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Maria der Verkündigung

Ident. Nr.: 7731

ObjID: obj:1957875

Details (Expert)

Datierung
um 1420
Systematik/Art
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 72 x 27 x 25 cm
Erwerbung
Erworben 1916 von Georg Schuster (1869–1937) in München, der die Figur kurz zuvor von dem Bildhauer und Kunsthändler Karl Lösel (Leutkirch) gekauft hatte. Nach dessen Angabe stammt sie aus der Nähe von Berchtesgaden. 1945–90 Ost-Berlin.

Objektbeschreibung

Die Figur, die zweifellos Maria bei der Verkündigung der Geburt Jesu durch Gabriel zeigt, ist eine interessante kompositorische Variante des Typs der Schönen Madonna. Bei dem kontrapostischen Standmotiv, der Haltung, Gestik und Gewandbehandlung wurde das im Salzburger Raum besonders verbreitete Schema der stehenden Muttergottes mit Kind auf der linken Hüfte seitenverkehrt umgewandelt. Ihr linker Fuß ist leicht vorgeschoben, die rechte Hüfte ausgestellt, der Oberkörper – so scheint es in der Frontalansicht – nach rechts zurückgenommen, und der Kopf neigt sich dazu gegenläufig nach links. Anstelle des Kindes hält Maria ein aufgeschlagenes Buch, das mit jeweils fünf Buckeln in Rosettenform auf Vorder- und Rückseite verziert ist und dessen einzelne Seiten am nach vorn gekehrten Oberschnitt durch feine Rillen angedeutet sind. Auch der Faltenverlauf ähnelt dem einer stehenden Madonna. Über langem Gewand trägt Maria einen weiten Mantel, den sie von der linken Schulter herab vor den Körper gezogen und unter den rechten Arm geklemmt hat. Über dem angewinkelten linken Arm spannt sich der Mantelstoff, darunter verteilen sich mehrere gegeneinander versetzte Schüsselfalten großzügig über die Fläche. Die linke Hand hält keinen Apfel oder anderen Gegenstand wie die Schönen Madonnen, sondern zieht den locker um das Haupt gelegten Schleier über die Brust – eine verhaltene Geste der Scham, die sich auf den von links nahenden Engel bezieht. Der Schleierstoff ist durch eng gesetzte Rillen über die gesamte Fläche strukturiert und mit plissiertem Saum versehen, wodurch er vom Material des Mantels deutlich differenziert wird. Da der Schleier oben relativ weit nach hinten geschoben ist, werden das leicht gelockte Haar und vor allem der breite Haarreif als Symbol der Jungfräulichkeit sichtbar. Das Gesicht ist oval, die Stirn sehr hoch, die Augen liegen weit außen, und unter einer spitzen Nase befindet sich ein schmaler Mund mit wulstigen Lippen.

Interessanterweise sind auch die Ansichte im Halbprofil gut ausgearbeitet und spannungsvoll aufgebaut, besonders die linke. Von rechts sieht man viel deutlicher als aus der Frontalansicht, dass sich Maria mit ihrem Oberkörper nach links, zum Verkündigungsengel hin, wandte. Aus dieser Position besitzen die Mantelfalten einen die Gesamtkomposition nach rechts hin abschließenden Charakter. Komplizierter und lebendiger ist die Halbprofilansicht von links gestaltet. Von hier aus verweisen die tiefen Einschnitte der Mantelfalten und die Kaskaden auf das Buch, das halb geschlossen zu werden scheint. Einerseits wird damit angedeutet, dass Maria von Gabriel soeben in ihrer frommen Lektüre unterbrochen wurde. In einem übergreifenden Sinne ist hierin aber auch ein Hinweis darauf zu sehen, dass sich mit der verkündeten Geburt Christi die prophezeite Fleischwerdung des Worts vollziehen wird. Das demütige Neigen des Haupts bezieht sich auf die mit dem Besuch des Engels und seiner Botschaft verbundene Auszeichnung Marias vor allen anderen Frauen. In der linken Halbprofilansicht scheint das Senken des Kopfs direkt über dem Buch zugleich aber auch ein Nachsinnen über das soeben Gelesene zu illustrieren.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Letzte Aktualisierung: 17.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Hohlmaß für Getreide und Flüssigkeiten

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Das kugelig bauchige Gefäß mit glatter Standfläche hat oben abgesetzt einen Rand. Die Gefäßöffnung ist nach innen leicht konisch verengt, so dass ein entsprechend zugeschnittener Deckel eingepasst werden konnte. Dieser Deckel fehlt, ist aber bei vergleichbaren Gefäßen vorhanden. Der Gefäßrand ist verziert: außen mit Dreiecken, innen abwechselnd mit Spitzovalen und Rauten. Im oberen Drittel des Gefäßes läuft ein mit Wellenlinien verziertes Band um das Gefäß herum. Auf der Gefäßschulter ist eine Inschrift eingemeißelt: ΕΛΕ(oυ) ΞECT(ων) NΔ (»54 xestai/sextarii Öl«).Das Gefäß gehört zu einer Gruppe von 9 weiteren sehr ähnlichen Exemplaren in den Museen von Afyon (6), Bursa (2) und Iznik (1), von denen eines aus Afyon und das aus Iznik (nur fragmentarisch erhalten) mit dem Berliner Gefäß weitgehend übereinstimmen.Die Inschrift weist darauf hin, welche Menge Öl das Gefäß fassen kann. Berücksichtigt man, dass das Öl bei Vollfüllung den Unterrand des fehlenden Deckels wohl nicht berührt haben dürfte, so lag das Volumen etwas unter dem dafür ermittelten Wert von 59,6 l. Diese Marmorgefäße standen wahrscheinlich in Kirchen, wo für verschiedene Zwecke reichliche Mengen Öl verwendet wurden. Die Angabe des Volumens erleichterte es dem Wirtschaftsverwalter der Einrichtung, dem oikonomos, beim Nachfüllen den Verbrauch zu kontrollieren.Die Marmorbrüche von Dokimaion bei Akroinon lagen seit der Besetzung dieses Gebietes durch die Seldschuken wenige Jahre nach der Schlacht von Mantzikert 1071 außerhalb des byzantinischen Herrschaftsgebietes. Die Gefäße werden deshalb aus der Zeit davor stammen.

Stirnseite eines Sarkophags

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Die nach über einem Jahrhundert erstmalige Freilegung der technischen Bearbeitungsspuren auf der Rückseite hat ergeben, dass das Relief ursprünglich die Schmalseite vom Kasten eines kleinasiatischen Säulensarkophages des 3. Jahrhunderts bildete. Sie wurde im frühen 5. Jahrhundert überarbeitet und offenbar in einem christlichen Grabkontext wieder verwendet: Aus der Mittelfigur, welche sich völlig darin genügt, den Sitz ihres über der Tunika getragenen Mantels (Pallium) zu ordnen und fest zu halten, schuf man einen jugendlichen und langlockigen Christus mit Kreuznimbus. Fragwürdig ist die bisher häufig vorgeschlagene Deutung der beiden seitlichen Begleiter als Apostel, deren Attribut zumeist eine Schriftrolle (Rotulus) oder ein gebundenes Buch (Codex) ist. Eindeutig aber hält der Begleiter rechts von Christus ein sogenanntes Diptychon: Zwei zusammengeklappte, auf den jetzt unsichtbaren Innenseiten mit Wachs beschichtete Schreibtafeln, deren Ränder ringsum gerahmt sind und die mit einem quer liegendem Band zusammengehalten werden. Es existiert kein Anzeichen, den Gegenstand des Begleiters auf der linken Seite anders zu ergänzen. Das Motiv des Festhaltens mit beiden empor gehaltenen Händen entspricht einem repräsentativen Vorweisen – beide Begleiter waren nicht nur des Lesens, sondern auch des Schreibens kundig. Für eine in der Forschung mehrmals erwogene Lehrszene fehlt die geringste Andeutung eines Gespräches durch Blick oder Geste. Jegliche Bewegtheit ist zeitloser Repräsentation untergeordnet. Die allerdings im Zeitstil überarbeiteten Köpfe der beiden Begleiter waren vermutlich als Porträts gedacht. Auf römischen Sarkophagen sind Verstorbene of mit einem Diptychon in den Händen porträtiert worden, so dass diese Deutung nicht auszuschließen ist. Die Verdopplung hinsichtlich der Tracht, des Attributes und des Motivs widerspricht nicht der belegbaren Tatsache, dass in einem Sarkophag auch mehrere Personen (z.B. Brüder) bestattet werden konnten.

Kapitell mit Füllhörnern auf den Ecken und Weinblättern aus dem Pantokratorkloster in Istanbul

Kapitell mit Füllhörnern auf den Ecken und Weinblättern aus dem Pantokratorkloster in Istanbul

Die beiden Hauptseiten des Kapitells sind unterschiedlich ornamentiert. Eine Seite zeigt auf den Kanten gestielte Pinienzapfen, zwischen denen auf der Seitenmitte ein Weinblatt flach ausgebreitet ist, das beiderseits von schmalen, geschwungenen Blattwedeln gerahmt wird. Diese Motivkombination ist von Kapitellen des 6. Jahrhunderts übernommen (Inv. 4767), ergänzt um zwei kleine Vierblattrosetten. Auf der gegenüberliegenden Seite wachsen aus seitlichen Füllhörnern Ranken auf. Sie rahmen in großem Schwung ausgebreitete Weinblätter und Blattpalmetten und teilen, sich berührend und wieder auseinanderstrebend, die Fläche symmetrisch ornamental auf.Als Herkunft für das Kapitell nennt das Inventar die Pantokratorkirche in İstanbul. Dabei handelt es sich genauer um den Komplex dreier Kirchen des ehemaligen Pantokratorklosters in Konstantinopel, das unter Kaiser Ioannes Komnenos zwischen 1118 und 1136 errichtet worden war. Das Kapitell passt motivisch und stilistisch gut zu einem noch in situ in der Westwand der Vorhalle der Nordkirche verbauten Kapitell. Beide zeigen von Ranken mit Seitentrieben umschlossene Blätter mit wulstigen, palmettenartigen Blattlappen und einzelnen Bohrlöchern nahe der Außenkontur der Blätter. Das Kapitell in der Nordkirche sitzt seitlich eines Fensters, dessen Rahmen in es einschneidet. Die beiden Nebenseiten des Berliner Kapitells zeigen kein Relief. In die eine ist aber eine tiefe senkrechte Einlassung eingearbeitet, die wohl ebenfalls dem Anpassen eines Fensterrahmens diente. Sowohl das in situ befindliche als auch das Berliner Stück gehören der Entstehungszeit des Klosters an.

Apsismosaik aus der Kirche San Michele in Africisco zu Ravenna

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Seit seiner Abnahme (1844) hat das Mosaik tief greifende Veränderungen erlitten, wie ein Vergleich mit dem Aquarell von Enrico Pari von 1842/43 zeigt. Apsis, Stirnwand und Zwickel sind durch Gemmenborten geschieden. In der Apsis steht vor einem Goldgrund der jugendliche Christus in einer Paradieseslandschaft. In der erhobenen Rechten hält er ein großes Kreuz als Zeichen seiner siegreich überwundenen Passion. Das Haupt umgibt ein goldener Kreuznimbus. Er ist mit einer langärmeligen Untertunika, einer mit goldenen Clavi besetzten Obertunika und einem Mantel bekleidet. Die verhüllte Linke präsentiert ein geöffnetes Buch mit lateinischen Textstellen: »Wer mich sieht, sieht auch den Vater« (Johannes 14,9) und »Ich und der Vater sind eins« (Johannes 10,30). Die ihn flankierenden Erzengel Michael und Gabriel halten goldene Zeremonienstäbe und weisen auf Christus hin. Im Zenit des Apsisbogens erscheint in einer Aureole das Christuslamm. Die Apsislaibung schmückt ein schmaler Rankenfries, der beiderseits von (ursprünglich) sechs flatternden Tauben, Sinnbildern der zwölf Apostel, bevölkert wird. Auf der Stirnwand thront Christus als himmlischer Herrscher, die Linke auf das Evangelienbuch gestützt, zwischen zwei Erzengeln mit Zeremonienstäben. Beiderseits erscheinen die sieben posaunenden Engel der Offenbarung des Johannes, vor denen sich das gläserne, mit Feuer vermengte Meer ausbreitet. Auf den seitlichen Zwickeln waren die Ärzteheiligen Kosimas und Damianos dargestellt. Durch die beiden dem Johannesevangelium entlehnten Schriftstellen bezeugt Christus seine vollkommene Gottheit – gleichviel, ob er als jugendlicher Triumphator, als Lamm oder als Weltenrichter dargestellt ist.