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Ein Paar Deckelvasen

Ident. Nr.: 1937,44 a,b

ObjID: obj:2021270

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Fayencemanufaktur Cornelius Funcke, Berlin (1699 - 1747/67),
Hersteller*in
Datierung
um 1701
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Berlin
Provenienz
Max von Wassermann,
bis 11. Oktober 1934
Nachlass/Vermächtnis: Olga von Wassermann,
11. Oktober 1934 bis 06.-07. Dezember 1937
Auktion: Hans W. Lange,
6.-7. Dezember 1937 (Auktion)
Abmessungen
Höhe: jeweils 38,5 cm (mit Deckel)
Erwerbung
Im Dezember 1937 ersteigert bei Hans W. Lange, Berlin. 2010 an die Erben von Olga von Wassermann restituiert und gegen Entschädigungszahlung erworben.

Objektbeschreibung

Das Vasenpaar stellt ein Schlüsselwerk für die Fayenceproduktion der Berliner Manufaktur von Cornelius Funcke dar. Es ist kunsthistorisch wie historisch hoch bedeutend, kombiniert es doch europäische Stilmerkmale des Barock mit technischen Einflüssen aus dem Orient (türkisfarbene Glasur) und spielt motivisch zudem auf den Übergang von der brandenburgischen Kurfürstenwürde zur Königswürde im Jahr 1701 an.

Eine detaillierte Beschreibung und Einordnung der beiden Deckelvasen hat Christiane Keisch 2001 im Katalog "Herrliche Künste und Manufacturen" vorgenommen:
"Achtseitige schmale, gestelzte Form mit flachem Deckel. Auf der Wandung in vertikaler Wiederholung musizierende Engel, teilweise auf Wolken mit Harfen, Gamben, Geigen und Trompeten, dazwischen Putten mit Notenblättern. Auf den zwei Seiten unten je ein Engel mit Kurhut und Szepter in den Händen, darüber ein Gambe spielender Engel, über ihm wiederum zwei schwebende Engel mit der Königskrone. Als Abschluß ein Engel mit Harfe. Rechts und links des Feldes aufsteigende Engel mit Palmenzweigen, oben rechts mit Trompete, links mit langem Stab.
Der für Funcke so typische türkisgrüne Fond in Verbindung mit der recht schmalbrüstigen Vasenform, deren Kantenschnitt unregelmäßig und deren Fußränder ungeschickt gezwackt sind, läßt eine sehr frühe Entstehungszeit vermuten. Funcke hatte sich auf Grund eines von Friedrich III. [Kurfürst von Brandenburg, ab 1701 König Friedrich I. in Preußen] bestätigten Bittgesuchs von 1699 von Wolbeer [der älteren Berliner Fayencemanufaktur] getrennt und selbständig gemacht. Dies Vasenpaar könnte ein dem König gewidmeter 'Feldversuch' bezüglich neuer Formen und Farben (Fondfarbe) gewesen sein. Die Szene stellt offensichtlich eine Hommage auf die Krönung Friedrichs I. dar, die den Übergang von der Kurfürstenwürde (unten: Engel mit Kurhut und Szepter) zur Königswürde (oben: Engel mit Königskrone und Palmwedeln) vor Augen führen möchte. Im Zusammenhang mit Funckes späterer Bitte, 1712, um eine Konzession für die Herstellung von Tabakspfeifen erwähnt er Friedrich I. gegenüber seine Befähigung, mit roter Erde umgehen zu können, vor allem im Zusammenhang mit neuen, nie gesehenen 'allerhandt Couleurs alß porcellain'. Diese Vasen hier sind aus ziegelroter Erde und die porzellanähnliche türkisgrüne Farbe könnte gerade probiert worden sein (sie führt später zu Funckes charakteristischen farbigen Fondvasen mit Reservemalereien). Hinsichtlich der Datierung der anderen - türkisgrün bemalten - Vasen mit osmanischem Segelschiffdekor spielen sie eine Schlüsselrolle."

Das Vasenpaar konnte im Jahr 2010 von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nach Zahlung einer Entschädigung an die Erben der einstigen Besitzerin, Olga von Wassermann, für das Kunstgewerbemuseum zurückerworben werden. Das Kunstgewerbemuseum hatte das Vasenpaar 1937 auf einer Auktion des Kunstauktionshauses Lange erworben. Olga von Wassermann hatte aufgrund ihres jüdischen Glaubens Deutschland verlassen und einen wesentlichen Teil ihres Kunstbesitzes verfolgungsbedingt zuvor veräußern müssen.

Lit.: Kat. Berlin 2001: 'Herrliche Künste und Manufacturen'. Fayence, Glas und Tapisserien aus der Frühzeit Brandenburg-Preußens 1680-1720 (Ausstellungskatalog Kunstgewerbemuseum SMB 6.5.-5.8.2001), Berlin 2001, Kat. Nr. 60

ClKa

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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