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Märchen. Miniatur aus der Sammlung Loewe

Ident. Nr.: A III 733/46

ObjID: obj:2260469

Details (Expert)

Beteiligte
Rudolf Friedrich August Henneberg (1825 - 1876),
Maler*in
Datierung
um 1875
Provenienz
Kauf: Stadtrat Albert Loewe und seine Ehefrau Anna Loewe, geb. Wallach, Berlin (Auftraggeber),
um 1875 - 1897
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 6,5 x 6 cm
Erwerbung
1897 Vermächtnis des Stadtrats Albert Loewe und seiner Ehefrau Anna Loewe, geb. Wallach, Berlin, als Teil einer Sammlung von 219 Miniaturen

Objektbeschreibung

Als einen »aufrichtigen Kunstfreund« bezeichnete Anton von Werner (Erlebnisse und Eindrücke, Berlin 1913, S. 131) rückblickend den Berliner Stadtrat Albert Friedrich Theodor Loewe (gestorben 1897). Der Kommunalpolitiker, dem unter anderem die städtischen Kunstangelegenheiten oblagen, förderte mit seiner Frau Anna Dorothea, geborene Wallach (gestorben 1886), auch privat die zeitgenössische Kunst. Das Ehepaar »besaß außer Bildern von H. v. Angeli und anderen hervorragenden Künstlern eine ganz eigenartige Sammlung von Miniatur-Ölgemälden, die [Loewe] bei den bekanntesten Malern des In- und Auslands bestellte und zu deren Einrahmung er die großen Schnallen in vergoldeter Silberfiligranarbeit verwandte, die in älteren Zeiten von den oberbayerischen und Tyroler Bauern getragen wurden« (ebd., S. 131). Gemeint sind Hutschnallen, die, mit Rosetten oder edelsteinimitierendem Glas besetzt, in der oberschwäbischen oder oberpfälzischen Männertracht zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebräuchlich waren. Durch eine Entfernung des mittleren Stegs, über den sonst das seidene Hutband gefädelt wurde, waren die Schnallen in dekorative Schmuckrahmen umgewandelt worden. In Loewes Wohnung in der Victoriastraße 13 konnten die Besucher neun Tafeln mit je 23 bis 25 Miniaturen bewundern, von der jede in einen solchen Schmuckrahmen gefaßt war.
Die insgesamt 219 zwischen circa 1865 und 1885 in Öl auf Metall, Malkarton, Holz oder Elfenbein ausgeführten Bildchen spiegeln dabei den bürgerlichen Geschmack der Zeit. Die Sammlung habe »durchaus den Charakter einer Spielerei« (SMB-ZA, I/NG 992, Journal-Nr. 1897/667, Bl. 170), urteilte Hugo von Tschudi, Direktor der Nationalgalerie, bei der Sichtung der Sammlung nüchtern. Szenen aus der klassischen Mythologie, wie Prellers »Prometheus« (Inv.-Nr. A III 733/150), bilden die Ausnahme. Es überwiegen unterhaltsame Genremotive, Frauen- und Kinderköpfe, Tier- und Landschaftsdarstellungen. Der größte Anteil der Arbeiten stammt von Künstlern aus Berlin, München und Düsseldorf. Loewe konnte für seine Sammlung unter anderem die Brüder Andreas und Oswald Achenbach gewinnen, Alfred Brendel, Wilhelm Gentz, Adolph von Menzel, Leon Pohle, Franz Skarbina, Carl Steffeck, Lawrence Alma Tadema oder Anton von Werner. Die Liste der beteiligten Maler liest sich wie ein ›Who is Who‹ der akademischen Malerei des 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig geben die Miniaturen Rückmeldung über Loewes soziales Netzwerk: So sind unter den wenigen Bildnissen Porträts von Bismarck (Inv.-Nr. A III 733/15 und 136) und Moltke (Inv.-Nr. A III 733/105) erhalten, des befreundeten Münchner Hofbuchhändlers Ackermann und seiner Ehefrau (Inv.-Nr. A III 733/39 und 40) sowie des Berliner Oberbürgermeisters Max von Forckenbeck (Inv.-Nr. A III 733/98).
Nach Loewes Tod 1897 fiel die umfängliche Sammlung an die Nationalgalerie. Von den weiteren 24 Ölgemälden der Loeweschen Kunstsammlung nahm Tschudi nur zehn ausgewählte Arbeiten an (drei Werke davon wurden vermutlich später getauscht, vier weitere zählen zum Kriegsverlust). Die abgelehnten 14 Arbeiten dürften mit dem restlichen Nachlaß im Dezember 1897 bei Lepkes Auktion 1114 versteigert worden sein. | Regina Freyberger

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Edward T. Pearson

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Die Porträtbüste Edward T. Pearsons (Lebensdaten unbekannt) wirft einige Fragen auf. Interessant ist, dass sie 1930 beim Künstler gegen einen Aufpreis gegen ein früheres Werk, und zwar den „Kopf von Werner Krauß“ (Verbleib unbekannt), ertauscht wurde. Dieser war 1922 erworben worden, wiederum durch einen Tausch. So war das erste Werk, das die Nationalgalerie von Ebbinghaus besaß, eine 1912 auf der Ausstellung der Berliner Secession ausgestellte Bildnisbüste des Malers Albert Hertel (Verbleib unbekannt). Doch wer mag das Tauschgeschehen angeregt haben? War es der Künstler, der immer sein bestes Werk in der Sammlung der Nationalgalerie wissen wollte? Es erscheint wahrscheinlicher, dass die Nationalgalerie Initiator des Tauschs gewesen war und es um den Dargestellten ging. Wer Pearson war, lässt sich jedoch heute nicht mehr sicher bestimmen. Er ist als alter Mann porträtiert. Nase und Ohren sind groß, das Gesicht faltig, der Haaransatz hoch und die Augen trüb. Die Zufälligkeit der Patinierung wirkt geschickt genutzt, da sie den Eindruck des Alters verstärkt. Im Inventarbuch findet sich der Hinweis, dass es sich um den Bruder der Mutter von Ebbinghaus handelt, einen englischen Kaufmann. In Paris lebte ein Engländer und Kunstsammler mit dem Namen Pearson, der enge Beziehungen zu Berlin besessen haben muss. Sein Nachlass wurde 1927 auf einer großen Auktion in der Berliner Kunsthandlung Cassirer angeboten, auf der auch die Nationalgalerie ein Werk („Italienische Landschaft“, A II 587) erwarb. In diesem Sinne wäre es von Interesse gewesen, die Büste des Kunstsammlers zu besitzen. | Johanna Yeats

Knabe am Schreibtisch

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Läuferin

Läuferin

Der aus Riga stammende Starck begann sein Studium in Stuttgart und wechselte 1887 an die Berliner Hochschule für die bildenden Künste. Dort studierte er bei Albert Wolff, Fritz Schaper und Ernst Herter, von 1891 bis 1898 war er Meisterschüler von Reinhold Begas. Sein 1891 entstandener „Flötenspieler“ weist noch letzte Wurzeln im Neobarock auf, ehe sich der Bildhauer verstärkt einer neoklassizistischen Formensprache zuwandte, wie sie in seiner Bronze „Träumerei“ (1898, B I 129) oder auch in der polychrom gefassten Marmorarbeit „Die Quelle“ (1903, B I 200) zu beobachten ist. Die kleinformatige Statuette einer antikisierend gestalteten Läuferin im weiten Ausfallschritt und mit erhobenem rechten Arm wurde 1928 vom Kultusminister für die Nationalgalerie angekauft. In Starcks handschriftlichem Werkverzeichnis (NL Starck, vgl. Sabine Hannesen, Der Bildhauer Constantin Starck (1866–1939). Leben und Werk, Frankfurt am Main 1991, Kat. Nr. 154) lautet der Titel „Läuferin“; in anderer Literatur werden auch „Im Ziel“, „Am Ziel“ oder „Durchs Ziel“ genannt. Der Originalgips befindet sich im Besitz der Erben des Künstlers in Berlin. Nicht zuletzt durch die Statuetten der Bildhauerin René Sintenis (vgl. etwa „Der Läufer Nurmi“, B I 463) erfreuten sich in der Weimarer Republik Darstellungen von Sportlern zunehmend großer Beliebtheit. Starck betrieb häufig Studien auf Sportplätzen, die er mehrfach in entsprechende Motive umsetzte und teilweise lebensgroß ausführte: Golfspielerinnen, Tennisspielerinnen und andere, von denen manche auch in kleinformatigen Wiederholungen angeboten wurden. Vom vorliegenden Motiv ist keine großformatige Version bekannt. | Yvette Deseyve und Bernhard Maaz

Tafelaufsatz

Tafelaufsatz

Der zunächst als Illustrator und Grafiker tätige Geyger beschäftigte sich 1886 erstmals autodidaktisch mit der Bildhauerei. Sein figürlich ausgestalteter Standspiegel (1896, B I 136), modelliert für Kaiserin Victoria, sowie sein von Kaiser Wilhelm II. für den Schlosspark Sanssouci erworbener „Bogenschütze“ (1900) zählen zu seinen bekanntesten Werken. Großen Anteil an der Verbreitung hatte die vielfache und in verschiedenen Formaten ausgeführte Reproduktion seiner Arbeiten sowohl durch die Württembergische Metallwarenfabrik in Geislingen an der Steige (WMF) als auch durch die Gießerei der Aktien-Gesellschaft Gladenbeck. Ebenfalls aus der Produktion Gladenbecks stammt der kunsthandwerkliche Entwurf eines Tafelaufsatzes mit figuralem Schaft sowie Alabasterfuß und -schale; er ist eine verkleinerte Version der Marmorausführung (Verbleib unbekannt) für den Sammler, Kunsthistoriker und Schriftsteller Johannes Gutmann, der 1909 eine der frühesten Würdigungen des Künstlers verfasst hatte. 1910 hieß es schwärmerisch über den Tafelaufsatz: „Knaben und Mädchen in der ersten knospenden Jugendschönheit umdrängen den Schaft des Kandelabers oder der Schale mit Karyatidengebärden und das wundervolle Ensemble ergibt Profile von einem unsagbaren Reiz“ (Maximilian Rapsilber, Ernst Moritz Geyger, in: Kunst und Künstler, 8. Jg. [1910], S. 627). Die jugendstilhafte Komposition der ineinander verschlungenen Aktfiguren wird durch die wenig anmutige, harte Körpermodellierung gebrochen und steht damit stilistisch Geygers in der Nationalgalerie verwahrten monumentalen Marmorfiguren „Arbeit“ und „Fleiß“ (1904, B I 352, B I 303) nahe. | Yvette Deseyve

Schweizer Gebirgslandschaft

Schweizer Gebirgslandschaft

Seit 1829 unternahm der junge Johann Wilhelm Schirmer, Lehrer der neugegründeten Landschaftsklasse an der Düsseldorfer Akademie, jährliche Studienfahrten. 1835 reiste er mit Johann Heinrich Schilbach etwa drei Monate durch den Schwarzwald und die Schweiz (vgl. G. Bergsträsser, Johann Heinrich Schilbach, Darmstadt 1959, S. 60–61; vgl. zudem Schilbachs Studie »Alpenlandschaft mit Wetterhorn« von 1835, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 1003). Schirmer brachte von dieser Reise neben Skizzenbüchern über fünfzig in Öl gemalte Studien mit. »Meine Schweizer Studien finden hier die größte Anerkennung, ja es ist ordentlich Ton hier unter den kunstliebenden Leuten geworden, sich bei mir die Schweiz zu vergegenwärtigen« (Brief vom 8.10.1835, zit. nach: K. Zimmermann, Johann Wilhelm Schirmer, Saalfeld 1920, S. 24). 1836/37 fand in Dresden eine Ausstellung von Werken der Düsseldorfer Malerschule statt; von den dort präsentierten Landschaften Schirmers zeigte sich Ludwig Richter sehr beeindruckt: »Das Betrachten der Landschaften von Schirmer hat mir übrigens ein Licht aufgesteckt über eine Betrachtungs- und Auffassungsweise der Natur, wofür ich gar sehr dankbar bin; ich habe auch auf frischer Tat ein Bildchen gemalt« (Brief an Wilhelm von Kügelgen vom 5.2.1837, in: L. Richter, Lebenserinnerungen, Leipzig 1909). Diese Ölstudien von unmittelbarer Frische und zugleich Nüchternheit der Ausführung gehören zu einer betont realistischen Phase von Schirmers Landschaftsmalerei, die – unter dem Einfluß seines Studienfreundes Carl Friedrich Lessing entwickelt – mit der Italienreise von 1839/40 beendet war. Eine größere Anzahl der Studien von 1835 gelangte in den Bestand der Akademie zu Karlsruhe, deren Direktor Schirmer ab 1854 war. | Angelika Wesenberg