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Schüssel

Ident. Nr.: 29/66

ObjID: obj:2026745

Details (Expert)

Datierung
Mitte 12. Jahrhundert
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 7 x 18,3 cm
Erwerbung
Erworben 1966 aus Privatbesitz.

Objektbeschreibung

Die Schüssel gehört zu einem Konvolut von in Machart und Dekor zusammengehörigen Gefäßen, die 1966 zusammen aus Privatbesitz erworben wurden. An einigen haftet ein von Meerestieren verursachter Kalküberzug, der die Gefäße als Unterwasserfund, wahrscheinlich aus einem gesunkenen Schiff, kennzeichnet. Über einem niedrigen, leicht konisch ausgestellten Fußring entwickelt sich mit flachem Boden die weit geöffnete Schüssel. Sie schließt oben mit einer dünnen Lippe. Auf der Innenseite des Gefäßes ist eine Engobe aufgetragen, über der eine blassgelbe Glasur mit braunorangen Flecken sitzt. Wie weit die Engobe außen über den Rand reicht, ist wegen Versinterungen nicht zu bestimmen.
Der Dekor auf der Innenseite ist in feinen Ritzlinien ausgeführt. Das zentrale Motiv in einem runden Bildfeld ist ein Raubvogel in Seitenansicht. Der Körper ist gedrungen, die langen Beine enden in spitzen Krallen, die Flügel sind angelegt, die Schwanzfedern wirken wie durch den Rand des Bildfeldes abgeschnitten. Den Kopf mit den spitzen, leicht gebogenen Schnabel beugt der Vogel nach unten. Hinter dem Rücken des Tieres schwebt ein floreales Motiv frei vor dem Hintergrund. Das Bildfeld wird von einem linearen Zahnschnittband gerahmt. Zwei weitere Ornamentstreifen umgeben das Medaillon in einigem Abstand. Das innere besteht aus drei Kreissegmenten, die jeweils durch eine Rosette voneinander getrennt werden, das äußere aus einem breiten schraffierten Band.
Lit.: Beate Böhlendorf-Arslan, Spätantike, byzantinische und postbyzantinische Keramik, mit einem Beitrag zur Geschichte der Sammlung von Gabriele Mietke, (Spätantike - frühes Christentum - Byzanz, Kunst im Ersten Jahrtausend, Reihe A: Grundlagen und Monumente, Band 3), Wiesbaden 2013, Kat. 1352.

Letzte Aktualisierung: 11.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)