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Dachfenster

Ident. Nr.: 107-1986

ObjID: obj:2021281

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Wolfgang Mattheuer (1927 - 2004),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: 1981
Material / Technik
Linolstich
Abmessungen
Plattenrand: 45,7 x 40,2 cm
Blattmaß: 65,0 x 50,0 cm

Objektbeschreibung

Wolfgang Mattheuers Linolstich Dachfenster, der einige Jahre nach dem in der Neuen Nationalgalerie befindlichen Gemälde Das große Dachfenster (1969) entstand, ist auf den ersten Blick kein Reisebild: Weder zeigt es Reisende, noch die Fortbewegungsmittel oder Utensilien, die mit einer Reise verbunden sein können. Ein Reiseziel oder eine touristische Sehenswürdigkeit − Fehlanzeige. Durch ein halb geöffnetes einfaches Dachfenster werden ausschnitthaft ein Baum und eine hügelige Landschaft mit einer baumbestandenen leeren Straße erkennbar. Dominierend ist aber der Himmel, der von neun weißen, nach oben rechts aufsteigenden Wölkchen bevölkert wird, die in ihrer Form an Schmetterlinge erinnern. Indem wir die Wolken in der Imagination in Bewegung versetzen, begeben wir uns auf Reisen, verlassen die beklemmende Enge des niedrigen Dachraumes, teilweise verschattet durch den anthropomorph und bedrohlich anmutenden Baum. Reisen waren in der DDR, in der Wolfgang Mattheuer, einer der Maler der Leipziger Schule, zu den bedeutendsten, dabei keineswegs unkritischen Künstlern gehörte, nur bedingt möglich. In der Regel steuerte der nicht entsprechend privilegierte Großteil der Bevölkerung Ziele im eigenen Land oder den verbündeten Staaten des Ostblocks an. Die Wolken sind in ihrer Bewegung aber an keine Grenzen gebunden − und haben damit völlige Reisefreiheit.

Text: Andreas Schalhorn, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 102

At first glance, Wolfgang Mattheuer’s linocut Skylight, created some years after the painting The Large Skylight (1969, Neue Nationalgalerie), is not about travel at all. It does not depict travelers, nor does it show means of transportation or objects that can be associated with a journey. A destination or a tourist site—nothing of the sort. Through a half-open skylight, we get a glimpse of a tree, a hilly landscape, and an empty, tree-lined road. But what dominates here is the sky, populated by nine clouds rising to the upper right, their shape reminiscent of butterflies. By placing the clouds in movement in our imagination, we begin to travel, and leave the oppressive confinement of the low-ceiling attic, in part shadowed by the anthropomorphic and threatening tree. In East Germany, the former GDR, where Wolfgang Mattheuer was one of the most important painters of the Leipzig School, but by no means uncritical, traveling was restricted. Most of those not privileged to do otherwise generally visited destinations in their own country or allied East Bloc states. But the clouds are not limited by any borders in their movement—and thus enjoy a complete freedom to travel.

Text: Andreas Schalhorn, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 102

Letzte Aktualisierung: 13.05.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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