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Quadratische Wirkerei mit Büste

Ident. Nr.: 9714

ObjID: obj:2017151

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 4.-6. Jahrhundert
Systematik/Art
Geografische Bezüge
Ägypten,
Land/Region
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite: 14,9 x 15,8 cm nach Wulff/Volbach
Höhe x Breite: 17,3 x 18 cm heutige Montage
Höhe x Breite: 14,6 x 15 cm Bildmotiv
Erwerbung
1893 von Richard von Kaufmann erworben, 1934 von der Ägyptischen Abteilung (heute Ägyptisches Museum und Papyrussammlung) übertragen

Objektbeschreibung

Die handwerklich in höchster Qualität ausgeführte Wirkerei ist in ein leinenes Grundgewebe eingearbeitet, von dem nur noch Reste unmittelbar um das Bildmotiv erhalten sind. Sie wurde ausgeschnitten und auf ein anderes antikes, aber nicht zugehöriges Leinengewebe aufgenäht. In dem ringsum von einfachen dunklen Randlinien umgebenen quadratischen Rahmen des Bildeinsatzes ist ein kleineres, ebenso eingefasstes Quadrat eingeschachtelt. Darin ist eine weibliche Büste in Dreiviertelwendung nach rechts auf rotem Grund wiedergeben. Sie trägt ein rotes, auf der rechten Schulter fixiertes Manteltuch (chlamys, pallium), unter der ein blaues Gewand sichtbar wird. Das am Hinterkopf in großen Wellen herabhängende dunkle Haar schmückt ein grünlicher Stirnreif oder eine Binde mit rotem Zierglied in der Mitte. Im breiten Rahmenstreifen sind auf gelbbraunem Grund Edelsteine nachgeahmt: in der Mitte recht und links je ein blaues Rechteck (Saphir) mit weißer Mittellinie, über und unter der Büste je ein grünes Rechteck (Smaragd), gelb (oben) und purpurfarben (unten) gefasst; in den Ecken liegt je ein roter Kreis (Rubin) mit purpurfarbenem Rand. Zwischen den Edelsteinimitaten sind jeweils für weiße Punkte (Perlen) zu einem Quadrat angeordnet. Der Einsatz könnte sowohl von einem Kleidungsstück als auch von einem Ausstattungstextil stammen.

Die Wirkerei befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau und ist dort unter Inv. KT 554 erfasst.

Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 15, Taf. 16 unter ÄM Inv. 11444; O. Lechitskaya, Coptic textiles, The Pushkin State Museum of Fine Arts, Moskau 2010 (russisch), S. 207, Nr. 105.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM