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Stehende Maria mit Kind

Ident. Nr.: 372

ObjID: obj:1959342

Details (Expert)

Datierung
um 1430/40
Systematik/Art
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 90,5 x 30,5 x 18,5 cm
Gewicht: 7,5 kg
Erwerbung
Erworben 1884 als anonymes Geschenk, mit dem Vermerk „stammt aus einer Kirche der Mark Brandenburg“; weitere Hinweise fehlen. 1945–90 West-Berlin

Objektbeschreibung

Die Figur ist ein charakteristisches und interessantes Beispiel für die Rezeption böhmischer Vorbilder in einer Provinz, in der diese damals zum Teil unmittelbar, vor allem aber auch in Werken vor Augen stand, die selbst bereits Epigonen Prager Kunst waren. Viele Motive der Haltung, Gewandbehandlung und Faltenbildung sind daher nicht mehr in ihrem eigentlich intendierten organischen Zusammenhang begriffen und nehmen sich in ihrer Isoliertheit mitunter sonderbar aus. Das gilt etwa für das Standmotiv: Nichts an der zeittypischen Haltung mit ausschwingender rechter Hüfte und nach oben gedrehter linker Schulter deutet auf die Position des extrem weit nach vorn gestellten linken Fußes und die anatomisch unmögliche Stellung des viel kleiner erscheinenden rechten, der parallel zur Vorderkante ganz oben auf der auffällig hoch gewölbten Erdplinthe platziert ist. Unglücklich wirkt auch der eigentlich stützende Griff der rechten Mutterhand um das Kind, das durch die kraftlos nebeneinander liegenden Finger unmöglich in der Balance gehalten werden kann. Wichtig war dem Schnitzer die Übernahme des populären und auf die spätere Passion Christi verweisenden Fußsohlenmotivs, hier allerdings in Übertreibung der Anwinklung des rechten Füßchens. Der sonst ebenfalls sicht- oder zumindest erahnbare linke Fuß verschwindet hingegen völlig unter einer eigentlich nicht ausreichenden Stoffmasse. Allerdings wird der Eindruck noch zusätzlich getrübt von den naturgemäß noch weiter vom böhmischen Original entfernten Ergänzungen beider Kinderarme und Marias linker Hand. Wahrscheinlich hat die Mutter ursprünglich ein Zepter gehalten, das Kind vielleicht einen Vogel als weitere Andeutung der Passion. Ungeachtet aller künstlerischen Schwächen dominiert ein repräsentativer Eindruck, der von der hohen Krone mit später ergänzten sehr langen, in separat geschnitzten Kreuzblumen endenden Zacken, geprägt wird. Wahrscheinlich wurde die Muttergottes flankiert von anderen stehenden Heiligenfiguren, Nebenpatrone der Kirche oder Kapelle, für die das nicht sehr große Retabel geschaffen wurde.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

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Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM

Liturgischer Teller (Patene)

Liturgischer Teller (Patene)

Die Patene gehört zu einer durch zahlreiche ähnliche Objekte relativ gut bekannten Gruppe liturgischer Gefäße, die vermutlich überwiegend in Konstantinopel gefertigt wurden. Auf dem Rand sind die Einsetzungsworte der byzantinischen Liturgie in sorgfältiger Schrift eingraviert: ΛAB(ETE) ΦAΓETE TOYTO AI(C)TIN TO COMA MO(Y) TO Y(ΠE)P YM(ON) (K)ΛOMAINON IC AΦECCIN AMAPTION AMHN (Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wurde zur Vergebung der Sünden. Amen). Im Zentrum der dreifigurigen Komposition steht der bärtige Christus auf einem Bema in leichter Ponderation, bekleidet mit Tunika und Pallium. In der Linken hält er ein Evangelienbuch, die Rechte ist segnend vor der Brust erhoben. Das langgestreckte Haupt wird von einem Nimbus mit diagonal eingeschriebenem Kreuz umgeben. Zu beiden Seiten der Beischriftkürzel IC XC für »Iesous Christos«. Auf dem Ehrenplatz zu seiner Rechten steht der hl. Stephanos mit Beischrift O (mit eingeschriebenem A) CTEΦANOC (der hl. Stephanos), jugendlich und bartlos, mit Nimbus und bekleidet mit den Gewändern eines Diakons. Mit der Rechten schwenkt er an einer Kette ein Räuchergefäß, in der Linken hält er vermutlich eine Pyxis. Zur Linken Christi steht Kaiser Konstantin d. Gr., der in Byzanz als Heiliger verehrt wurde und daher vor seiner senkrecht angebrachten Namensbeischrift KONCTANTINOC das Kürzel O mit eingeschriebenem A für »der hl. Konstantinos« führt. Er ist mit dem für die mittelbyzantinische Zeit typischen Kaiserornat bekleidet – dem Sakkos und dem kunstvoll drapierten und reich mit angedeutetem Edelsteinbesatz verzierten Loros. In der Rechten hält er das mit einem Kreuz bekrönte Szepter, in der Linken die Sphaira, ebenfalls mit einem Kreuz. Im Unterschied zu den meist großformatigen, oft mit Stifterinschriften versehenen Silberdiskoi der frühbyzantinischen Zeit waren die eher bescheidenen mittelbyzantinischen Patenen aus Kupferblech wohl Massenproduktion für den Bedarf der zahllosen Kirchen.