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Above the Water

Ident. Nr.: NG-FCFC 171/14

ObjID: obj:1971593

Credit: 2014 Schenkung der Friedrich Christian Flick Collection
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Josef Albers (1888 - 1976),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1944
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Above the Water
Über dem Wasser
Abmessungen
Höhe x Breite: 41 x 33,3 cm
Erwerbung
2014 Schenkung Friedrich Christian Flick Collection

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Röhrenfertigungsanlage

Röhrenfertigungsanlage

Neben Pflanzenaufnahmen (vgl. etwa „Maisstiel mit Blüte“, NG-FCFC 89/08) bildeten Ansichten aus Industrie und Technik den zweiten Schwerpunkt Renger-Patzschs in den 1920er-Jahren. Sie reichen vom weiten Blick auf eine Fabrik bis hin zu minutiösen Details einzelner Geräte: das Innere einer Schreibmaschine oder einer Kasse, Räder und Zahnräder, Laufbänder, Fräsmaschinen, Drehbänke – alles aus Eisen und Stahl. Bei der „Röhrenfertigungsanlage“ (NG-FCFC 92/08) schaut man über ein Führungsrad hinweg durch ein Loch, hinter dem ein Laufband in die Ferne führt. Im „Detail einer Strickmaschine“ (NG-FCFC 88/08) rahmen zwei glatte Führungsschienen die Nadelbetten ein, von oben läuft durch eine Nadel das Garn. Hier werden präzise Maschinen in Aufnahmen festgehalten, die ebenso exakt fokussiert und aufgebaut sind. Solche Bilder scheinen die Neue Sachlichkeit in fotografischer Form auf den Punkt zu bringen, denn sie vermeiden Symbolik zugunsten einer nüchternen, klaren Auseinandersetzung mit Objekt und Form. Renger-Patzsch schrieb über den besonderen „Realismus“ der Fotografie: „Die Struktur von Holz, Stein und Metall wird in ihrer Eigenart so hervorragend dargestellt, wie es mit den Mitteln der bildenden Kunst niemals geschehen kann. Wir können photographisch die Begriffe von Höhe und Tiefe mit wundervoller Präzision ausdrücken, und in der Analyse und Wiedergabe schnellster Bewegung ist die Photographie unumschränkte Herrscherin. […] Das, was [Anhänger der mehr künstlerischen Photographie] der Photographie zur Last legen: die mechanische Wiedergabe der Form – macht sie hier allen anderen Ausdrucksmitteln überlegen“ (Albert Renger-Patzsch, Ziele, 1927, in: ders., Die Freude am Gegenstand. Gesammelte Aufsätze zur Photographie, Paderborn/München 2010, S. 91 f.). | Emily Joyce Evans

Deutsches Notstandsschwein

Deutsches Notstandsschwein

In den 1950er- und 60er-Jahren herrschte in der Bundesrepublik Deutschland eine Debatte um die sogenannten Notstandsgesetze, durch welche die Handlungsspielräume der Regierung im Ernstfall, etwa dem Verteidigungsfall oder einer Katastrophe, erweitert werden sollten. Kritiker erinnerten an die Notstandsverordnungen der Weimarer Republik und die Gefahr, dass die Gesetze antidemokratische Maßnahmen erlaubten. Hierauf bezieht sich Alvermanns „Deutsches Notstandsschwein“, ein Sparschwein in Schwarz-Rot-Gold mit einem Hakenkreuz auf dem Rücken. Es entstand nach Auskunft des Künstlers 1965/1966 als Beitrag zum Protest; eine kleine, dann eine große Edition folgten (www.hp-alvermann.de, Abruf 9.9.2022). Sämtliche Exemplare wurden vorerst beschlagnahmt, und gegen Alvermann wurde wegen Verunglimpfung der Bundesfarben und der Verwendung des Hakenkreuzes Anklage erhoben. Der Gerichtsprozess endete 1972 mit der Anerkennung des Objekts als Kunstgegenstand, dessen formaler Ausdruck und Doppeldeutigkeit toleriert werden müssen. Alvermanns Wahl des Sparschweins ist vermutlich eine Anspielung darauf, dass unter den geplanten Notstandsgesetzen Privathaushalte finanziell belastet werden konnten, und beinhaltet mit dem Wort „Schwein“ zugleich eine Beleidigung. Gleichzeitig kann es als ein Hieb des Provokateurs gegen die Sparmentalität der Bundesbürger*innen der Nachkriegszeit verstanden werden, die auf den Aufbau des Privatvermögens ausgerichtet war. Das Exemplar der Nationalgalerie ist Nummer 55 von 500. | Emily Joyce Evans

Multiplex B

Multiplex B

Die kleine Serie der „Multiplex“-Holzschnitte führt eine Idee fort, die Albers wenige Jahre zuvor beispielsweise in „Above the Water“ (1944; NG-FCFC 171/14) bereits umgesetzt hatte. In „Multiplex B“ und „Multiplex D“ bleibt die Holzmaserung des Druckstocks in der schwarzen Farbe sichtbar und erzeugt einen doppelten Effekt. Zum einen spielt Albers mittels der Maserung mit der Darstellung von Tiefe, zum anderen bieten die unregelmäßigen, leichten Wellen einen subtilen Kontrast zu den klaren, geraden weißen Linien der Figur. Die Klarheit dieser Linien täuscht, denn die gezeichneten Formen sind alles andere als simpel. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Schrägbilder dreidimensionaler, durchsichtiger Körper. Doch Albers’ Linien bilden keine Körper, denn keine Linie, keine angedeutete Fläche ist einem Vorn oder Hinten eindeutig zuzuordnen. Es geht hier um die Logik der Wahrnehmung, die „prekäre Unzuverlässigkeit unseres Sehens, unseres schöpferischen Falschsehens“ (Werner Spies, Surrealistische Geometrie, in: Josef Albers, Ausst.-Kat., Düsseldorf, 1970, S. 2). Das optische Erleben ist in Albers’ Werk zentral. Schon 1933, bei seiner Ankunft in den USA nach der Emigration aus Deutschland, sagte er, es sei sein Ziel, die Augen seiner Studierenden zu öffnen. So oft der Blick auch über Linien und Formen streift, diese bleiben offen und verweigern sich einer sauberen Definition als Umriss, Fläche oder Körper. Das Rätsel soll sich nicht lösen. Die „Multiplex“-Serie entstand zwischen 1946 und 1948. Die Blätter A bis D wurden in Editionen von 25 bzw. 30 Exemplaren gedruckt (WVZ Danilowitz 2010, Nr. 120–123); „Multiplex B“ bis „Multiplex D“ erschienen bei der Biltmore Press in Asheville, North Carolina. | Emily Joyce Evans

Multiplex D

Multiplex D

Die kleine Serie der „Multiplex“-Holzschnitte führt eine Idee fort, die Albers wenige Jahre zuvor beispielsweise in „Above the Water“ (1944; NG-FCFC 171/14) bereits umgesetzt hatte. In „Multiplex B“ und „Multiplex D“ bleibt die Holzmaserung des Druckstocks in der schwarzen Farbe sichtbar und erzeugt einen doppelten Effekt. Zum einen spielt Albers mittels der Maserung mit der Darstellung von Tiefe, zum anderen bieten die unregelmäßigen, leichten Wellen einen subtilen Kontrast zu den klaren, geraden weißen Linien der Figur. Die Klarheit dieser Linien täuscht, denn die gezeichneten Formen sind alles andere als simpel. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Schrägbilder dreidimensionaler, durchsichtiger Körper. Doch Albers’ Linien bilden keine Körper, denn keine Linie, keine angedeutete Fläche ist einem Vorn oder Hinten eindeutig zuzuordnen. Es geht hier um die Logik der Wahrnehmung, die „prekäre Unzuverlässigkeit unseres Sehens, unseres schöpferischen Falschsehens“ (Werner Spies, Surrealistische Geometrie, in: Josef Albers, Ausst.-Kat., Düsseldorf, 1970, S. 2). Das optische Erleben ist in Albers’ Werk zentral. Schon 1933, bei seiner Ankunft in den USA nach der Emigration aus Deutschland, sagte er, es sei sein Ziel, die Augen seiner Studierenden zu öffnen. So oft der Blick auch über Linien und Formen streift, diese bleiben offen und verweigern sich einer sauberen Definition als Umriss, Fläche oder Körper. Das Rätsel soll sich nicht lösen. Die „Multiplex“-Serie entstand zwischen 1946 und 1948. Die Blätter A bis D wurden in Editionen von 25 bzw. 30 Exemplaren gedruckt (WVZ Danilowitz 2010, Nr. 120–123); „Multiplex B“ bis „Multiplex D“ erschienen bei der Biltmore Press in Asheville, North Carolina. | Emily Joyce Evans