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Zehnarmiger Kandelaber, sog. Elefantenleuchter

Ident. Nr.: 1944,1

ObjID: obj:2049294

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Königliche Porzellanmanufaktur Meißen (seit 1710),
Hersteller*in
Ausführung: Johann Joachim Kaendler (1706 - 1775),
Bildhauer*in
Entwurf: Johann Benjamin Thomae (1682-1751),
Bildhauer*in
Datierung
um 1735
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe: 82 cm

Objektbeschreibung

Zehnarmiger Tafelleuchter auf drei Stützen mit Löwentatzen, darauf federgeschmückte Elefantenköpfe. Der untere Teil des Schaftes besteht aus drei plastischen, Rücken an Rücken stehenden Chinesenhermen, die sechs astförmige, von Drachen umschlungene Leuchterarme halten. Darüber befinden sich drei, von langhälsigen, "indianischen" Vögeln getragene Leuchter und als Bekrönung ein Leuchter auf Baluster mit Federbüschen. Die Tropfschalen sind sechseckig und haben auf der Unterseite ein Blattkranzrelief.
Der Leuchter gehört in den Zusammenhang einer größeren Raumausstattung aus ähnlich gestalteten Wand- und Armleuchtern und geht vermutlich auf einen Auftrag des Grafen Heinrich von Brühl zurück. Im Werkarchiv der Meißener Manufaktur ist eine umfangreiche diesbezügliche Modellbeschreibung von Johann Joachim Kaendler vom Juni 1735 dokumentiert. Wenige weitere, ähnlich gestaltete Exemplare des Kandelabers sind in dem von Dr. Stefan Bursche bearbeiteten Meißener Bestandskatalog des Berliner Kunstgewerbemuseums (1980) aufgeführt. Einer davon befindet sich in der Stiftung Ernst Schneider in Schloß Lustheim bei München.

Vgl. auch Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden/Berlin 2018, S. 133:
„'3 Pagotten […] sich lachend abgebildet' – so heißt es 1735 im Modellbucheintrag von Johann Joachim Kändler (1706-1755) zu seinem 'Leuchter auf Indianische Art'. Mit 'Pagotten' sind die drei Chinesenbüsten gemeint, die den Schaft des Leuchters bilden. Die damaligen Begriffe für Fernöstliches waren ungenau – so übertrug man bereits in älteren Reisebeschreibungen die indische Bezeichnung 'pagōdi' für 'heilig, göttlich' auf den ostasiatischen turmartigen Tempelbau ebenso wie auf ostasiatische Götterbilder. Mit 'indianisch' bezeichnete man im 17. und 18. Jahrhundert sowohl Indien als auch Ostasien – 1602 war in Delft die 'Niederländische Ostindien-Kompanie' gegründet worden –, wohingegen mit 'Westindien' die karibischen Inseln vor Amerika gemeint waren. Der fantasievolle Umgang mit ostasiatischen Vorbildern lag in der Meißener Porzellanmanufaktur nahe, gab es doch in der Dresdener Sammlung von August dem Starken (reg. 1694–1733) eine der größten europäischen Sammlungen von fernöstlichem Porzellan. In Meißen war es 1708 dem Alchemisten Johann Friedrich Böttger (1682–1719) und dem Naturwissenschaftler Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651–1708) erstmals in Europa geglückt, der Rezeptur des ostasiatischen Hartporzellans auf die Spur zu kommen.
Johann Joachim Kändler war seit 1731 sächsischer Hofbildhauer und Modellmeister der Meißener Manufaktur. Zur Lehre gegangen war er bei dem Dresdener Hofbildhauer Johann Benjamin Thomae (1682-1751). Der zehnarmige Kandelaber ist ein prachtvolles Beispiel für die Porzellane der Kändlerzeit, die sich in ihrer plastischen Gestaltung von der vorangegangenen malerischen Höroldtphase unterscheiden. Er entstand im Rahmen eines größeren Raumensembles wohl für den Grafen Heinrich von Brühl (1700–1763), den sächsischen Premierminister, der auch die Meißener Manufaktur leitete."

ClKa

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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