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Mädchenkopf. Miniatur aus der Sammlung Loewe

Ident. Nr.: A III 733/61

ObjID: obj:2260586

Details (Expert)

Beteiligte
Rudolf Jordan (1810 - 1887),
Maler*in
Datierung
um 1875
Provenienz
Kauf: Stadtrat Albert Loewe und seine Ehefrau Anna Loewe, geb. Wallach, Berlin (Auftraggeber),
um 1875 - 1897
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 5,2 x 4,1 cm
Erwerbung
1897 Vermächtnis des Stadtrats Albert Loewe und seiner Ehefrau Anna Loewe, geb. Wallach, Berlin, als Teil einer Sammlung von 219 Miniaturen

Objektbeschreibung

Als einen »aufrichtigen Kunstfreund« bezeichnete Anton von Werner (Erlebnisse und Eindrücke, Berlin 1913, S. 131) rückblickend den Berliner Stadtrat Albert Friedrich Theodor Loewe (gestorben 1897). Der Kommunalpolitiker, dem unter anderem die städtischen Kunstangelegenheiten oblagen, förderte mit seiner Frau Anna Dorothea, geborene Wallach (gestorben 1886), auch privat die zeitgenössische Kunst. Das Ehepaar »besaß außer Bildern von H. v. Angeli und anderen hervorragenden Künstlern eine ganz eigenartige Sammlung von Miniatur-Ölgemälden, die [Loewe] bei den bekanntesten Malern des In- und Auslands bestellte und zu deren Einrahmung er die großen Schnallen in vergoldeter Silberfiligranarbeit verwandte, die in älteren Zeiten von den oberbayerischen und Tyroler Bauern getragen wurden« (ebd., S. 131). Gemeint sind Hutschnallen, die, mit Rosetten oder edelsteinimitierendem Glas besetzt, in der oberschwäbischen oder oberpfälzischen Männertracht zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebräuchlich waren. Durch eine Entfernung des mittleren Stegs, über den sonst das seidene Hutband gefädelt wurde, waren die Schnallen in dekorative Schmuckrahmen umgewandelt worden. In Loewes Wohnung in der Victoriastraße 13 konnten die Besucher neun Tafeln mit je 23 bis 25 Miniaturen bewundern, von der jede in einen solchen Schmuckrahmen gefaßt war.
Die insgesamt 219 zwischen circa 1865 und 1885 in Öl auf Metall, Malkarton, Holz oder Elfenbein ausgeführten Bildchen spiegeln dabei den bürgerlichen Geschmack der Zeit. Die Sammlung habe »durchaus den Charakter einer Spielerei« (SMB-ZA, I/NG 992, Journal-Nr. 1897/667, Bl. 170), urteilte Hugo von Tschudi, Direktor der Nationalgalerie, bei der Sichtung der Sammlung nüchtern. Szenen aus der klassischen Mythologie, wie Prellers »Prometheus« (Inv.-Nr. A III 733/150), bilden die Ausnahme. Es überwiegen unterhaltsame Genremotive, Frauen- und Kinderköpfe, Tier- und Landschaftsdarstellungen. Der größte Anteil der Arbeiten stammt von Künstlern aus Berlin, München und Düsseldorf. Loewe konnte für seine Sammlung unter anderem die Brüder Andreas und Oswald Achenbach gewinnen, Alfred Brendel, Wilhelm Gentz, Adolph von Menzel, Leon Pohle, Franz Skarbina, Carl Steffeck, Lawrence Alma Tadema oder Anton von Werner. Die Liste der beteiligten Maler liest sich wie ein ›Who is Who‹ der akademischen Malerei des 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig geben die Miniaturen Rückmeldung über Loewes soziales Netzwerk: So sind unter den wenigen Bildnissen Porträts von Bismarck (Inv.-Nr. A III 733/15 und 136) und Moltke (Inv.-Nr. A III 733/105) erhalten, des befreundeten Münchner Hofbuchhändlers Ackermann und seiner Ehefrau (Inv.-Nr. A III 733/39 und 40) sowie des Berliner Oberbürgermeisters Max von Forckenbeck (Inv.-Nr. A III 733/98).
Nach Loewes Tod 1897 fiel die umfängliche Sammlung an die Nationalgalerie. Von den weiteren 24 Ölgemälden der Loeweschen Kunstsammlung nahm Tschudi nur zehn ausgewählte Arbeiten an (drei Werke davon wurden vermutlich später getauscht, vier weitere zählen zum Kriegsverlust). Die abgelehnten 14 Arbeiten dürften mit dem restlichen Nachlaß im Dezember 1897 bei Lepkes Auktion 1114 versteigert worden sein. | Regina Freyberger

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Eifellandschaft bei Gewitter

Eifellandschaft bei Gewitter

Der als Historienmaler erfolgreiche Carl Friedrich Lessing hegte großes Interesse für die Landschaft. Im Gegensatz zu anderen Künstlern reiste er nicht nach Italien, stattdessen widmete er sich als Mitbegründer des Düsseldorfer Landschaftlichen Komponiervereins verschiedenen Gegenden in Deutschland. Waren die Landschaften zu Beginn seiner Laufbahn noch romantisch aufgefaßt, so trugen sie später realistische Züge.Von geologischen Interessen geleitet, durchwanderte Lessing mehrfach die Eifel, eine rauhe, von vorzeitlichem Vulkanismus geprägte Gebirgslandschaft. Hier trat ihm »die Natur in der reinen, gleichsam nackten Eigenthümlichkeit ihres Daseins entgegen« (F. von Uechtritz, Blicke in das Düsseldorfer Kunst- und Künstlerleben, Bd. 1, Düsseldorf 1839, S. 395). Im Ergebnis seiner sechs Reisen in die Eifel – die beiden letzten unternahm er 1871 und 1872 – entstanden mehrere weiträumige Landschaften. Eine frühe Eifellandschaft erwarb der Sammler Wagener (1834, ehemals Nationalgalerie, Kriegsverlust, heute Muzeum Narodowe w Warszawie). Lessing belebte seine Bilder oft mit Rittern und Burgen und – wie in »Burg in der Eifel« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A III 844) – auch mit Landsknechten und Waldarbeitern. Die späte großformatige Komposition »Eifellandschaft bei Gewitter« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 214) wird von dramatischem Wettergeschehen beherrscht. Zu sehen ist eine sommerliche Landschaft voller schroffer Felsen, durch die ein Gewitter zieht. Sonnenflecken und tiefdunkle Schatten geben spannungsreiche Kontraste. Ein Bauernpaar eilt einen Weg entlang in Richtung eines Dorfes, in dem ein Brand ausgebrochen ist, wohl ausgelöst durch das Gewitter. Das Gemälde war 1876, im Jahr der Eröffnung der Nationalgalerie, vom Künstler erworben worden. 1878 wurde es auf der Weltausstellung in Paris gezeigt. | Birgit Verwiebe

Selbstbildnis

Selbstbildnis

Sabine, die Tochter des Berliner Porträt- und Historienmalers Gustav Graef, studierte, als sie dieses Selbstporträt malte, noch nicht lange im Schülerinnenatelier von Carl Gussow in Berlin. Zunächst hatte sie ein Musikstudium begonnen, das sie abbrach, da ihr als Frau der Besuch der Kompositionsklasse verwehrt war. In den bildenden Künsten boten seit kurzem etliche Künstler als Nebenverdienst Damenklassen an. Aber auch ihr Leben als Malerin, als Gattin des Malers Reinhold Lepsius sowie als Mittelpunkt eines Salons, in dem um 1900 unter anderem Georg Simmel, später der Dichter Stefan George verkehrten, blieb nicht von spezifischen Kränkungen frei. In diesem erstaunlich sicheren Selbstbildnis sehen wir die 21jährige Schülerin mit den Insignien der neu gewählten Profession, Pinsel und Palette. Aber sie ist nicht aktiv, die Augen sind fast geschlossen, der Kopf ist sinnend zur Seite geneigt. Es ist ein Moment der inneren Schau oder Inspiration dargestellt; eine Situation, die Arnold Böcklin zehn Jahre zuvor durch den geigenden Tod symbolisiert hatte (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 633). Es gibt überraschende Ähnlichkeiten zwischen der Haltung der Dargestellten und jener des Engels in Caravaggios »Evangelist Matthäus mit dem Engel« (um 1595/96, Gemäldegalerie, Berlin, Kriegsverlust). Dem Engel ist bei Darstellungen dieser Art eine inspirierende, gleichsam federführende Rolle zugeschrieben. Seine Verschmelzung mit dem Inspirierten selbst war ein sehr moderner Gedanke. Die Künstlerin also zeigt sich hier als »eine inspiriert-Inspirierende« (A. Dorgerloh, Das Künstlerehepaar Lepsius, Berlin 2003, S. 72). Sabine Graef malt sich in diesem Selbstbildnis vor einem neutralen Hintergrund, mit androgynen, vergeistigten Gesichtszügen, nicht aber im Malkittel, sondern in einem modisch anspruchsvollen Kleid, wie es ähnlich die Schauspielerin Sarah Bernhardt trug. Ein ganzes Lebensprogramm scheint in dem Bildnis Ausdruck gefunden zu haben. | Angelika Wesenberg

Altmännerhaus in Lübeck

Altmännerhaus in Lübeck

Gotthardt Kuehl, in München ausgebildet, dann lange Jahre (1879–1889) in Paris tätig, unterbrochen von Studienaufenthalten in Norddeutschland und den Niederlanden, später Mitglied der Münchner Secession, teilt vieles in seiner Entwicklung, auch Vorlieben in der Motivwahl, mit Max Liebermann und Fritz von Uhde. Kuehl bewunderte das von Liebermann 1881 in Paris ausgestellte Bild »Altmännerhaus in Amsterdam« (Museum Georg Schäfer, Schweinfurt). Berühmte Vorlagen für seine eigenen Darstellungen von Waisenhäusern und Altenstiften fand er in seiner Heimatstadt Lübeck. Aber Kuehls Arbeiten sind fester gebaut und bleiben dichter am Gegenstand. Der Kunstkritiker Karl Scheffler, Vertreter des Impressionismus, kreidete das dem Bild noch 1912 an: »Der starke farbige Effekt mag den Künstler beim Sehen zum Malen verlockt haben; diese Lust, etwas Seltenes zu geben, hat es dann nicht zur Harmonie kommen lassen« (Die Nationalgalerie zu Berlin, Berlin 1912, S. 222).Das Heilig-Geist-Hospital in Lübeck war ein schon im 13. Jahrhundert gegründetes Krankenhaus und Altersheim. Die Einrichtung, bis vor wenigen Jahrzehnten in Betrieb, ist noch heute zu besichtigen. Die Darstellung der im überdachten Mittelgang vor ihren Zimmern sitzenden Männer zeigt zudem Kuehls Vorliebe für lange, fluchtende Linien und schroffe Größenkontraste, und sie vermittelt auch Empathie: Man meint den gleichförmigen, gleichwohl geschützten Alltag dieser Menschen zu verstehen. | Angelika Wesenberg

Porträt Janos von Szallopek

Porträt Janos von Szallopek

Eine über die Grenzen Österreichs hinaus bekannte, äußerst umfangreiche Sammlung an Kunst und Kunstgewerbe seit dem Mittelalter hatte im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert der österreichische, jüdische Bankier Albert Figdor (1843–1927) zusammengetragen. »Es bedeutete für den kunstfreundlichen Besucher stets einen besonderen Genuß, wenn Dr. Figdor die Schätze seiner ›Viennesien‹ vorzulegen bereit war«, hieß es 1927 in einem Nachruf. »Da rückten die bedeutenden Oelbilder oder Aquarelle eines Waldmüller, Fendi, Danhauser, Pettenkofer oder Alt in ein besonderes Licht« (Der Kunstwanderer, 1927, 1./2. Märzheft, S. 282). Als eine Schenkung der Sammlung an die Wiener Museen nicht zustande kam, vermachte sie Figdor seiner in Heidelberg ansässigen Nichte, die allerdings aufgrund einer denkmalpflegerischen Schutzbestimmung die Sammlung weder in Teilen veräußern noch außer Landes bringen durfte. So bot sie die Sammlung 1928 ›en bloc‹ dem in Wien und Berlin tätigen Kunsthändler Gustav Nebehay an, der sie für zehn Millionen Reichsmark mit Hilfe eines komplizierten Konsistorialkredits über die Darmstädter und Nationalbank erwarb. Nach längeren Verhandlungen mit dem Bundesdenkmalamt Wien konnte ein erster Teil der Sammlung katalogisiert und in Auktionen in Berlin, Wien und Luzern 1930 und 1932 versteigert werden. Als aufgrund der Weltwirtschaftskrise die Darmstädter und Nationalbank 1931 mit der Dresdner Bank zwangsfusioniert wurde, erwarb der preußische Staat 1935 den Restbestand der Sammlung Figdor. Die größten Teile der Sammlung gelangten sodann in das Kunstgewerbemuseum in Berlin, sechs Gemälde in die Nationalgalerie, darunter August von Pettenkofens Bildnis des Ignatz Imrédy (Inv.-Nr. A II 934), vier Gemälde Waldmüllers (Inv.-Nr. A III 834 und Inv.-Nr. A II 931–933; A II 932 Kriegsverlust) sowie dieses Bildnis, das ursprünglich ebenfalls Waldmüller zugeschrieben war. Neuesten Erkenntnissen zu Folge handelt es sich bei dem Dargestellten um den ungarischen Vizegespan Janos von Szallopek (Der Hinweis ist Marco A. Ricci, Vienna Center for the History of Collecting, zu danken.).Vor landschaftlicher Kulisse – aus erhöhter Perspektive blickt man über Baumwipfel auf eine nicht bestimmbare Seen- und Berglandschaft – ist das Halbfigurenbildnis von Szallopek mit hohem Vatermörder und schlichtem schwarzen Rock gegeben. Gütig lächelnd, blickt er aus dem Bild, die hohe Stirn durch gelocktes Haar gerahmt. | Regina Freyberger und Birgit Verwiebe

Kronprinz Friedrich besucht den Maler Pesne auf dem Malgerüst in Rheinsberg

Kronprinz Friedrich besucht den Maler Pesne auf dem Malgerüst in Rheinsberg

Mit der »Ansprache bei Leuthen« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 839) brach die Reihe der Friedrichsbilder ab und wurde durch kleine parodistische Geschichts-Genrebilder von hochartifizieller Abseitigkeit und malerischem Witz abgelöst, deren Reihe sich bis in die achtziger Jahre hinein erstreckt: verwirrende Selbstbespiegelungen einer Kunst, der der Stoff entgleitet. Anfang der sechziger Jahre bestellte der Berliner Chemiefabrikant Kahlbaum bei Menzel, in bemerkenswerter Mischung, vier Motive aus der Kronprinzenzeit Friedrichs II. und fünf Motive aus der Gegenwart, alles Gouachen. Die einzelnen Gegenstände waren zweifellos Menzels eigene Wahl. Während einer Kur in Rheinsberg 1860 hatte er das Schloß studieren können, das Kronprinz Friedrich für seine musische Hofhaltung hatte umbauen lassen. Dabei erhielt die Decke des Ballsaales ein Deckenbild von Antoine Pesne: »Apollo vertreibt die Finsternis« (1740) – eine Allegorie, die man in der Umgebung des Kronprinzen auf den baldigen Thronwechsel bezog.Mit großem Aufwand an bewegten Figuren, erzählerischen wie malerischen Pointen, Querblicken, Beleuchtungs- und perspektivischen Effekten schildert die kleine Komposition eine Episode während der Entstehung dieses Freskos. Wiewohl an sich belanglos, schlägt sie doch das im 19. Jahrhundert weitverbreitete Rahmenthema ›König und Künstler‹ an und berührt damit die Würde der Kunst. Man befindet sich, vom Boden abgelöst, ›bodenlos‹, in der Höhe des Malgerüstes und nimmt dennoch das Meiste aus der Untersicht wahr. Große, überlaufende Farbtöpfe stehen kipplig umher. Weil alle Künste zusammengehören, füllt der Hofmusiker Franz Benda den Raum verträumt mit seinem Bratschenspiel. Während ein Gehilfe die Palette reinigt, scherzt, eine Gerüststufe höher und fast schon mit dem Himmel des Freskos verschmelzend, Friedrichs Hofmaler Antoine Pesne mit seinem Modell. Neugierig hinaufblickend nähert sich Friedrich, dessen Erscheinen ein kräftiger Sonnenstrahl hervorhebt. Ihn begleitet der Baumeister des Schlosses, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff.Der Bildraum ist aufs reichste durch die Gerüstkonstruktionen perspektivisch verbaut, alle Figuren sind Abgründen nahe, am augenfälligsten der einsame Musiker, der einem Somnambulen gleicht. Die vornübergefallene Gliederpuppe scheint nicht nur auf den Sieg der Natur über akademische Künstlichkeit anzuspielen, sondern die Perspektive als solche zu parodieren. Die Mittelachse ist mit einer schweren pyramidalen Kombination aus Figur und Gegenständen besetzt. Darunter ist ein prächtig gedrechselter barocker Stuhl – unerwartet auf einem Malgerüst. Nur die wenigen Besucher von Menzels Atelier wußten damals: Es ist Menzels eigener Stuhl! Indem er ihn, was durchaus nicht naheliegt, dem Künstler des 18. Jahrhunderts zuordnet, identifiziert er sich mit ihm und wird selbst ›der Maler Friedrichs des Großen‹. Oder anders: Der Stuhl ist noch leer, es fehlt nur noch sein Besitzer, um das Bild eines Glücksmoments der Kunst zu vervollständigen. Dies zu legitimieren, mobilisiert Menzel allen Zauber und alle Subtilität seiner Malerei. | Claude Keisch

Die Schleichhändler

Die Schleichhändler

Mit diesem Bild, einer Erstlingsarbeit des Düsseldorfer Akademieschülers Emil Ebers, war in der Sammlung des Begründers der Nationalgalerie Wagener zum ersten Mal das für die Vormärz-Malerei so wichtige Thema der Räuber, Schmuggler und Wilddiebe vertreten. Bald erwarb Wagener weitere inhaltlich verwandte Gemälde von Théodore Gudin (Inv.-Nr. W.S. 63), Peter von Hess (Inv.-Nr. W.S. 86), Carl Wilhelm von Heideck (Inv.-Nr. W.S. 88), Theodor Hildebrandt (Inv.-Nr. W.S. 91), Eduard Magnus (Inv.-Nr. W.S. 145), Léopold Robert (Inv.-Nr. W.S. 191), Carl Friedrich Schulz (Inv.-Nr. W.S. 230), auch die Gefängnisszenen von Wilhelm Joseph Heine (Inv.-Nr. W.S. 77) und Theodor Leopold Weller (Inv.-Nr. W.S. 256). Die Gesetzesbrecher, Vertreter radikalen Freiheitsdranges und Außenseitertums, sollten eine mit Schauder und Mitleid gemischte Bewunderung erregen. In Ebers’ Gemälde, das zu den frühen Werken dieses Genres gehört, sind fünf bewaffnete Schmuggler dargestellt, die in frühen Morgenstunden versuchen, unbemerkt mit einem Boot voller Waren am Ufer einer bergigen Gegend anzulegen. Noch ist darin nichts von der Authentizität und Alltagsbeobachtung zu verspüren, die etwa den Arbeiten seines späteren Lehrers Rudolf Jordan großen Erfolg sicherten. Die bühnenhafte Gebärdensprache unterstreicht vielmehr den Anspruch dieser Kunst, aus der Sittenschilderung in eine dramatische Historienmalerei hinüberzuleiten. Doch der von strenger klassizistischer Linearität geprägten Komposition zum Trotz nötigt schon das kleine Format zur Bescheidung. Ein zweites Bild von Ebers traf im Oktober 1834 bei Wagener ein, wurde jedoch offenbar zurückgewiesen: Es handelte sich um »St. Goar am Rhein das Evangelium predigend« (heute Altonaer Museum, Hamburg; vgl. A. Raczynski, Geschichte der Neueren Deutschen Kunst, Berlin 1836, S. 33). | Claude Keisch

Die Eltern des Künstlers

Die Eltern des Künstlers

Mit der romantischen Rückbesinnung auf Traditionen der altdeutschen und altitalienischen Malerei wurden zugleich Bildtypen und Ornamentformen revitalisiert, die am Ausgang des Mittelalters und der frühen Neuzeit die künstlerische Gestaltgebung bestimmt hatten. Dazu gehören das Tondo ebenso wie die Schmuckform der Arabeske. Schon Philipp Otto Runge hatte wieder auf eine die Bildaussage vertiefende Allegorisierung mittels arabeskem Rahmenornament zurückgegriffen. Für das Doppelbildnis seiner Eltern, des kurpfälzischen Amtmanns Franz Anton Peter Begasse (1764–1842) und dessen Ehefrau, Susanne Henriette, geborene Hofstadt (1769–1851), nutzte der noch ganz von nazarenischen Idealen durchdrungene Begas sowohl das Rahmenornament auf goldenem Grund als auch die Pathosformel strenger Profilbildnisse im Rund eines verdoppelten Tondos, dessen Ursprünge bis in die antike Medaillenkunst zurückreichen. Auf diese Weise gelingt es dem Künstler, das Elternpaar ins Ideale zu verklären, ohne dabei auf die sachliche Beobachtung der Details mit all ihren stofflichen Reizen und auf eine liebevolle Erfassung ihrer individuellen, vom Alter gezeichneten Gesichtszüge verzichten zu müssen. Die plastisch herausmodellierten Köpfe, die vor dunklem Grund einander gegenübergestellt sind, werden durch die allegorischen Anspielungen auf der Rahmenleiste miteinander in Verbindung gebracht: Oben in der Mitte sind es die Genien des häuslichen Fleißes und der Gerechtigkeit, die ausgestattet mit den Attributen Spinnrocken und Blütenkranz bzw. Waagschale auf die Wirkungsbereiche der Mutter im Hause und des Vaters im Amte verweisen. Auch die anderen Symbolfiguren beziehen sich auf Charakterzüge der Eltern: Links neben der Mutter sind es das Lamm als Zeichen christlicher Demut sowie der Bienenkorb und das Eichhörnchen als Metaphern des Fleißes und der häuslichen Fürsorge, während der sich seinen Jungen opfernde Pelikan und der Hund, als Zeichen der Opferbereitschaft und Treue, dem Vater zugeordnet sind. Das auf einem festen Fundament ruhende Genienpaar unten in der Mitte versteht sich hingegen als eine allgemeine Allegorie der Ehe. – Beim Berliner Bild handelt es sich um eine Replik nach dem Original im Wallraf-Richartz-Museum zu Köln. | Gerd-Helge Vogel

Tiroler Dorfschmiede

Tiroler Dorfschmiede

Als der Sammler Wagener im Februar 1852 auf Vermittlung des Wiener Industriellen Rudolf von Arthaber zwei Tiroler Landschaften bei Friedrich Gauermann in Auftrag gab, konnte dieser längst auf eine äußerst erfolgreiche Karriere zurückblicken. Der Sohn und Schüler des Malers und Kupferstechers Jacob Gauermann (1773–1843) hatte sich bald nach seinem Studium an der Wiener Akademie einen Ruf als ausgezeichneter Landschafts- und Tiermaler erworben, der Anregungen der niederländischen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts überzeugend in seine eigenen Arbeiten einzubringen wußte. Auf Reisen ins Salzkammergut und in die Tiroler Alpen hielt Gauermann Szenen und Landschaften in zahlreichen Skizzen und Studien nach der Natur fest, die ihm noch Jahre später als Grundlage für zahlreiche Gemälde dienten.Auch die beiden als Gegenstücke in Auftrag gegebenen Bilder »Brunnen in Tirol« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. W.S. 59) und »Tiroler Dorfschmiede« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. W.S. 60) gehen auf ältere Naturstudien zurück, die Gauermann mit genreartigen Motiven neu kombinierte. Das Motiv des Brunnens variierte er seit 1836 immer wieder, hier mit Blick auf Rattenberg in Tirol. Eine vergleichbare Szene mit Dorfschmiede hatte er bereits 1848 dem Rahmenmacher Bühlmeier geschenkt (zuletzt gehandelt beim Auktionshaus Lempertz, Auktion 920, Alte Kunst, Köln, 17.5.2008, Los 1410); nun ist neben das Salzburger Bauernhaus eine Schmiede auf die Anhöhe gesetzt. Daß beide Bilder als Pendants gedacht waren, zeigt sich in der gespiegelten Komposition: Bauernhäuser und Schmiede schließen im rechten beziehungsweise linken Bildfeld gegen den Himmel ab. Ebenso ist die landschaftliche Stimmung konträr inszeniert: hier idyllische Dämmerung, dort aufziehender Sturm. | Regina Freyberger