux in Paris die Skizze für das zweite Würzburger Bild zu erwerben (Ident.Nr. 2000.1). Damit ist das Skizzenpaar für die Würzburger Pendants wieder vereinigt und der ursprüngliche Zusammenhang der beiden Bilder wiederhergestellt, die sich inhaltlich ergänzen, ein Ganzes bilden und kompositionell aufeinander abgestimmt sind. Umstritten bleibt, ob es sich bei den Berliner Bildern um vorbereitende, modelloartig ausgeführte Skizzen für die Würzburger Bilder handelt, wie es der überwiegende Teil der Forschung annimmt, oder aber um veränderte Wiederholungen des Meisters in kleinem Format, um sogenannte "Kleinfassungen", wie Rizzi (1971) annahm, der sie dementsprechend um 1755/60 datierte. Bei der ersten Szene stimmen "Skizze" und ausgeführtes Bild kompositionell weitgehend überein, im Figurenbestand und in den wesentlichen Elementen des landschaftlichen Ambiente, wenn auch das Verhältnis dieser beiden Komponenten zueinander sehr verschieden ist.
Bei der anderen Szene divergiert die Komposition selbst sehr stark.
Bekanntlich waren Tassos Versepos und Ariosts "Rasender Roland" (1516) diejenigen zeitgenössischen Dichtungen profanen Charakters, die die wichtigsten Bildquellen in diesem Bereich für die Malerei des 17. und des 18. Jahrhunderts wurden. Die Analogien dieser Dichtungen, deren Thema die Verteidigung und der Sieg des Christentums im Kampf gegen die heidnischen Sarazenen war, mit dem von der Gegenreformation und den Türkenkriegen wesentlich bestimmten damaligen Zeitgeschehen sind offensichtlich. Von den Malern wurden jedoch kaum jemals Szenen der Haupthandlung um Gottfried von Bouillon, etwa die Belagerung und Eroberung Jerusalems, gewählt, sondern romanzenhafte Episoden erotischen und arkadisch-bukolischen Charakters. Zu diesen Episoden gehört die Begegnung des christlichen Ritters Rinaldo aus dem Geschlecht der Este mit der Zauberin Armida, die vom Zauberer Hidraot von Damaskus ins Lager der Christen geschickt worden war, um dort Verwirrung zu stiften und die Ritter zu betören. Sie verließ das Lager mit zehn Rittern, die sie zum Geleit erhielt, andere folgten ihr. Später befreite Rinaldo einige Ritter aus Armidas Zauberbann. Um sich an ihm zu rächen, ließ sie ihn von einer Sirene einschläfern, verliebte sich aber bei seinem Anblick in ihn und entführte den Schlafenden auf die Glücklichen Inseln im Ozean. Im Zaubergarten verfällt Rinaldo ihren Reizen: Armida hält ihm ihren magischen Spiegel hin, in dem sie sich spiegelt und in dem er ihre Züge erblickt. Diese Szene des XVI. Gesanges ist in dem ersten Bild dargestellt. Ein Papagei, auf dem Brunnenrand sitzend und vom Wasser trinkend, singt in Tassos Gedicht von der Schönheit der Natur, der Liebe und der Vergänglichkeit des Irdischen. Rechts nahen die Ritter Carlo und Ubaldo, die vom Lager der Kreuzfahrer aufgebrochen waren, um Rinaldo zu suchen und zurückzuführen – versehen mit dem Diamantschild und der Rute des Weisen von Ascalon, mit dem sie alle Hindernisse überwunden hatten.
In der zweiten Szene ist dargestellt, wie Carlo und Ubaldo Rinaldo seinem Liebeswahn entreißen, ihn von Armida fortziehen und in die Wirklichkeit zurückbringen. Einer der beiden Krieger stützt den gebrochenen, willenlos in sein Schicksal sich ergebenden Rinaldo, spricht auf ihn ein und will ihn nach rechts wegführen, fort von der noch am Boden ruhenden Armida links, die sich nach Rinaldo umwendet und ihn mit einer Geste der auf die abweisende Mauer ihres Gartens zeigenden Hand zurückzuhalten sucht. Doch spricht aus ihrer Haltung und ihrem Gesichtsausdruck klagende Resignation. Neben ihr lagern noch Schild und Helm des Ritters. Ihr Spiegel, der nun keine Wirkung mehr ausübt, liegt achtlos im Schatten der Mauer. Rinaldo hält in der Hand noch ein Blumengewinde. Rechts im Hintergrund sieht man das Boot mit dem Ruderer, das die Ritter fortbringen wird, zurück zum Heer der Kreuzfahrer, wo Gottfried von Bouillon Rinaldo verzeihen und ihn mit neuen Aufgaben betrauen wird. Das Boot fehlt im Würzburger Bild, das ein weit weniger gestrecktes Querformat hat als das Berliner Bild (was gegen die Annahme vorbereitender Skizzen sprechen könnte), die Szene erscheint im Gegensinne zur Skizze.
Die Baumgruppe hinter der Gartenmauer ist das einzige kompositionelle Element, das in Skizze und ausgeführtem Bild übereinstimmt. Armida lagert in der rechten vorderen Bildecke, in der gleichen Richtung wie in der Skizze (die Stellung des ausgestreckten Beines ist identisch), aber nach links blickend, in der Hand ein Tuch, mit dem sie ihre Tränen trocknen will. Rinaldo steht links vor der Mauer in einer vom Kontrapost bestimmten Haltung und blickt über die Schulter zu ihr zurück, mit einem Verzeihen heischenden Blick, die linke Hand in einer pathetischen Geste vor die Brust gelegt. Die beiden Ritter wenden sich Armida zu und halten ihr den Diamantschild hin, der ihre Macht bricht. Die Spontaneität der Aktion in der Berliner Skizze hat sich im Würzburger Bild zu einem deklamatorisch-bühnenhaften Auftritt verfestigt. Dem entspricht das veränderte Verhältnis von Figuren und landschaftlichem Ambiente. Im ausgeführten Bild agieren die Figuren auf einer Vordergrundsbühne, durch kräftigeres Helldunkel stärker hervorgehoben, der landschaftliche Hintergrund tritt zurück. Schon zehn Jahre zuvor, um 1742, hatte Tiepolo sich mit dem gleichen Stoff auseinandergesetzt, in der Dekoration eines ganzen Raumes mit Tasso-Szenen (Chicago und London), die nach Knox (1978) vielleicht für den Palazzo Dolfin-Manin in Venedig bestimmt war. In einer Federzeichnung in Frankfurt (Städelsches Kunstinstitut) für diese frühe Folge kommt jener palladianische Portikus vor, den Tiepolo dann in der Berliner bzw. Würzburger Szene erstmals malerisch verwendet hat. Tiepolos Beschäftigung mit dem Tasso-Stoff fand ihren Höhepunkt und Abschluss in den Fresken der Villa Valmarana bei Vicenza (1757). Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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A letter dated May 29, 1750, and addressed to the court chamber in Würzburg, contains the first mention of Tiepolo’s preparedness to execute works for the residence of the Würzburg Prince-Bishop Carl Philipp von Greiffenclau, built by Balthasar Neumann. On December 12, 1750, Tiepolo arrived with his sons Domenico and Lorenzo in Würzburg, where he lived for nearly three years. The ceiling fresco in the great staircase, which is dated 1753, is the culmination of his creative achievement. Probably in 1753, alongside the fresco decorations of the Imperial Hall (1752) and pictures for the chapel (1752), he produced a pair of pictures on canvas having medium formats and intended for as-yet unidentified rooms in the residence, which depict the most celebrated and frequently illustrated romantic scenes from Torquato Tasso’s verse epic Gerusalemme Liberata (1581): Rinaldo and Armida in Armida’s Magic Garden and Rinaldo’s Departure from Armida. Both pictures have been present again in the residence since 1974.
In 1908, Wilhelm von Bode was able to acquire the small, modello-style sketch for the first of the two Tasso scenes. In 1979, the sketch for the second Würzburg picture was acquired from the Cailleux Collection in Paris (Ident.Nr. 2000.1). The pair of sketches for the Würzburg pendants was now reunited, and the original relationship between the two pictures restored, for they complement each other thematically and are coordinated compositionally. In dispute remains the question of whether the Berlin pictures are preparatory, modello-style sketches for the Würzburg pictures, as assumed by the majority of researchers, or instead small format, modified recapitulations, so-called “small versions”, as claimed by Rizzi (1971), who accordingly dates them to circa 1755/60. With the first scene, the “sketch” and the finished picture are for the most part congruent compositionally, regarding both the ensemble of figures as well as the essential elements of the landscape ambience, although the relationship between these two components is very different respectively. With the other scene, the compositions diverge noticeably.
It is well known that among contemporary poems having a profane character, it was Tasso’s verse epic and Ariosto’s Orlando Furioso (1516) that served as the most important sources of imagery for nonreligious painting in the 17th and 18th centuries. Readily apparent are analogies between these poems, whose theme was the defence and victory of Christians in the struggle with the heathen Saracens, and contemporary events that were shaped in essential ways by the Counter Reformation and the Turkish Wars. Rarely however did painters illustrate scenes from the principal events involving Godfrey of Bouillon, i.e. the siege and conquest of Jerusalem; preferred instead were romantic episodes of an erotic and Arcadian-bucolic character. Among these episodes is the encounter between the Christian knight Rinaldo of the Este family and the sorceress Armida, who is sent by the sorcerer Hidraot from Damascus to the camp of the Christian crusaders in order to sow confusion while beguiling the knights. She leaves the camp with ten knights, who escort her, while others follow. Later, Rinaldo frees a number of knights from Armida’s magic spell. To take revenge on him, she has one of her sirens lull him to sleep, but then falls in love with him on sight before carrying the sleeping hero off to her island of Fortune in the ocean. In her magic garden, Rinaldo falls prey to her charms: Armida holds her magic mirror up to him, in which she is reflected, and in which he beholds her features. This scene, from the XVI Canto of the poem, is illustrated in the first picture. In Tasso’s poem, a parrot, which perches at the edge of the fountain to take a drink of water, sings of the beauty of nature, of love, and of the impermanence of all earthly things. Approaching from the right are the knights Carlo and Ubaldo, who have set out from the camp of the crusaders in order to search for Rinaldo and retrieve him – having been furnished with the diamond shield and rod by the wise man of Ascalon, through which they have overcome all obstacles.
In the second scene, we see Carlo and Ubaldo wresting Rinaldo from his romantic delirium, carrying him away from Armida and restoring him to reality. One of the two warriors supports the now broken Rinaldo, who submits unresistingly to his fate, speaking to him and attempting to lead him toward the right, away from Armida, who rests on the ground on the left, turning toward Rinaldo in an attempt to restrain him and gesturing toward the forbidding wall of her garden. Yet her attitude and facial expression convey plaintive resignation. Still lying on the ground next to her are the hero’s shield and helmet. Her mirror, having lost its power, lies unheeded in the shadow of the wall. Rinaldo still holds a garland of flowers in his hand. In the background on the right, we see the boat with an oarsman, which stands ready to carry the crusaders back to their companions, where Gottfried von Bouillon will pardon Rinaldo and entrust him with new duties. The boat is missing in the Würzburg picture, whose horizontal format is far less elongated than that of the Berlin picture (a circumstance that speaks against its identification as a preparatory sketch), and the composition is reversed in relation to the sketch.
The group of trees behind the garden wall is the only compositional element that is the same in both the sketch and the finished painting. Armida reclines in the right foreground corner of the picture, in the same direction as in the sketch (the position of the outstretched leg is identical), but looking toward the left, a cloth in her hand, which she uses to dry her tears. Rinaldo stands on the left in front of the wall in a pose that is characterized by contrapposto, gazing back at her over his shoulder, with a look that seems to solicit forgiveness, his left hand held in front of his chest in a pathetic gesture. The two knights turn toward Armida, confronting her with the diamond shield that breaks her power. The spontaneity of the action in the Berlin sketch has been solidified in the Würzburg picture to resemble a declamatory and theatrical performance. Corresponding to this is the altered relationship between the figures and the landscape surroundings. In the finished picture, the figures act on a foreground stage, which is emphasized through more powerful light-dark contrasts, while the landscape background recedes.
Already ten years earlier, around 1742, Tiepolo treated the same thematic material in decorations for a room entirely filled with scenes from Tasso (Chicago and London), which Knox (1978) believed may have been intended for the Palazzo Dolfin-Manin in Venice. Present in a pen-and-ink drawing in Frankfurt (Städelsches Kunstinstitut) for this early series is the Palladian portico, which Tiepolo would later use in his paintings for the first time in the Berlin and Würzburg scenes. Tiepolo’s preoccupation with scenes from Tasso found its culmination and conclusion in the frescoes for the Villa Valmarana near Vicenza (1757). Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 19.06.2026

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Allegorie des Wohlstands im Gefolge fürstlicher Pracht

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Das Bild zeigt einen Ausblick in ein weites Tal. Links vorne, aus Buschwerk emporwachsend, erhebt sich ein türmereicher Palast. Eine weitläufige, geschwungene Treppe führt zu einer arenaartig eingefassten Terrasse, die dem Bauwerk vorgelagert ist. Die Architektur des Palastes ist recht eigenartig. Mächtige Türme unterschiedlicher Form bilden die Ecken des Gebäudes. Dazwischen spannen sich Gebäudeflügel und Kolonnaden. Im unteren Teil wirkt der Bau wie eine Festung aus grobem Mauerwerk, an den Ecken mit Quadern verstärkt und nur durch schießschartenähnliche Öffnungen durchbrochen. In den oberen Geschossen bietet die Architektur ein völlig anderes Bild mit von Balustraden umzogenen Balkonen, loggienartigen Bogenstellungen und gekuppelten Fenstern, die von weiteren Bogen überfangen sind. Die Türme enden in tempelartigen Aufbauten mit Laternen. In den oberen Stockwerken scheint sich das Bauwerk ganz der Umwelt zu öffnen. Es hat den Charakter eines Lustschlosses, das, in heiterer Umgebung gelegen, der Unterhaltung seiner Bewohner dient. Diesem Charakter entspricht auch ein Teil des Geschehens, das wir im Bild erkennen. Ein reich gekleidetes Paar steigt auf der Treppe zum Palast empor. Oben wird es von einem Kavalier empfangen, der ihm aus einem großen Pokal, einem »Willkomm«, den Gast trunk darbietet. Ein zweiter Edelmann lehnt an der Balustrade und betrachtet die Szene. Die Mäntel des vornehmen Paares fließen scheinbar zu einer übergroßen Schleppe zusammen, die sich wie ein Teppich über die Treppe hinbreitet. Darauf hat sich am unteren Ende eine Gruppe von Bettlern oder fahrenden Leuten niedergelassen. Der Unterschied des Standes drückt sich – nicht ganz im Einklang mit den Gesetzen der Perspektive - auch im Größenmaßstab der Figuren aus. Nach rechts hin schließt ein Hain von Bäumen das Bild ab. Im Mittelgrund wird der Blick durch eine reich gestaltete Landschaft geführt. Auf Hügeln erheben sich Burgen, weiter im Tal breiten sich Städte mit Palästen und Türmen aus. Die Bogen einer Brücke überspannen in der Ferne einen Fluss, an dessen Ufer sich Gebäude reihen. Weiter dem Horizont zu steigt eine Kette blauer Berge auf, an deren Hänge sich Burgen und Dörfer schmiegen. Nach rechts hin spannt sich ein See, dessen Ufer in der blauen Weite des Horizonts verdämmern. Anmutig und heiter wirkt diese Landschaft. Was die Darstellung besagen soll, ist nicht mit Gewissheit geklärt. Der allegorische Sinn des Bildes liegt offenbar in dem Gegensatz zwischen dem prunkenden Reichtum des Paares, das zum Schlosse zieht, und der Armut der Bettler, die sich auf der Schleppe niedergelassen haben. An der Schleppe der Reichen hängt die Armut, und die Not wohnt an den Schwellen der Schlösser. Der sprichwörtliche Titel, der Bettel sitzt der Hoffart auf der Schleppe, der dem Bild erst später beigelegt wurde, faßt diesen Sinn in Worte. Wesentlicher Ausdruck des Bildes ist der einer heiteren Unwirklichkeit. Auch die Architektur des Palastes ist nicht real, eher verkörpert sie architektonische Träume. Das wird deutlich, wenn man sich den Bau vorzustellen versucht. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Altdorfer selbst Baumeister war. Anregungen zu solchen Architekturbildern entnahm er, das lässt sich nachweisen, graphischen Vorlagen. Unter seinen Händen verwandeln sich die nüchternen Stiche in Erscheinungen einer Märchenwelt. Traumhaft wie die Architektur ist auch die Welt, auf die wir blicken. Der Reiz liegt vor allem in der Wiedergabe der lichterfüllten, durchsonnten Landschaft mit blühenden und grünenden Bäumen und Büschen. Die Figuren im Bild leuchten wie Edelsteine und sind trotzdem ganz in die umgebende Landschaft eingebunden. Mäntel und Schleppe des Paares erscheinen wie die Fortsetzung der Treppe und der Terrasse. Figuren und Umwelt werden zu einer Einheit verschmolzen. Die heitere Zuständlichkeit der Landschaft, die sich vor dem Auge wie eine Weltlandschaft ausbreitet, erscheint dabei eigentümlich bewegt und von geheimnisvollem Leben durchpulst.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten auf einem Baumstamm: 1531 / AA (verbunden)_____________________________________________________________________________A richly dressed nobleman and his wife are walking up steps to the terrace of a palace. There a cavalier is waiting for them with a magnificent goblet from which to toast their arrival. A family of beggars has settled down on the end of the long train, and the noble couple are unwittingly pulling them along behind. The title of the picture vividly captures the core of the allegory, which could also be slightly altered as “Pride Goeth Before a Fall”.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012

Der Dreikönigsaltar (5 Tafeln)

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Kurz nachdem Hans Baldung Grien die Werkstatt seines Lehrers Albrecht Dürer verlassen hatte, malte er für eine Kirche in Halle, nach einer Überlieferung für die Liebfrauenkirche, zwei Altäre. Einer davon ist der Dreikönigsaltar. Es ist ein dreiteiliger Altar mit beweglichen Flügeln. Klappt man die Flügel vor den Mittelteil, ist die Hauptschauseite mit dem Dreikönigsbild verschlossen. Auf der Außenseite der Flügel sieht man dann zwei weibliche Heilige. Die heilige Katharina von Alexandrien, links, war eine Tochter aus vornehmem Haus. Um ihren Glauben zu bewahren, widerstand sie dem Kaiser Maxentius und erlitt das Martyrium durch Rad und Schwert. Die heilige Agnes, rechts, war eine römische Märtyrerin um 300 n. Chr. Das Lamm, das sie mit sich führt, deutet auf den Gleichklang ihres Namens Agnes mit »agnus« (Lamm) hin und wohl auch auf ihre Gemeinsamkeit mit Christus, dem Lamm Gottes. Die Mitteltafel zeigt den Besuch der drei Weisen aus dem Osten, die das Christuskind, den neugeborenen König, verehren und beschenken. Das Alter der drei, eines Greises, eines Mannes und eines Jünglings, macht deutlich, dass alle Generationen dem neuen König huldigen. Der afrikanische König bezeugt mit den anderen, dass alle Erdteile zur Verehrung Christi gekommen sind. Der stehende König in der Mitte mit dem einprägsamen Blick und den individuellen Zügen stellt vermutlich den Stifter dar. Sein Bildnis erscheint auch – als Kaiser Diokletian – auf dem zugehörigen Sebastiansaltar in Nürnberg, der auch ein Selbstbildnis Baldungs trägt. Vermutlich ist der Stifter ein Mitglied der Familie Wettin, des sächsischen Fürstenhauses. Verschiedene Mitglieder der Familie wurden in Vorschlag gebracht: Ernst von Wettin war zur Zeit, als der Altar gefertigt wurde, Erzbischof von Magdeburg und Bischof von Halle. Er könnte den Auftrag erteilt haben. Es könnte auch sein Bruder, Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen, gewesen sein. Die schräge Mütze mit dem Blütenkranz, die in wesentlichen Zügen dem Rautenkranz des sächsischen Wappens gleicht, mag eine Anspielung darauf sein. Zu seiten der Mitteltafel sind auf den Innenseiten der Flügel zwei Ritterheilige dargestellt, links der heilige Georg. Nach der Legende war er ein Kriegsmann aus Kappadokien unter Kaiser Diokletian. In einer seiner legendären Taten befreite er eine Prinzessin von einem Drachen. Er ist Patron aller Ritter und Kriegsleute. Ihm gegenüber steht auf dem rechten Flügel der heilige Mauritius. Er war der Anführer der thebaischen Legion, die den Märtyrertod erlitt. Als Patron des Erzbistums war er auch für Halle von hoher Bedeutung. Erzbischof Ernst von Magdeburg, einer der mutmaßlichen Stifter des Altars, errichtete über der Stadt Halle die Festung Moritzburg. Der Dreikönigsaltar gehört mit dem Sebastiansaltar in Nürnberg zusammen. Dieser ist 1507 datiert. Für welche Kirche die beiden Retabel geschaffen wurden, ist nicht bekannt. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts befanden sie sich im Dom, für den sie möglicherweise von Erzbischof Ernst 1507 in Auftrag gegeben wurden. Der Berliner Altar geht dem Nürnberger stilistisch voraus. Beide Malwerke gehören zu den ersten Arbeiten Baldungs, nachdem er die Dürer-Werkstatt verlassen hatte. Neu für Baldung und der Kunst Dürers fremd ist die Betonung der Figuren, die die Komposition beherrschen. Kennzeichnend für den Stil sind die leuchtende Farbigkeit und die Freude an der Darstellung glänzender Stoffe und blinkender Metallteile. Man hat hierbei an einen Einfluß Cranachs gedacht, dessen Werke Baldung in Sachsen kennenlernen konnte.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019_______________________________________________________________________________Shortly after Hans Baldung Grien had left the workshop of his teacher, Albrecht Dürer, he painted two altarpieces for a church in Halle, traditionally thought to be the Church of Our Lady. One of them is the Three Kings Altarpiece, a three-part altarpiece with moveable wings. When the wings are folded over the middle section, the main display surface with the depiction of the three kings is covered. Onthe outer side of the wings, there are two female saints (fig. left): on the left, Saint Catherine of Alexandria, the daughter of a noble family. In order to adhere to her faith she resisted the Emperor Maxentius and suffered martyrdom by the wheel and the sword. Saint Agnes, on the right, was a Roman martyr around AD 300. The lamb that she is leading alludes to the similarity in the sound of the name Agnes and the Latin word for lamb, agnus, and thus presumably also to her similarities with Christ, the Lamb of God.The middle panel shows the three wise men from the east who have come to pay homage to the Christ child and bring him gifts. The ages of the three kings, one elderly, one middle-aged and the third a youth, underlines the fact that all generations are paying tribute to the new king. The depiction of a black king together with the two others also signifies that people have come from all corners of the Earth to worship Christ. The king standing in the centre with the memorable gaze and individual features probably represents the donor. His portrait also appears – as the Emperor Diocletian – on the Sebastian Altarpiece in Nuremberg, which also carries a self-portrait of Baldung. The donor was probably a member of the Saxon Wettin dynasty. Various members of the family have been suggested: at the time that the altarpiece was made, Ernst von Wettin was archbishop of Magdeburg andBishop of Halle and thus may have commissioned the altarpiece. But it could also be Ernst’s brother, Frederick the Wise, Elector of Saxony. The skewed cap with the wreath of flowers, which in important ways resembles the rhomboid wreath on the Saxon coat of arms, may refer to this.To the sides of the central panel, two equestrian saints are depicted: on the left Saint George, who according to legend was a warrior from Cappadocia under Emperor Diocletian. One of his most legendary deeds was to free a princess from a dragon. He is the patron saint of all riders and warriors. His counterpart on the right wing is Saint Maurice, the leader of the Theban Legion who were martyred. As patron saint of the archbishopric he was a very important figure for Halle. ArchbishopErnst of Magdeburg, one of the probable donors of the altarpiece, built the Moritzburg fortress above the city of Halle.The Three Kings Altarpiece belongs together with the Sebastian Altarpiece in Nuremberg, dated 1507. It is not known for which churches the two altarpieces were intended. At the beginning of the last century, they were in the cathedral, for which they may have been commissioned by Archbishop Ernst in 1507. In terms of style, the Berlin altarpiece is older than the Nuremberg one. Both works are among the first that Baldung did after leaving Dürer’s workshop. A new feature in Baldung’s oeuvre and one that was certainly alien to Dürer’s art is the accentuation of the dominant figures in the composition. Characteristic features of his style are the luminous colours and the artist’s obvious delight in portraying shimmering fabrics and glittering metal. Some see the influence of Cranach at work here, and Baldung would certainly have had an opportunity to get to know Cranach’s work in Saxony.| 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers

Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers

An Strozzis Bildern wurden immer schon die speziell malerischen Qualitäten, die saftig breite Pinselschrift, das reiche Impasto, die weich-schwellende Modellierung und die leuchtende Farbigkeit gerühmt, doch hat sein Stil erhebliche Wandlungen durchgemacht. Strozzi begann in Genua an der Schwelle vom Spätmanierismus zum Frühbarock mit kalten, gleißenden Farben und einer eher glatten, harten Modellierung, beeinflußt von den Fresken Beccafumis sowie von den Werken Baroccis, denen seiner damals zeitweilig in Genua arbeitenden Sieneser Nachfolger und Mailänder Künstlern. Später nahm seine Malerei unter dem Eindruck des 1616 aus Rom zurückgekehrten Fiasella und der flämischen Kunst eine Wendung zum Naturalistischen, ja bisweilen Derben hinsichtlich der Vorliebe für rustikale, genrehafte Themen mit stillebenhaften Elementen (Küchenstücke). Die Farbigkeit wurde nun wärmer, dunkler und harmonisch gebunden. In den späten Genueser Jahren von den Genueser Werken von Rubens und van Dyck sowie von Fetti beeinflußt, griff er in Venedig zu nehmend zurück auf die Tradition des 16. Jahrhunderts, auf Veronese und Tizian. Nach Venedig war er geflohen, als 1630 seine Mutter starb, für die er bis dahin gesorgt hatte; damit war die Begründung für den Laienstatus des ehemaligen Mönches entfallen und er sollte ins Kapuzinerkloster zurückkehren, das er vor 1608 verlassen hatte. Das Berliner Bild der Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers wurde bis vor kurzem in die erste venezianische Zeit datiert, doch stammt es wahrscheinlich noch aus den letzten Genueser Jahren vor 1630. Während im 14. und 15. Jahrhundert das Festmahl des Herodes mit dem Tanz der Salome, die Enthauptung Johannes’ des Täufers und die Überreichung des Hauptes an Salome bzw. Herodias dargestellt wurden, folgt Strozzis Werk einem Bildtypus, der sich aus der Überreichungsszene entwickelte und zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Oberitalien aufkam, in der Lombardei und vor allem in Venedig: Salome in Halbfigur, mit dem Täuferhaupt auf der Schüssel, entweder als isolierte Einzelgestalt oder begleitet vom Henker oder von einer Magd, oft mit dem Ausdruck des Nachsinnens oder der Trauer. Caravaggio griff den Halbfigurentypus kurz nach 1600 in Rom auf, er steigerte den Ausdruck der Trauer und gab vor allem der Magd den versteinerten Ausdruck von Kummer und Schmerz. Salome wurde ihm zum weiblichen Gegenstück Davids, den er in nachsinnender Betrachtung des Hauptes Goliaths darstellte. Strozzis Salome, meist fälschlich als »Judith« bezeichnet, ist sowohl Caravaggios Vorbildern wie der venezianischen Tradition des frühen 16. Jahrhunderts verpflichtet. Auch in seinem Bild ist der Ausdruck melancholischer Trauer im verlorenen Blick der Magd stärker als bei Salome selbst, die eine Haarsträhne des Täuferhauptes anhebt. Das Röntgenbild ergibt allerdings, daß sich unter der Figur der Magd eine offenbar männliche beleibte Figur (wohl Herodes) mit feistem Gesicht und Kopfbedeckung und zum Gesicht geführter linker Hand befindet [siehe Reineke 2006] . Ein gleich großes Halbfigurenbild, Hagar mit dem Engel (Seattle, Seattle Art Museum, Kress Collection), wird seit Hermann Voss (1919) als Gegenstück zur Salome angesehen. Beide Bilder befanden sich 1914 in Rom im Besitz des Kunsthändlers Augusto Jandolo, der sie in Genua erworben hatte. Sie sind wahrscheinlich identisch mit den Bildern, die im Nachlaßinventar des Malers Antonio Invrea, Genua, von 1706 aufgeführt sind. Die Hagar befand sich 1919 in der Sammlung Platky in Leipzig. Beide Bilder von Heroinen des Alten Testaments ergänzen sich kompositorisch im spiegelbildlichen Sinne als Darstellungen einer Protagonistin mit begleitender Figur. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019_____________________________Strozzi’s art has always been celebrated for its special painterly qualities, its luscious, broad brushwork, rich impasto, supple, sinuous modelling, and luminous colours. Yet, his style underwent significant development. Strozzi began in Genoa, working at the threshold between late Mannerism and the early Baroque, and using cold, dazzling colours and smooth, hard modelling, influenced by the frescoes of Beccafumi as well as a work of Barocci, by his Sienese successor working intermittently in Genoa, and by Milanese artists. Later, his painting took a turn toward naturalism under the impression of the works of Fiasella, who returned from Rome in 1616, and of Flemish art, even tending at times toward coarseness, in light of his preference for rustic, genre-style themes and still-life elements (kitchen scenes). Now, his colours become warmer, darker, and more harmoniously unified. In Venice, having been influenced in the later Genoese years by the Genoese works of Rubens and van Dyck, as well as Fetti, he turned increasingly back toward the 16th century tradition of Veronese and Titian. Strozzi fled to Venice in 1630 after the death of his mother, for whom he had provided up to that point; this move nullified the rationale for the lay status of this former monk, who was therefore expected to return to the Capuchin monastery he had left in 1608. Until recently, the Berlin Salome with the Head of John the Baptist was assigned to the early Venetian period, but was in fact probably executed before 1630, toward the end of the Genoese period. During the 14th and 15th centuries, it was customary to depict the Feast of Herod and the Dance of Salome, the Decapitation of John the Baptist and the Presentation of the Head to Salome or Herodias. Here, however, Strozzi employs a pictorial type that develops out of the presentation scene, and which emerged in the early 16th century in Northern Italy, in Lombardy and in particular in Venice: a half-figure of Salome with the Baptist’s head on a dish, either as an isolated figure or accompanied by an executioner or maidservant, and often displaying a ruminative or sorrowful expression. In Rome shortly after 1600, Caravaggio took up the half-figure type, heightening the expression of sorrow and giving the maidservant in particular a stony expression of grief and anguish. For him, Salome now became a female counterpart to David, whom he depicted meditatively contemplating the head of Goliath. Strozzi’s Salome, often incorrectly referred to as a “Judith”, is indebted both to Caravaggio’s model as well as to the Venetian tradition of the early 16th century. In this version as well, the expression of melancholic sadness is stronger in the forlorn gaze of the maidservant than in Salome herself, who fingers a strand of hair on John the Baptist’s head. An X-ray image, however, reveals the presence of an ostensibly male figure (probably Herod) beneath that of the maidservant, with a plump countenance and a head covering, and with his left hand raised to his face (Reineke 2006). As a half-figure picture having the same dimensions, Hagar with the Angel (Seattle Art Museum, Kress Collection), has been regarded as a pendant to the Salome since Hermann Voss’s proposal of 1919. In 1914, both pictures were in Rome in the possession of the art dealer Augusto Jandolo, who had acquired them in Genoa. They are probably the same pictures that were registered in 1706 in the estate inventory of the painter Antonio Invrea of Genoa. In 1919, the Hagar was found in the Platky Collection in Leipzig. These pictures, both depicting Old Testament heroines, complement one another compositionally as mirror inversions of each other, each representing a female protagonist with an accompanying figure. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019