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Schälchen mit Blütendekor (sog. Medici-Porzellan)

Ident. Nr.: W-1984,22

ObjID: obj:1965068

Details (Expert)

Datierung
um 1580
Geografische Bezüge
Material / Technik
Glasartige Fritte
Abmessungen
Durchmesser: 13 cm
Höhe: 4,8 cm

Objektbeschreibung

"Der Rand des Schälchens ist verformt, die Glasur bläschendurchsetzt. Ein kobaltblauer Ranken- und Blütendekor, der an chinesisches Blau-Weiß-Porzellan der Ming-Dynastie erinnert, ziert das Innere und die Wandung.
Ostasiatisches Porzellan faszinierte die Europäer seit Marco Polos Chinareisen. In Florenz, aber auch in Venedig und anderen Glas- und Majolikazentren, erfolgten im 16. Jahrhundert Versuche der Porzellanimitation. 1575 berichtete der venezianische Gesandte in Florenz, Andrea Gussoni, dass Großherzog Francesco I. de Medici (reg. 1574–1587) einen Weg gefunden habe, 'indisches Porzellan' herzustellen. Francesco hatte selbst alchemistisch-keramische Interessen. Zudem verfügte er in seiner umfangreichen Keramiksammlung auch über rund eintausend chinesische Porzellanobjekte.
Das sogenannte Medici-Porzellan ist allerdings kein echtes Porzellan, sondern eine glasartige 'Fritte'. Der hohe Anteil an Flussmitteln wie Quarz und Feldspat (die auch in Glas enthalten sind) und der geringe Tonanteil führten beim Brand oftmals zu Verformungen. Die Produkte wurden, ähnlich wie die italienischen Majoliken, mit einer weißen Glasur, dem 'marzacotto', und darüber einer transparenten Bleiglasur überzogen.
Als im 17. Jahrhundert über die Ostindischen Handelskompanien größere Mengen an ostasiatischen Porzellanen nach Europa kamen, verloren die ohnehin nur in geringer Stückzahl produzierten Medici-Porzellane an Bedeutung. Erst 1708 glückte in Meißen dem Alchemisten Johann Friedrich Böttger und dem Naturwissenschaftler Ehrenfried Walther von Tschirnhaus die 'Nacherfindung' des Hartporzellans. Es enthält als Hauptrohstoff eine weiße, mineralienhaltige Tonerde, das Kaolin, und hat, im Gegensatz zum Medici-Porzellan, einen weißen, harten und dabei lichtdurchlässigen Scherben – wie die ostasiatischen Vorbilder." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden/Berlin 2018, S. 89)

Marke auf der Unterseite des Bodens: In Blau aufgemalt die Kuppel des Florentiner Doms, sowie "F" (für Florenz)

ClKa

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Rastender Herkules (Modellnummer 382)

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Herkules ist an seinen Attributen, der lorbeerblattumrankten Keule und dem Löwenfell, zu identifizieren. Er wendet den Kopf nach links und nimmt so gewissermaßen Kontakt auf zu seiner weiblichen Pendantfigur, "Venus im Muschelwagen". Im Bestand des Kunstgewerbemuseums sind beide Figuren, in jeweils unterschiedlichen Größen, als weiß glasierte (Herkules, Inv. Nr. DM 8) bzw. staffierte Versionen (Venus, Inv. Nr. O-1990,94) vorhanden.Bei der hier besprochenen Herkulesfigur handelt es sich um ein nur schrühgebranntes Exemplar, das vermutlich wegen der Brandrisse, v.a. am Sockel unterhalb des rechten Fußes, nicht in den Glasurbrand gegeben wurde. Abgesehen vom Scherben ist auch der geringe Größenunterschied zur glasierten Version von nur einem Zentimeter ein Indiz dafür, dass es sich nicht um das Tonmodell handelt, das bei einer Schwindung des Porzellans von 16-22 % größer sein müsste. An der detaillierten, fast überzeichneten Oberflächenmodellierung ist zu erkennen, dass der Entwerfer, Wilhelm Christian Meyer (1726-1786), die Verschleifung der Details durch die Glasur einkalkulierte. Wilhelm Christian war ambitionierter Bildhauer und Schüler seines Bruders Friedrich Elias Meyer (1723/24 - 1785). Letzterer war Modellmeister bei der KPM und holte seinen jüngeren Bruder 1766 an die Berliner Porzellanmanufaktur.Weiterführende Informationen sind zu finden in: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 307-309, Kat.Nr. 41; Claudia Kanowski, in: C.Kanowski / L. Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 24-27, Abb. S. 26.ClKa