Logo

Große Ziernadel aus dem "Mainzer Goldschmuck"

Ident. Nr.: O-1961,54

ObjID: obj:2224701

Details (Expert)

Datierung
1. Hälfte 11. Jahrhundert
1886/87
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 1,46 x 1,26 cm (Länge des Nadelschafts 4,94 cm)
Erwerbung
Am 1. September 1912 für das geplante Deutsche Museum der Königlichen Museen zu Berlin erworben.

Objektbeschreibung

Zwei fast halbkugelförmige, aus Goldblech getriebene Hälften sind durch eine freitragende Zone mit Wellenschlaufen, die oben und unten von starkem Perldraht umgeben ist, sauber zusammengelötet. Jede Halbkugel zeigt jeweils vier filigranierte Herzpalmetten, die mit gegenständigen Rankenwerk gefüllt sind. Die abgerundeten Herzspitzen sind nach oben beziehungsweise unten zusammengeführt. Auf der Ober- und Unterseite der Perle entsteht dabei ein kleiner Kranz aus gestielten Kreisknospen. Vier von ihnen sitzen in den Herzpalmetten selbst, während vier weitere den
Platz dazwischen ausfüllen. Der Knospenkreis an der Oberseite des Nadelkopfes ist offen und durch stärkeren Filigrandraht begrenzt.
Durch die in Relation zum Nadelkopf sehr wuchtige und funktional zu kurze ergänzte Nadel mit dem Vierkantstopper hat die eindeutig mittelalterliche filigranverzierte Kugel eine Erscheinung und Funktion erhalten, die sie wie das kleinere Exemplar Inv. Nr. O-1961,55 ursprünglich wohl nicht hatte. BF/HWA
(Vgl. Der Mainzer Goldschmuck. Ein Kunstkrimi aus der deutschen Kaiserzeit, hg. von Theo Jülich, Lothar Lambacher und Kristine Siebert, Regensburg 2017, S. 168f. Nr. 12)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR