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Stehende Maria mit Kind

Ident. Nr.: 372

ObjID: obj:1959342

Details (Expert)

Datierung
um 1430/40
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 90,5 x 30,5 x 18,5 cm
Gewicht: 7,5 kg

Objektbeschreibung

Die Figur ist ein charakteristisches und interessantes Beispiel für die Rezeption böhmischer Vorbilder in einer Provinz, in der diese damals zum Teil unmittelbar, vor allem aber auch in Werken vor Augen stand, die selbst bereits Epigonen Prager Kunst waren. Viele Motive der Haltung, Gewandbehandlung und Faltenbildung sind daher nicht mehr in ihrem eigentlich intendierten organischen Zusammenhang begriffen und nehmen sich in ihrer Isoliertheit mitunter sonderbar aus. Das gilt etwa für das Standmotiv: Nichts an der zeittypischen Haltung mit ausschwingender rechter Hüfte und nach oben gedrehter linker Schulter deutet auf die Position des extrem weit nach vorn gestellten linken Fußes und die anatomisch unmögliche Stellung des viel kleiner erscheinenden rechten, der parallel zur Vorderkante ganz oben auf der auffällig hoch gewölbten Erdplinthe platziert ist. Unglücklich wirkt auch der eigentlich stützende Griff der rechten Mutterhand um das Kind, das durch die kraftlos nebeneinander liegenden Finger unmöglich in der Balance gehalten werden kann. Wichtig war dem Schnitzer die Übernahme des populären und auf die spätere Passion Christi verweisenden Fußsohlenmotivs, hier allerdings in Übertreibung der Anwinklung des rechten Füßchens. Der sonst ebenfalls sicht- oder zumindest erahnbare linke Fuß verschwindet hingegen völlig unter einer eigentlich nicht ausreichenden Stoffmasse. Allerdings wird der Eindruck noch zusätzlich getrübt von den naturgemäß noch weiter vom böhmischen Original entfernten Ergänzungen beider Kinderarme und Marias linker Hand. Wahrscheinlich hat die Mutter ursprünglich ein Zepter gehalten, das Kind vielleicht einen Vogel als weitere Andeutung der Passion. Ungeachtet aller künstlerischen Schwächen dominiert ein repräsentativer Eindruck, der von der hohen Krone mit später ergänzten sehr langen, in separat geschnitzten Kreuzblumen endenden Zacken, geprägt wird. Wahrscheinlich wurde die Muttergottes flankiert von anderen stehenden Heiligenfiguren, Nebenpatrone der Kirche oder Kapelle, für die das nicht sehr große Retabel geschaffen wurde.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Letzte Aktualisierung: 25.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Junge Frau

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Die grazile Frauengestalt, in Mieder und einem bodenlangen, die Füße vollständig bedeckenden Kleid gehüllt, ist in einer ausgewogenen Torsion dargestellt. Dem leicht einwärts gekehrten Spielbein, das sich unter dem vom Wind erfassten Stoff deutlich abzeichnet, antwortet der nach links gewendete Oberkörper, während der Kopf sich wiederum über die rechte vorgeschobene Schulter neigt. Die schwungvolle Körperbewegung wird durch die gleichmäßigen, von allen Seiten fein ausgearbeiteten Gewandfalten effektvoll nachgezeichnet. Von gleicher handwerklicher Raffinesse ist die Ausarbeitung der anmutigen Physiognomie und des am Hinterkopf zum Knoten geschlungene Haares. Über die Identität der kleinen Figur lässt sich nur spekulieren. Die frei angesetzten Unterarme mit den zur Seite ausgerichteten und zum Gebet zusammengefalteten Händen, sind wohl eine spätere Ergänzung. In den frühesten Inventareintragungen (1655 und 1757), als sich die Statuette noch in der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer befand, wurde sie mal mit Turm, mal mit Kelch beschrieben, womit sie eindeutig als hl. Babara zu identifizieren wäre.Bislang konnte kein Künstler dem Werk eindeutig zugeordnet werden. Allerdings finden sich von dem in Regensburg tätigen Maler Albrecht Altdorfer (1480-1538) einige Zeichnungen, in denen nicht nur der gleiche Frauentypus vorkommt, sondern auch ein ganz ähnlicher Körperaufbau mit geradezu identischen Faltenzügen. Es ist daher plausibel, den Autor dieser anmutigen Mädchenfigur in Regensburg, im Umkreis Albrecht Altdorfers zu suchen.

Heiliger Nikolaus

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Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)