Logo

Lunulaförmiger Ohrring mit scheibenförmigem Einsatz aus dem "Mainzer Goldschmuck"

Ident. Nr.: O-1961,47 b

ObjID: obj:2224683

Details (Expert)

Datierung
1. Hälfte 11. Jahrhundert
Material / Technik
Gold, Steinbesatz, Perlen
Abmessungen
Höhe x Breite: 3,93 x 4,52 cm (Höhe ohne den neuzeitlichen Bügel)
Gewicht: 16,87 g
Erwerbung
Am 1. September 1912 für das geplante Deutsche Museum der Königlichen Museen zu Berlin erworben.

Objektbeschreibung

Der Ohrring ist das Pendant zu dem Ohrring Inv. Nr. O-1961,47 a. Eine überbordende Vielfalt an Dekorationselementen und Steinen in verschiedenen Formen und Größen bestimmt den Eindruck der Ohrringe. Verstärkt wird ihre prächtige und plastische Wirkung durch die Anordnung des Schmucks in zwei Grundebenen und unterschiedlichen Höhen der Schmuckelemente. Diese Ebenen entstehen, ähnlich wie bei den Buckel- und Kegelfibeln im "Mainzer Goldschmuck", durch einen in zwei Stufen getriebenen Hintergrund aus Goldblech, wobei die Ebene für die Lunula über die Grundplatte erhöht ist. Der lunulaförmige Einsatz liegt damit oberhalb der Bodenplatte, die Steine und die mit Filigran verzierten kleinen Pyramiden stehen unterschiedlich weit hoch, wodurch die Schmuckstücke noch mehr an Plastizität und Lebendigkeit gewinnen.
Die Ohrringe sind baugleich gearbeitet. Sie haben die Form einer breiten Mondsichel mit stark eingezogenen, abgerundeten Spitzen. Das höherliegende Mittelfeld zieren ein geschliffener ovaler Almandin (nicht mittelalterlich) in einer Fassung mit dreifingerigen Goldkrallen, weißliche Quarze in zwei Schlaufenfassungen und Perlen in acht Kastenfassungen, dazu zwei dreiseitige Pyramiden mit aufgelegtem Filigran und Goldkugeln. Dazwischen sind dem Grund kurze Stücke von Wellenband aufgelötet. Der tieferliegende Rand wird von einem Filigranband umrahmt. An der äußeren Rundung alternieren Perlen und tropfenförmige Steine (alle verloren) in Kastenfassungen – eine Ausnahme bildet die etwas größere Schlaufenfassung in der Mitte – außen begleitet von Goldblechröhren mit einer kleinen Goldkugel darauf. An der inneren Rundung sitzt wiederum Wellenband. In die Spitzen der Mondsichel sind Halbkugeln eingefügt, die vorn zum Ohrring hin von einer Anhäufung an Granalien begleitet werden.
In der Mitte der inneren Biegung ist ein kreisförmiges Element angesetzt, in dessen Mitte auf einem runden Podest eine Perle in einer Kastenfassung mit einem Kranz von Granalien umgeben ist. Das Podest wird von einem Filigranbrand gesäumt. In der Ebene darunter lassen drei Ösen darauf schließen, dass hier einst eine Perlschnur durchgezogen war. BF/HWA
(Vgl. Der Mainzer Goldschmuck. Ein Kunstkrimi aus der deutschen Kaiserzeit, hg. von Theo Jülich, Lothar Lambacher und Kristine Siebert, Regensburg 2017, S. 173-176 Nr. 14)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Zeremonialstab, sog. Zepter Karls des Großen aus der ehem. Reichsabtei Werden

Zeremonialstab, sog. Zepter Karls des Großen aus der ehem. Reichsabtei Werden

Der achtkantige Zeremonialstab besteht aus einer Handhabe, zwei Schaftstücken und einer Bekrönung in der gerippten Form eines Streitkolbens mit acht Schlagblättern. Zwischen diesen Teilen befinden sich vier facettierte Knäufe. Schmale Zierreifen aus vergoldetem Silber verdecken die Stöße der einzelnen Jaspisteile. Dem Schaft sind zwei silbervergoldete Manschetten angelegt, um Bruchstellen im Stein zu sichern. Während eine Eichel den oberen Abschluss des Stabes bildet, ist am unteren Ende der Handhabe das Monogramm Karls des Großen (* 748, Reg. 768–814) eingraviert, das dem Werk seinen ehrwürdigen Namen eingebracht hat. Ein Achatstab im Kunsthistorischen Museum Wien ist dem Berliner Exemplar sehr eng verwandt, er zeigt jedoch keine Montierungen. Zeichnungen aus der Zeit um 1573 und gegen 1753 sowie stilkritische und materialanalytische Untersuchungen haben den Nachweis erbracht, dass die Silberfassungen am Berliner Stab das Resultat von drei verschiedenen Bearbeitungsphasen sind. Erst mit der zweiten – im Zeitraum zwischen den beiden Zeichnungen erfolgten – Veränderung der Montierung erhielt er durch das Karlsmonogramm auf der erneuerten Kalotte der Handhabe sein Signum als angebliches Zepter Karls des Großen.Die früheste Erwähnung als Zepter Karls findet sich in den um 1600 entstanden Werdener Klosterannalen: „Karls Zepter, aus Jaspis gefertigt dessen sich die Äbte bei den fürstlichen Amtshandlungen und bei den Belehnungen der Großen bedienen. Dabei wird es bei der Eidesleistung zur größeren Bekräftigung des Treueversprechens mit der Hand berührt.“ Eine Zeichnung im Lehensbuch des Abtes Heinrich Duden (Abbatiat 1573–1601) zeigt am unteren Abschluss der Handhabe abweichend vom heutigen Zustand eine segmentierte Kalotte ohne Karlsmonogramm, die man als Werk des 16. Jahrhunderts ansprechen möchte. Es ist zweifelhaft, ob diese älteste Silbermontierung des Werkes auch seine ursprüngliche war oder ob sie womöglich selbst schon das Resultat einer ersten Umarbeitung des zunächst ohne eine zierende Metallfassung geschaffenen – dem Wiener Stab dann einst tatsächlich zwillingshaft ähnlichen – Werkes darstellt.Heinrich Duden beschreibt in einer wohl im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts entstandenen „Nota de usu sceptorum“ den Gebrauch des „sceptrum maius ex iaspide factum“, das dem Abt bei Prozessionen vom Marschall voran getragen und bei Belehnungen von Personen hohen Standes benutzt wurde. Vielleicht spiegelt sich in der sprachlichen Wandlung von dieser rein deskriptiven Bezeichnung des Werkes hin zur historisierenden Benennung als „Caroli sceptrum“ in den nur wenige Jahrzehnte jüngeren Klosterannalen eine Übertragung der auf dem angeblichen Gründungsprivileg beruhenden Werdener Karlstradition auf das Lehenszepter aus Jaspis, die schließlich zur Anbringung jener so nachdrücklich um Legitimationsstiftung bemühten Gravur des Karlsmonogramms geführt hat.In seiner Funktion als Lehenszepter, als Insignum weltlicher Macht, kann der Zeremonialstab den reichsunmittelbaren Werdener Fürstäbten nur vom Kaiser selbst verliehen worden sein. Die Hypothese in ihm ein Geschenk des kaiserlichen Lehensherren an die Abtei Werden anlässlich der Abtswahlen der Jahre 1520 oder 1540 zu sehen, erscheint nicht abwegig. Vielleicht war eine solche Insignienverleihung der Anlass für die Anbringung einer ersten Silbermontierung an dem älteren Jaspisstab. LL

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR