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Chinesische Kinder bei den Vier Edlen Künsten/Fahrt zur Roten Wand

Ident. Nr.: DLG 594-2014

ObjID: obj:1956470

Dauerleihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung, Sammlung Klaus F. und Yoshie Naumann

Details (Expert)

Beteiligte
Kano Chikanobu 狩野周信 (1660 - 1728),
Maler*in
Datierung
Edo (Tokugawa)-Zeit
frühes 18. Jh.
Weitere Titel
Sammlungstitel: Chinesische Kinder bei den Vier Edlen Künsten/Fahrt zur Roten Wand
Übersetzung: Children at elegant pastimes
Geografische Bezüge
Japan,
Land
Abmessungen
Höhe x Breite: 136,5 x 432 cm (je)
Bildmaß: 122,3 x 419,2 cm (je)

Objektbeschreibung

Sowohl die vornehmlich im Tuscheidiom ausgeführte Seenlandschaft
mit steilen Hintergrundbergen, wie auch die Architektur der Gebäude
und die Kleidung der dargestellten Figuren entsprechen japanischen
Vorstellungen von China. Das Nebeneinander von spielenden Knaben
und Hofdamen in einer Palastanlage verweist auf die Kombination
zweier Bildmotive, nämlich den in der üblichen Betrachtungsrichtung
von rechts nach links aufgeführten Personifikationen der vier edlen
Künste Zither- und Brettspiel, Kalligrafie und Malerei (j. kinki shoga)
mit den in Japan als ‚Chinesen-Kinder ‘ bekannten Jungen bei geselligen Freizeitvergnügungen (j. karako-asobi). Zwei der Schlüsselmotive – Zitherspiel der Hofdame rechts und der einen Drachen malende Knabe links – sind im Innenraum eines Pavillons angesiedelt, während das Brettspiel in einem Boot und Lesen und Schreiben unter freiem Himmel stattfinden. Weitere Miniaturen zeigen die Knaben beim Blumenstecken und Baden (rechts) sowie bei Akrobatik, der Zubereitung von Tee und dem Necken eines beim Studium Eingeschlafenen (links) nicht ohne Humor. Beide Bildthemen wurden in Japan seit dem 16. Jahrhundert, insbesondere auch von Malern der Kano-Schule häufig dargestellt, bisweilen sogar persifliert. Der Maler Chikanobu war der Sohn Kano Tsunenobus und Leiter des Ateliers eines bedeutenden Zweigs des Kano-Familienverbands. Die minutiöse Ausführung und die großzügige Verwendung von Gold und reichen Farben sowie die Gestaltung der Schirmrückseite mit einer Malerei von Regenpfeifern an Fischernetzen verweisen in Verbindung mit dem hohen Status des Malers, der nur ein zurückhaltendes Siegel aufdrückte und nicht signierte, auf einen Auftraggeber aus höchsten Kreisen. Vielleicht war der Schirm sogar für die Präsentation als diplomatisches Geschenk gedacht.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

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Niedriger Tisch (oder Fußbank)

Niedriger Tisch (oder Fußbank)

Der niedrige Tisch mit floralem Dekor zählt zu den Meisterwerken chinesischer Schnitzlackarbeiten der frühen Ming-Zeit und stammt ohne Zweifel aus den kaiserlichen Werkstätten, wie zwei eng verwandte Stücke in der Sammlung des Pekinger Palastmuseums bezeugen. An der Wende zur Ming-Dynastie waren die beiden für ihre roten Schnitzlacke berühmtesten Lackmeister tätig, Zhang Cheng und Yang Mao. Sie legten die Grundlagen für eine grandiose Blüte dieser Kunst, die in der Ära Yongle (1403–1424) und Xuande (1426–1435) ihren Höhepunkt erreichte. Die Schnitzlackarbeit dieses niedrigen Tisches besticht durch den weich modellierten Schnitt der dicken Lackschicht und die kompositorische Eleganz des Dekors. Die Oberseite zeigt halb oder vollständig geöffnete Päonienblüten und Knospen unterschiedlicher Größe. Die Beine und Querverstrebungen sind außer mit Päonien auch mit Pflaumenblüten, Lotos und Chrysanthemen geschmückt. Fritz Löw-Beer (1906–1976), aus dessen Sammlung das Werk stammt, begann bereits in den 1920er Jahren, chinesische Lackarbeiten zu sammeln und konnte im Verlauf weniger Jahre eine umfangreiche Sammlung aufbauen. Er konnte sie nach einer Ausstellung in Amsterdam im Jahre 1938 bei seiner Emigration nach den Vereinigten Staaten mitführen und so in Sicherheit bringen. Während und nach dem Kriege vermehrte und verbesserte Löw-Beer die Sammlung. Der Großteil der Sammlung befindet sich heute im Stuttgarter Linden-Museum, das diese Bestände (186 Lackarbeiten) 1978 erwarb. Einzelne bedeutende Lackkunstwerke gingen zuvor bereits an das Museum of Fine Arts in Boston, das Victoria and Albert Museum und das British Museum in London. Im Jahr 1972 gelang der Erwerb des berühmten kaiserlichen Thronensembles und 1978 aus dem Nachlass der Erwerb des niedrigen Tisches für die Berliner Sammlung.

Kaiserlicher Thronsitz

Kaiserlicher Thronsitz

Der Thronsitz und der zugehörige dreiteilige Paravent stellen unter den erhaltenen Arbeiten mit Perlmuttereinlagen aus den kaiserlichen Werkstätten das Hauptwerk der beginnenden Ära Kangxi (1662–1722) dar. Die reichen szenischen Darstellungen auf den goldgrundigen Bildfeldern der Schauseiten gelangen durch die virtuose Anwendung von zahllosen rosa, violett und grün changierenden Perlmutterteilchen (frz. laque burgautée) zu einem Farbspiel von grandioser Wirkung. Sie wird gesteigert durch die in großer Mannigfaltigkeit gestalteten Bordüren des Rahmenwerkes, die eine staunenswerte technische Meisterschaft und Größe des künstlerischen Entwurfs offenbaren. Die verschwenderische Fülle des Dekors dieses Ensembles bringt Wünsche für langes Leben und Glück verheißende Botschaften aller Art zum Ausdruck Das Hauptthema der Bildfelder auf den Innenseiten von Arm- und Rückenlehnen des Thronsitzes sowie der drei großen Bildfelder der Schauseite des Paravents ist das daoistische »Westliche Paradies«, das von Xiwangmu, der Königinmutter des Westens, beherrscht wird. Ausschnitthaft geben die Darstellungen auf dem Thronsitz die Gebirgs- und Seenlandschaft mit Terrassen, Pavillons und Palästen wieder, die auf dem Paravent in voller majestätischer Große erscheint. Gezeigt wird die Ankunft der Königinmutter des Westens, Xiwangmu, die auf einem Phönix reitend in die Paradieslandschaft herabkommt, wo die Unsterblichen ihrer harren. In den Darstellungen auf dem Thronsitz und dem Paravent erwarten sie die »Acht daoistischen Unsterblichen« an prominenter Stelle. Auf der Mitteltafel des Paravents sind sie auf der großen zentralen Terrasse vereint, zahlreiche weitere Unsterbliche beleben zu Wasser und zu Lande die paradiesische Landschaft. Auf den beiden Innenseiten der Thron-Armlehnen schreiten jeweils vier der »Acht daoistischen Unsterblichen« auf die zentrale Terrasse zu, wo die Göttin erwartet wird. Thronsitz und Paravent wurden 1924 durch einen französischen Kaufmann von chinesischen Vorbesitzern in Tianjin, Provinz Shandong, erworben. Wie aus einem damals beigegebenen chinesischen Dokument hervorgeht, stammt das Ensemble aus dem kaiserlichen Reisepalast von Panshan im Bezirk Jizhou, Provinz Zhili (heutige Provinz Hebei), den die Mandschu-Kaiser auf ihren Reisen in ihre Sommerfrische in Chengde, etwa 250 Kilometer nordöstlich von Beijing, benutzten. Unter den Kaisern Kangxi (reg. 1662–1722), Yongzheng (reg. 1723–1735) und Qianlong (reg. 1736–1795) erlebte China eine mehr als hundertjährige Blütezeit und erreichte die größte territoriale Ausdehnung in seiner Geschichte. Die Einzigartigkeit und Erhabenheit der Kaiser fand auch in der Bildkunst ihren Niederschlag. In vielfältigen Rollen kaiserlicher Repräsentation begegnen uns auf zahlreichen Bildern die Kaiser thronend in prächtiger Staatsrobe, bei kaiserlichem Zeremoniell, als Literaten und Connaisseure, als Jäger und auch als religiöse Heilsgestalt. Das Thema auf dem Thronsitz und Paravent lässt die herrscherliche Autorität der sich auf das Mandat des Himmels gründenden Regierung des Kaisers in besonderem Lichte erscheinen und unterlegt den Wunsch, dass sie ewig währen möge. Nahm der Kaiser auf dem Thronsitz Platz, saß er im Zentrum des Paradieses der Unsterblichen und wurde sozusagen ein Teil desselben. [SM8HF]