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Moriskentänzer

Ident. Nr.: F 2822 b

ObjID: obj:2020639

Details (Expert)

Datierung
um 1440
Material / Technik
gebrannter Ton
Abmessungen
Höhe x Breite: 34 x 23 cm

Objektbeschreibung

Dieses Werk zählt zu einer Gruppe von vier figürlich geschmückten Backsteinen (Inv. Nr. F 2822 a–d), die trotz ihrer fast halbplastisch erhabenen Reliefs mit der Darstellung wild bewegter Moriskentänzer zum Typus der im Model geformten Ziegel gehören. Zwei weitere Serien modelgleicher Darstellungen befinden sich in der Abegg-Stiftung in Riggisberg und im Museo d’Arte Antica in Turin. Die 1956 aus dem Mailänder Kunsthandel erworbene Riggisberger Serie umfasst sieben verschiedene figürliche Reliefs in insgesamt 18 Ausformungen und eines mit vegetabilem Ornament, die sich durch die Form ihres Zuschnittes und das keilförmige Mittelteil als Segmente einer Bogenverzierung erweisen. Ebenfalls der Verzierung einer Archivolte dienten die vier unterschiedlichen Reliefs mit Moriskentänzern auf insgesamt sechs figürlichen und zwölf vegetabil ornamentierten Ziegeln im Turiner Museum. Sie stammen aus der 50 km südlich von Turin gelegenen Kleinstadt Alba. Die vier Exemplare im Kunstgewerbemuseum sind 1935 aus der Wiener Sammlung von Albert Figdor nach Berlin gelangt. Laut Angabe des Kunsthändlers, von dem Figdor sie vor 1913 erworben hatte, sollen die Ziegel von der Erkerverzierung eines Hauses in Turin stammen.
Tatsächlich spricht ihr rechteckiger Zuschnitt dafür, dass sie nicht wie die Exemplare in Riggisberg und Turin als Bogenverzierung sondern als horizontaler Fries versetzt wurden. Eine solche Anordnung von figürlichen Ornamentziegeln – aus anderen, wenngleich ganz ähnlichen Modeln geformt – findet sich noch heute in situ an der Casa Campana in Alba, jenem Ort, aus dem auch die Exemplare im Turiner Museum stammen. Die Herkunft der vier Berliner Ziegel aus dem Piemont darf damit als gesichert angenommen werden.
Stilistisch stehen die Werke in der Nachfolge des Weichen Stils. Die Datierung ihrer Entstehung gegen Mitte des 15. Jahrhunderts ist wahrscheinlich, sie wird auch kostümgeschichtlich gestützt. Damit zählen die Piemonteser Ornamentziegel zu den ältesten bildlichen Überlieferungen des im 14. Jahrhundert aus dem mauresken Spanien nach Norden gelangten volkstümlich-ekstatischen Schellentanzes. LL

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit dem großen brandenburgisch-preußischen Wappen

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Pokal aus farblosem Glas, Abriss am Boden, leicht ansteigender Fuß mit versenktem und mattiertem Spitzblattfries, angesetzt ein wabenfacettierter Balusterschaft zwischen zwei ebenfalls wabenfacettierten Nodi, der Baluster ist mit drei übereinanderliegenden Kränzen aus eingestochenen Luftblasen verziert. Die becherförmige Kuppa wiederholt am Ansatz den Spitzblattdekor vom Fuß und trägt auf der Wandung das fein geschnittene große brandenburgisch-preußische Wappen, beidseitig gehalten von Wilden Männern und unter einem mit Adlern und der Bügelkrone bekrönten Baldachin, hinter dem rechts die Sonne strahlt, unten: Gott mit uns. Die Gegenseite zeigt den preußischen Adler im Flug gegen die Sonne, darunter: Nec soli cedit (Nicht [einmal] der Sonne weicht er), die Devise des sogenannten Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. (reg. 1713–1740). Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Perlfries unter einer Linie. Bei dem Glas handelt es sich um ein Erzeugnis der Potsdamer Glasmanufaktur, in die Regierungszeit Friedrichs I. datierend, auf den es mit Wappen und Devise gleich zweifach Bezug nimmt. Vermutlich gehörte ein Deckel dazu (der zugeordnete Deckel mit der Inv.-Nr. O-1982,92 b ist zu groß). Ähnliche Deckelpokale mit dem gleichen Sujet sind überliefert (Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 180, 181, 191, 192, 194; Rückert, Die Glassammlung des Bayerischen Nationalmuseums, Bd. 2, 1982, Kat. 812, S. 275, Taf. 251; Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Inv. Nrn. XIII 7 und Dln E.St. 01/26; Stiftung Stadtmuseum Berlin Inv. Nr. KH 99/1270 A; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 19.2 und 20.1). Pokale von dieser Größe und mit königlichen Symbolen waren sicherlich für den Hof bestimmt. [Verena Wasmuth]MAKR

Vergoldeter Pokal mit Bildnis Königin Sophie Dorothea von Preußen

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Pokal aus dickwandigem, farblosem Glas, Boden mit Abrissnarbe, die gesamte Oberfläche ist akzentuiert mit Gold staffiert, auf dem Fuß ein Kranz aus Oliven mit Ovalaugen, der massive Schaft ist mit Längsfacetten beschliffen, die sich bis an den Ansatz der bündig anschließenden Kuppa als vertiefte Zungen fortsetzen. Die Kuppawandung ziert in Tiefschnitt unter der Bügelkrone das von einem Adler gehaltene Rundmedaillon mit dem Profilbildnis Königin Sophie Dorotheas (1687–1757), flankiert von Adlern und Lorbeerzweigen, darunter fein goldgemaltes Rollwerk und sich überkreuzende Füllhörner. Der verwärmte Mündungsrand ist beidseitig vergoldet. Der Pokal datiert entweder in die letzten Betriebsjahre der Potsdamer oder in die ersten der Zechliner Glashütte und dürfte höchst wahrscheinlich als Paar mit einem Glas konzipiert gewesen sein, das ein Porträt Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) trug (möglicherweise Inv. Nr. O-1982,78, a,b). Eine Reihe sehr ähnlicher bis nahezu identischer Pokalgläser mit Potsdamer Provenienz sind überliefert, die einen zugehörigen Deckel besitzen (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 35.5; Baumgärtner, Porträtgläser, 1981, Abb. 9, S. 21; für das Bildnis vgl. Abb. 5, S. 18; Klesse/Mayr, Veredelte Gläser aus Renaissance und Barock, 1987, Nr. 134; Strasser/Spiegl, Dekoriertes Glas, 1989, Kat. 145, S. 280; Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr. Kunstkammer, 10382; Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv. Nr. II 74/185 A, ebenfalls ohne Deckel). Ursprünglich war wohl ein zugehöriger Deckel vorhanden, der zugeordnete Deckel passt nicht, er gehört zu einem kleineren Pokal. [Verena Wasmuth]MAKR