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Behangfragment mit Figur

Ident. Nr.: 9230

ObjID: obj:2037193

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 4.-6. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Ägypten,
Land/Region
Abmessungen
Höhe x Breite: 114 x 36 cm (Höhe rekonstruiert)
Erwerbung
1904 Martin Rücker Freiherr von Jenisch (Schenkung)

Objektbeschreibung

Die beiden Fragmente gehören zu einer großen, in dunkelbraunem Farbton wiedergegebenen Figur, von der Oberkörper sowie Füße mit der unteren Gewandpartie erhalten sind. Mit dem erhobenen rechten Arm schwingt sie ein Paar Krotalen über den geneigten Kopf, den eine gelb-rot gestreifte Kopfbedeckung, vermutlich ein Kranz, über einer schraffierten Wellenfrisur krönt. Von der linken Schulter verläuft ein grünes Gewand schräg über den Oberkörper und lässt dabei die rechte Brust frei. Die Bewegung des Oberkörpers und die Stellung der Füße, die unter dem bis zu den Knöcheln reichenden Gewand hervorlugen, geben die dargestellte Person als Tänzer zu erkennen. Ähnliche Figuren sind in verschiedenen Sammlungen [z. B. in Antwerpen, The Phoebus Foundation, Inv. Nr. KTN 531 (DM 51); Recklinghausen, Ikonenmuseum, Inv. Nr. 522; Chemnitz, Kunstsammlungen, Inv. Nr. Ko 200] zu finden. Sie folgen einer gemeinsamen ikonographischen Tradition. Allen gemeinsam sind die rekonstruierte Größe von ca. 110 cm, die dunkle Wiedergabe der Körper, die Löckchen- oder Wellenfrisur, die übergroßen Augen u. a.; einige tragen Girlanden über einer Schulter, andere musizieren. Die dunkle Hautfarbe nimmt nicht, wie mitunter geäußert wurde, Bezug auf den ethnischen Hintergrund der Dargestellten. Sie ist vielmehr ein stilistisches Merkmal der spätantiken Epoche und bei vielen figürlichen Darstellungen auf Textilien belegt.
Die Berliner Tänzerfigur wurde erstmals im Katalog von O. Wulff und W. F. Fritz Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden in den Staatlichen Museen, Berlin 1926, publiziert (S. 9, Taf. 44). Volbach deutete sie als Mänade, eine weibliche Gestalt aus dem Gefolge des Gottes Dionysos. In der Tat ist es schwierig, das Geschlecht der androgyn wirkenden Person zu bestimmen. Krotalen sind typische Attribute weiblicher Tänzer. Allerdings tragen diese in der Regel Ohrgehänge, welche hier fehlen. Um den Oberkörper gewickelte Kleidungsstücke, die eine Brusthälfte frei lassen, kommen sowohl bei weiblichen als auch männlichen Figuren vor.
Solche Gestalten in entsprechender Größe gehörten zum Dekor von Wandbehängen oder Vorhängen. Sie wurden unter Bögen einer Säulenreihe, zwischen Pfeiler oder breite, senkrechte Borten platziert, wie einige größere Fragmente belegen (z. B. Riggisberg, Abegg-Stiftung, Inv. 141; London, British Museum, Inv. EA 43049).

Cäcilia Fluck (2017)

Letzte Aktualisierung: 23.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Palmetten- und Blattornament

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Würfelkapitell mit Blattornamenten

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)