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Friedrichswerdersche Kirche

Ident. Nr.: FNG 215/14

ObjID: obj:1960987

Erworben durch die Freunde der Nationalgalerie
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hans Ticha (1940 -),
Künstler*in
Datierung
1967
Weitere Titel
Sammlungstitel: Friedrichswerdersche Kirche
Übersetzung: Friedrichswerder Church
Abmessungen
Höhe x Breite: 74,5 x 59,5 cm
Erwerbung
2014 Ankauf von der Galerie Läkemäker, Berlin, durch die Freunde der Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Nach einem Pädagogikstudium und einer zweijährigen Tätigkeit als Lehrer schrieb sich Ticha 1965 an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee ein. Dort studierte er zunächst Malerei, später Gebrauchsgrafik. Als er die Gelegenheit erhielt, zusammen mit seinen Kommilitonen auf dem Dach des von Karl Friedrich Schinkel 1825 bis 1830 erbauten Alten Museums zu malen, wählte er den Blick auf die Friedrichswerdersche Kirche. Diese war ebenfalls von Schinkel 1824 bis 1831 als Ziegelbau im Stil der Neogotik errichtet worden, sie blieb aufgrund von Kriegsschäden aber von 1945 bis 1987 ungenutzt. Ticha zeigt das hoch aufragende Kirchenschiff mit seinem polygonalen Chor und den spitz zulaufenden Strebepfeilern wie eine mit Palisaden bewehrte Festung inmitten gesichtsloser Neubauten. Vor einem Chorfenster ist ein Holzgerüst angebracht, dessen Balkenornament im Kontrast steht zur Rasterfassade des links ins Bild ragenden Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR, das 1964 bis 1967 entstanden war. Eine abgewinkelte Mauer umgrenzt das Areal des Neubaus. Im „Blaumann“ bewegt sich ein Arbeiter jenseits der Mauer, die auch als Anspielung auf die Berliner Mauer gelesen werden kann. Denn im Hintergrund ragt – wie eine Verheißung – das unmittelbar hinter der Sektorengrenze im Westen Berlins 1959 bis 1965 erbaute Hochhaus des Axel-Springer-Verlages auf. In der politischen Topografie der geteilten Stadt repräsentierte es aus Sicht des DDR-Bürgers Ticha das „Außen“, und sein eigener Namenszug auf dem Sockel des Außenministeriums signalisiert dezent den Wunsch nach Reisefreiheit. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz