Logo

Sarazenenschlacht bei Cordoba im Jahre 778. Dritter von fünf Kartons für die Fresken im Kaisersaal des Rathauses zu Aachen

Ident. Nr.: A I 46

ObjID: obj:2025517

Details (Expert)

Beteiligte
Alfred Rethel (1816 - 1859),
Maler*in
Datierung
um 1849
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Marie Rethel (Witwe des Künstlers),
1868
Abmessungen
Höhe x Breite: 275 x 335 cm (Spitzbogenfeld)
Erwerbung
1868 erworben von Marie Rethel, der Witwe des Künstlers, aus dessen Nachlaß

Objektbeschreibung

1840 gewann Alfred Rethel den Wettbewerb des Düsseldorfer Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen zur Ausschmückung des Aachener Rathaussaales mit einem Freskenzyklus zum Leben Karls des Großen »in historischer und symbolischer Auffassung« mit Bezug auf die »allgemeine geschichtliche Bedeutung als auch auf die Stadt Aachen als dessen Lieblingsaufenthalt« (Alfred Rethel, Die Karlsfresken, Ausst.-Kat., Aachen 1987, S. 9). Friedrich Wilhelm IV. befürwortete die vorgelegten Entwürfe. Akademiedirektor Wilhelm Schadow erhob aus Neapel vergeblich Einspruch, er hielt Rethel, der bereits an der Ausmalung des Frankfurter Römers mitgewirkt hatte, für überschätzt und den Auftrag für zu rasch vergeben. Nach langer Diskussion und baulichen Veränderungen am Saal einigte man sich 1846 über acht Kompositionen, 1847 bereits begann Rethel mit der Ausführung der Fresken, 1853 mußte er die Arbeit wegen einer psychischen Erkrankung abbrechen. Nur vier der Fresken wurden von Rethel selbst vollendet, die übrigen wurden von Josef Kehren (1817–1880) nach Rethels Kartons ausgeführt. Die ursprünglich fünf Kartons wurden 1868 aus dem Nachlaß des Künstlers für die Nationalgalerie erworben; der erste und der letzte Karton des Zyklus, »Zerstörung der Irmensäule bei Paderborn im Jahre 772« (ehemals Inv.-Nr. A I 44) und »Kaiser Otto III. in Karls des Großen Gruft im Jahre 1000« (ehemals Inv.-Nr. A I 48), zählen zu den Kriegsverlusten.
Der zweite Karton (Inv.-Nr. A I 45) zeigt den Einzug Karls des Großen in Pavia im Jahre 774: Nach dem Sieg über den Langobardenkönig Desiderius (774 n. Chr.) zieht Karl der Große mit der eisernen Krone der Langobarden in der Hand durch das Stadttor ein. Auf dem Pferd rechts weist Bischof Turpin mitleidheischend auf das gefangene Königspaar vorne rechts, der alte Krieger hinter ihm deutet mit ausgestrecktem Arm auf die zerstörte Stadt. Hinter den zerborstenen Stadtmauern sieht man einzelne Krieger mit dem Bergen der Toten und mit Löscharbeiten beschäftigt, die Stadt verlassende Bürger und einziehende Sieger. – Für den Karton suchte sich Rethel seine Modelle in Dresden, wo er seit dem Winter 1848/49 wohnte, und zeichnete dort in der königlichen Rüstkammer und im Marstall.
Den dritten Karton »Sarazenenschlacht bei Cordoba im Jahre 778« (Inv.-Nr. A I 46) entwickelte Rethel nach Friedrich Schlegels Rolandromanze über den spanischen Feldzug Karls des Großen im Jahre 778. Das bewegte Kampfgetümmel bindet Rethel hier in eine dynamische Diagonalkomposition. Das Heer stürmt auf den Betrachter zu: In der Mitte reitet Karl der Große, er hat von dem feindlichen, von Stieren gezogenen Wagen die Fahne heruntergerissen. Links sieht man den kreuztragenden Bischof Turpin. Den Pferden hat man die Augen verbunden, damit sie vor den Sarazenen nicht scheuen. Rechts bäumt sich der tödlich getroffene Kalif in seinem Streitwagen noch einmal auf.
Der vierte Karton zeigt die Taufe Wittekinds im Jahre 785 (Inv.-Nr. A I 47) und die dadurch besiegelte Unterwerfung der Sachsen. Im Zentrum der Darstellung wird der kniende Sachsenherzog von Bischof Turpin getauft (785 n. Chr.), links sind die weltlichen, rechts die geistlichen Würdenträger zu sehen. Die Sachsen an der Freitreppe haben zum Zeichen ihrer Unterwerfung die Fahne gesenkt. »Diese von inneren Bewegungen erfüllten Szenen an der Seite der Freitreppe stehen im wirksamen Gegensatz zu der zu einem feierlichen Staatsakt erhobenen Taufe auf der Plattform, die durch den Bischof eine besondere Weihe erhält« (H. Schmidt, Alfred Rethel, Neuß 1959, S. 116). Eine Ölstudie der Szene von 1853 befindet sich im Museum Kunstpalast Düsseldorf. – Rethel unterschied die verschiedenen Vorstufen der Arbeit genau, wie er dem Bruder Otto 1844 auseinandersetzte: Studien, den Karton, die Farbenskizze und die Untermalung. Und es gilt, sich »eine geistige Frische und Neuheit des Gegenstandes« möglichst lange zu erhalten und »das Werk rasch bis zu einem gewissen Punkte zu bringen, bei der Übermalung fehlen in der Regel jene beiden Hülfen« (J. Ponten, Alfred Rethels Briefe, Berlin 1912, S. 78). Das Fresko wurde nach Rethels Entwürfen von Josef Kehren ausgeführt (1944 zerstört). | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

E-Mail:

n/a

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Lautespielendes Mädchen

Lautespielendes Mädchen

Das Motiv der musizierenden Genien in Form zweier Laute beziehungsweise Lyra spielenden Mädchen (B II 87 a, b) entwickelte Hildebrand aus der ursprünglichen Idee einer Orpheus-Darstellung. Verschiedene Skizzen und plastische Entwürfe (Sigrid Esche-Braunfels, Adolf von Hildebrand [1847–1921], Berlin 1993, S. 335–342) zeigen Sänger sowohl mit Laute als auch mit Leier. War das durch den Orpheus-Mythos angerissene Thema der Musik im Zusammenhang mit der Idee einer Brunnenanlage zunächst noch als Relief vorgesehen, so tritt das Motiv mit der Konzeption der beiden musizierenden Mädchen plastisch in den Vordergrund. Der Bildhauer hatte nach dem Wegfall des stark räumlich entwickelten Brunnenbeckens offensichtlich nach einem plastischen Ausgleich gesucht und die beiden wandgebunden konzipierten Gestalten vollplastisch ausgeformt. Beide Musikerinnen sind in einem komplizierten Spiel gegenläufiger Achsen aufeinander bezogen; sie bekrönten einst den treppenartigen Aufbau einer von Pilastern bestandenen Wandnische. Die Ausführung der Marmorarbeiten für das Denkmal, das Joseph Joachim gewidmet ist (vgl. B II 87 c, d), war dem Bildhauer Rothenburger übertragen worden, doch befriedigte diese nicht vollständig. Augenscheinlich sind die Figuren nicht mit der gleichen subtilen Oberflächenqualität gehauen wie eigenhändig von Hildebrand ausgeführte Werke. Jener war sich dieser Abweichung im arbeitsteiligen Werkprozess durchaus bewusst, unterschied er doch das Original als „Ergebnis eines gestaltenden Prozesses, einer schaffenden Phantasie“ von der „Kopie“ als „das Resultat einer Nachahmungsfähigkeit“ (Adolf von Hildebrand an Alfred Hildebrand-Koppel, Dezember 1891, zit. nach Bernhard Sattler [Hrsg.], Adolf von Hildebrand und seine Welt. Briefe und Erinnerungen, München 1962, S. 373). Die Originalgipse beider Figuren befinden sich zusammen mit dem umfangreichen Ateliernachlass in der Neuen Pinakothek in München. | Yvette Deseyve

Rebekka und Elieser am Brunnen

Rebekka und Elieser am Brunnen

»Im Cimelienschrein der Romantik« habe dieses Gemälde von Johann Anton Ramboux seinen Platz, schrieb Alfred Neumeyer in der »Zeitschrift für Bildende Kunst« anläßlich der Erwerbung des Bildes 1931 durch die Nationalgalerie (65. Jg., 1931/32, H. 1, S. 217). Vermutlich schon zu Lebzeiten von Ramboux gelangte das Werk in den Besitz des Trierer Bankiers Christoph Nell und verblieb über hundert Jahre unbekannt in dessen Sammlung. Unter den wenigen erhaltenen Ölgemälden gilt die mit lichthellen Lasurfarben gemalte kleine Holztafel als ein Hauptwerk des Künstlers. Als Schüler Jacques-Louis Davids war Ramboux zunächst vom französischen Klassizismus beeinflußt. Während seines Romaufenthaltes von Frühjahr 1816 bis 1822 schloß er sich dem Kreis der Nazarener an und teilte seither ihre Kunstauffassung. Dargestellt ist die Gegend des Tibertals oberhalb Roms, ein von zeitgenössischen Künstlern häufig gewähltes Motiv. In dieser Landschaft, an der Quelle Acqua Acetosa, siedelte Ramboux eine biblische Szene an: Elieser, der Knecht Abrahams, begegnet während der Brautsuche für dessen Sohn Isaak Rebekka am Brunnen (1. Mose, 24). Rebekka reicht Elieser einen Wasserkrug. Rechts nähert sich seine Karawane mit Kamelen und Hunden. Im Hintergrund schimmert zart, fast entmaterialisiert, in ungewöhnlich hellen Tönen die Tiberlandschaft mit den Sabiner Bergen am Horizont. Die streng geordnete, nahezu archaisch anmutende Komposition erinnert an den Freskostil von Renaissancemeistern wie Ambrogio Lorenzetti oder Francesco Traini. »Ganz bezaubernd ist die goldschmiedhaft saubere Zeichnung und Malerei, die äußerst zarte Stufung der bräunlichen und violetten Töne, und darin vorn die feinen Gestalten wie aus lauter Edelsteinen. Immer neue Kostbarkeiten der Farbe entdecken wir. Demütige Hingabe ergreift uns in diesem Wunderbild. Es ist ein holder Traum von Rom, von frommen Menschen und von alter heiliger Kunst« (L. Justi, Von Runge bis Thoma, Berlin 1932, S. 77). | Birgit Verwiebe

Die Eltern des Künstlers

Die Eltern des Künstlers

Mit der romantischen Rückbesinnung auf Traditionen der altdeutschen und altitalienischen Malerei wurden zugleich Bildtypen und Ornamentformen revitalisiert, die am Ausgang des Mittelalters und der frühen Neuzeit die künstlerische Gestaltgebung bestimmt hatten. Dazu gehören das Tondo ebenso wie die Schmuckform der Arabeske. Schon Philipp Otto Runge hatte wieder auf eine die Bildaussage vertiefende Allegorisierung mittels arabeskem Rahmenornament zurückgegriffen. Für das Doppelbildnis seiner Eltern, des kurpfälzischen Amtmanns Franz Anton Peter Begasse (1764–1842) und dessen Ehefrau, Susanne Henriette, geborene Hofstadt (1769–1851), nutzte der noch ganz von nazarenischen Idealen durchdrungene Begas sowohl das Rahmenornament auf goldenem Grund als auch die Pathosformel strenger Profilbildnisse im Rund eines verdoppelten Tondos, dessen Ursprünge bis in die antike Medaillenkunst zurückreichen. Auf diese Weise gelingt es dem Künstler, das Elternpaar ins Ideale zu verklären, ohne dabei auf die sachliche Beobachtung der Details mit all ihren stofflichen Reizen und auf eine liebevolle Erfassung ihrer individuellen, vom Alter gezeichneten Gesichtszüge verzichten zu müssen. Die plastisch herausmodellierten Köpfe, die vor dunklem Grund einander gegenübergestellt sind, werden durch die allegorischen Anspielungen auf der Rahmenleiste miteinander in Verbindung gebracht: Oben in der Mitte sind es die Genien des häuslichen Fleißes und der Gerechtigkeit, die ausgestattet mit den Attributen Spinnrocken und Blütenkranz bzw. Waagschale auf die Wirkungsbereiche der Mutter im Hause und des Vaters im Amte verweisen. Auch die anderen Symbolfiguren beziehen sich auf Charakterzüge der Eltern: Links neben der Mutter sind es das Lamm als Zeichen christlicher Demut sowie der Bienenkorb und das Eichhörnchen als Metaphern des Fleißes und der häuslichen Fürsorge, während der sich seinen Jungen opfernde Pelikan und der Hund, als Zeichen der Opferbereitschaft und Treue, dem Vater zugeordnet sind. Das auf einem festen Fundament ruhende Genienpaar unten in der Mitte versteht sich hingegen als eine allgemeine Allegorie der Ehe. – Beim Berliner Bild handelt es sich um eine Replik nach dem Original im Wallraf-Richartz-Museum zu Köln. | Gerd-Helge Vogel

Monica, die Tochter der Künstlerin

Monica, die Tochter der Künstlerin

Das im Jahre 1900 auf der Ausstellung der Berliner Secession gezeigte Bild der Tochter Monica (1893–1961) war unerwartet erfolgreich und bewog etliche Familien zu dem Wunsch, ihre Kinder ebenfalls von dieser Künstlerin malen zu lassen. Sabine Lepsius, die so anspruchs- und hoffnungsvoll ihre künstlerische Arbeit begonnen hatte (vgl. das Selbstbildnis von 1885, Nationalgalerie, NG 1/56), sah sich dadurch auf ein typisch weibliches Motivfeld zurückgeworfen. Sie benötigte jedoch die Einkünfte, um ihren anspruchsvollen Hausstand mit etlichen Kindern, Hauslehrern, aber auch vielen Gästen finanzieren zu können. Was hatte das Bild so erfolgreich werden lassen? Das etwa siebenjährige Mädchen sitzt betont ungezwungen auf einer Decke auf dem Boden, ohne Schuhe und Strümpfe, die Haare offen. Die gute Herkunft aber beweisen die Rokokokommode im Hintergrund, das feine Empirekleid, die Perlenkette am Fußgelenk, der goldene Armreif, die gezierte Haltung. Der modernen Lebensreform zugeneigte, wohlhabende Familien fühlten sich von diesem gemäßigt unkonventionellen Bilde, das auch pädagogische Reformideen widerspiegelte, angenehm überrascht. Auch mit einem zweiten Bild ihrer eigenen Kinder, der Tochter Sabine (1899–1982), Krokusse pflückend (1906, Verbleib unbekannt), war Sabine Lepsius besonders erfolgreich. Ludwig Justi, der mit dem Künstlerpaar Lepsius befreundet war, hatte nach eigener Aussage 1914 geschwankt, ob er »dieses oder das Monica-Bild für die Galerie erwerben sollte« (Justi an Sabine Lepsius, Brief vom 13.7.1942, Deutsches Literaturarchiv Marbach, zit. nach: A. Dorgerloh, Das Künstlerehepaar Lepsius, Berlin 2003, S. 202, Anm. 346). – Monica Lepsius heiratete später den Innenarchitekten John Berenberg und war lebenslang selbst als Malerin tätig. | Angelika Wesenberg

Hans Rosenhagen

Hans Rosenhagen

Das Jahr 1899 war für den Maler Lovis Corinth von entscheidender Bedeutung. Die Jury der Münchner Secession, der er seit ihrer Gründung 1892 angehörte, wies sein Bild »Salome mit dem Haupte des Johannes« (Harvard University, Cambridge, Massachusetts) von ihrer Ausstellung zurück. Walter Leistikow jedoch, der gerade in München für die neugegründete Berliner Secession warb, war von dem Bilde begeistert und erbat es für die nächste Ausstellung dort. Corinths Übersiedelung nach Berlin war angebahnt.Das Jahresende 1899 verbrachte Corinth in Berlin. Er arbeitete in Leistikows Atelier in der Körnerstraße 26 an verschiedenen Porträts. Leistikow auch stellte den Kontakt zur Berliner Gesellschaft her. Am 28. Dezember berichtete Corinth nach München: »Durch die Salons schwimme ich wie ein Hecht, als wenn ich mich nie in anderen Kreisen bewegt hätte. Meine Erfolge hier habe ich Leistikow zu danken, bei dem ich auch viel bin« (L. Corinth, Eine Dokumentation, Tübingen 1979, S. 58). Über Leistikow lernte Corinth den Berliner Kunstkritiker Hans Rosenhagen und dessen Mutter kennen. Rosenhagen war nicht nur Herausgeber der Zeitschrift »Das Atelier«, er schrieb Artikel zur Berliner Kunst für die Zeitschrift »Die Kunst für Alle«, später auch Rezensionen über die Ausstellungen der Berliner Secession und der Galerie Cassirer. Corinth malte Hans Rosenhagen (1858–1943) am 25. Dezember in dessen Berliner Wohnung (Nationalgalerie Berlin, Inv.-Nr. A II 994). Mit merklich größerer malerischer Freiheit und Freude hatte er zuvor schon, im November, das Bildnis der Mutter gemalt (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 532). Er hatte sie darum gebeten, wie überliefert ist, für dieses Bildnis ihr rot changierendes Kleid anzuziehen. Der warme Farbklang des Kleides wiederholt sich im Bild bei Tisch und Stuhl und dem Sofakissen und betont die Blässe des Gesichts. Dessen Tonigkeit variiert Corinth in der Decke und der hellen Gardine. Mutter Rosenhagen aber war mehr als ein Modell, wie wir aus einem Brief von Hans Rosenhagen an Charlotte Corinth von 1931 erfahren: Corinth »widmete ihr sogleich eine besondere Zuneigung, die aufrichtig erwidert wurde. Sah meine Mutter doch – sie stammte aus Westpreußen – in Corinth so etwas wie einen halben Landsmann« (Ch. Berend-Corinth, Lovis Corinth, München 1992, S. 219). | Angelika Wesenberg