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Fragment eines Tuches oder einer Decke mit Noppenmuster

Ident. Nr.: 9137

ObjID: obj:2037165

Details (Expert)

Datierung
4./5. Jahrhundert
Systematik/Art
Geografische Bezüge
Ägypten,
Land/Region
Abmessungen
Höhe: 82 cm
Breite: 59 cm

Objektbeschreibung

Kennzeichnend für großformatige rechteckige Tücher oder Decken aus der Spätantike, unabhängig von ihrer Funktion, ist die symmetrische Aufteilung des Dekors. Er besteht in der Regel aus Fransen an den Schmalseiten, durchbrochenen und gemusterten Streifen parallel dazu, sowie großen Kreisen, Rosetten, Quadraten oder ähnlichen Motiven in den vier Ecken, manchmal auch in der Mitte des Gewebes. Bei diesem Fragment handelt es sich folglich um den linken oberen oder rechten unteren Teil einer Decke mit einem Grundgewebe aus ungefärbtem Leinen und Verzierungen aus farbiger Wolle in Noppentechnik. Links ist eine Webekante erhalten, oben ein Fransenabschluss. Durch eine schlichte dunkle Linie abgesetzt durchziehen ein durchbrochener Streifen und darunter – um einige Zentimeter abgesetzt – wiederum zwei schmale, eingewebte Streifen aus dunkler Wolle das Gewebe. In gleichmäßigem Abstand folgen dann zwei Streifen in Noppentechnik. Die dunklen Wolleinträge sind größtenteils ausgefallen; aus den wenigen Resten und den Negativformen lässt sich jedoch ein Spiralbandmuster rekonstruieren. Unterhalb der Streifen ist ein großer Kreis eingearbeitet. Er ist von einer braunen Randlinie, die eine gleichfarbige, achtzackige Sternrosette auf hellem Grund im Inneren umschließt. Zwischen den Zacken liegen dunkle Punkte. In der Mitte umgeben drei gelbe und fünf weiße Punkte einen kleinen Kreis in heller Umrandung mit einem gelben Henkelkreuz als zentralem Motiv.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM