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Rehe. Miniatur aus der Sammlung Loewe

Ident. Nr.: A III 733/70

ObjID: obj:2260632

Details (Expert)

Beteiligte
Christian Kröner (1838 - 1911),
Maler*in
Datierung
1880
Provenienz
Kauf: Stadtrat Albert Loewe und seine Ehefrau Anna Loewe, geb. Wallach, Berlin (Auftraggeber),
1880–1897
Material / Technik
Öl auf Metall
Abmessungen
Höhe x Breite: 5 x 4,7 cm
Erwerbung
1897 Vermächtnis des Stadtrats Albert Loewe und seiner Ehefrau Anna Loewe, geb. Wallach, Berlin, als Teil einer Sammlung von 219 Miniaturen

Objektbeschreibung

Als einen »aufrichtigen Kunstfreund« bezeichnete Anton von Werner (Erlebnisse und Eindrücke, Berlin 1913, S. 131) rückblickend den Berliner Stadtrat Albert Friedrich Theodor Loewe (gestorben 1897). Der Kommunalpolitiker, dem unter anderem die städtischen Kunstangelegenheiten oblagen, förderte mit seiner Frau Anna Dorothea, geborene Wallach (gestorben 1886), auch privat die zeitgenössische Kunst. Das Ehepaar »besaß außer Bildern von H. v. Angeli und anderen hervorragenden Künstlern eine ganz eigenartige Sammlung von Miniatur-Ölgemälden, die [Loewe] bei den bekanntesten Malern des In- und Auslands bestellte und zu deren Einrahmung er die großen Schnallen in vergoldeter Silberfiligranarbeit verwandte, die in älteren Zeiten von den oberbayerischen und Tyroler Bauern getragen wurden« (ebd., S. 131). Gemeint sind Hutschnallen, die, mit Rosetten oder edelsteinimitierendem Glas besetzt, in der oberschwäbischen oder oberpfälzischen Männertracht zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebräuchlich waren. Durch eine Entfernung des mittleren Stegs, über den sonst das seidene Hutband gefädelt wurde, waren die Schnallen in dekorative Schmuckrahmen umgewandelt worden. In Loewes Wohnung in der Victoriastraße 13 konnten die Besucher neun Tafeln mit je 23 bis 25 Miniaturen bewundern, von der jede in einen solchen Schmuckrahmen gefaßt war.
Die insgesamt 219 zwischen circa 1865 und 1885 in Öl auf Metall, Malkarton, Holz oder Elfenbein ausgeführten Bildchen spiegeln dabei den bürgerlichen Geschmack der Zeit. Die Sammlung habe »durchaus den Charakter einer Spielerei« (SMB-ZA, I/NG 992, Journal-Nr. 1897/667, Bl. 170), urteilte Hugo von Tschudi, Direktor der Nationalgalerie, bei der Sichtung der Sammlung nüchtern. Szenen aus der klassischen Mythologie, wie Prellers »Prometheus« (Inv.-Nr. A III 733/150), bilden die Ausnahme. Es überwiegen unterhaltsame Genremotive, Frauen- und Kinderköpfe, Tier- und Landschaftsdarstellungen. Der größte Anteil der Arbeiten stammt von Künstlern aus Berlin, München und Düsseldorf. Loewe konnte für seine Sammlung unter anderem die Brüder Andreas und Oswald Achenbach gewinnen, Alfred Brendel, Wilhelm Gentz, Adolph von Menzel, Leon Pohle, Franz Skarbina, Carl Steffeck, Lawrence Alma Tadema oder Anton von Werner. Die Liste der beteiligten Maler liest sich wie ein ›Who is Who‹ der akademischen Malerei des 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig geben die Miniaturen Rückmeldung über Loewes soziales Netzwerk: So sind unter den wenigen Bildnissen Porträts von Bismarck (Inv.-Nr. A III 733/15 und 136) und Moltke (Inv.-Nr. A III 733/105) erhalten, des befreundeten Münchner Hofbuchhändlers Ackermann und seiner Ehefrau (Inv.-Nr. A III 733/39 und 40) sowie des Berliner Oberbürgermeisters Max von Forckenbeck (Inv.-Nr. A III 733/98).
Nach Loewes Tod 1897 fiel die umfängliche Sammlung an die Nationalgalerie. Von den weiteren 24 Ölgemälden der Loeweschen Kunstsammlung nahm Tschudi nur zehn ausgewählte Arbeiten an (drei Werke davon wurden vermutlich später getauscht, vier weitere zählen zum Kriegsverlust). Die abgelehnten 14 Arbeiten dürften mit dem restlichen Nachlaß im Dezember 1897 bei Lepkes Auktion 1114 versteigert worden sein. | Regina Freyberger

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Allerseelentag (Hedwigskirchhof)

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»[…] und am Brandenburger Tor, mit den großen Kandelabern dazwischen, sah es beinah aus wie ein Bild von Skarbina. Kennen Sie Skarbina?« – Die Wirkung des Nebels im Kampf mit dem Gaslicht in der abendlichen Stadt erinnert die Baronin in Theodor Fontanes Roman »Der Stechlin« (1897/98) an gemalte Bilder, die sie kürzlich gesehen hat (Th. Fontane, Der Stechlin, in: Werke, Schriften und Briefe, Bd. 1/5, München 1980, S. 228).Skarbina ist als ein Maler Berlins bekannt geworden. Als einer der ersten spürte er hier den Effekten des Zueinanders verschiedener Lichtquellen in der modernen Großstadt nach und nahm sie in seine Bildkunst auf: natürliches Licht und Kunstlicht, Nebel und Regen im Kampf mit dem Gaslicht. Das Gemälde »Allerseelentag« bringt die stimmungsvolle Abenddämmerung in förderlichen Kontrast zum feierlichen Kerzenlicht, beides zusammen erzeugt die einprägsame Stimmung. Das Bild ist von verschiedenen Gegensätzen geprägt, nicht nur von jenen zwischen Hell und Dunkel, Dämmerung und Kerzenschein. Bildbestimmend ist auch die Spannung zwischen Jugend und Tod, der Kontrast von schwarzer Witwenkleidung und dem im Widerschein der Kerzen rosig glühenden Gesicht der jungen Frau. – Ein Auslöser zu diesem Werk war der Besuch einer jungen Witwe in Skarbinas Atelier; der Widerspruch zwischen ihrer Schönheit und der Witwenkleidung hat ihn nach eigener Aussage zu dem Bilde angeregt (vgl. J. Norden, Bei Franz Skarbina, in: Berliner Künstler-Silhouetten, Leipzig 1902, S. 152): So wählte er eine Szene zur Person. Zu sehen ist das abendliche Anzünden von Kerzen an Allerseelen auf den geschmückten Gräbern des katholischen Hedwigskirchhofs, ein Brauch, den man im protestantischen Berlin an keiner anderen Stelle beobachten konnte. | Angelika Wesenberg

Bildnis Dr. Leopold Vormeng

Bildnis Dr. Leopold Vormeng

Karl Vormeng (1843–1909), in einem kleinen Städtchen in Pommern geboren, wuchs nach dem Tod der Mutter in der Obhut seines Onkels Dr. Leopold Vormeng (Lebensdaten unbekannt) auf. Leopold Vormeng war im Handelsministerium in Berlin tätig und in zweiter Ehe mit Auguste Vormeng, geborene Reich (Lebensdaten unbekannt), verheiratet. Gegen den Wunsch des Onkels schlug Karl Vormeng die Laufbahn eines Mediziners ein und wurde 1867 an der militärärztlichen Kaiser-Wilhelms-Akademie promoviert. Seit 1868 war er als Assistenzarzt zunächst in Fort Prittwitz-Gaffron bei Posen in Polen stationiert. Nach der Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 war er bis 1877 an der Kaiser-Wilhelms-Akademie tätig. 1878 schied er als Stabsarzt aus dem aktiven Dienst aus und ließ sich in Berlin als praktischer Arzt nieder. Mit dem Berliner Maler Adolph Treidler war Karl Vormeng wohl seit Jugendjahren befreundet. Überhaupt verkehrte Vormeng häufig in den Berliner Künstlerkreisen und hatte noch am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Berlin selbst Zeichenunterricht bei Ferdinand Konrad Bellermann erhalten. Treidler, ein Schüler Julius Schraders, war 1872 mit dem Stipendium der von-Rohr’schen-Stiftung nach Italien gereist. Dadurch, so Adolf Rosenberg, »gewann zwar sein Kolorit an Tiefe und Leuchtkraft, und einige Porträts, die er unmittelbar nach seinem Aufenthalt in Rom gemalt, zeichneten sich auch durch Lebendigkeit und treffliche Modellierung aus. [Jedoch] vermochte sich Treidler nicht lange auf der schnell erreichten Höhe zu erhalten« (A. Rosenberg, Die Berliner Malerschule, Berlin 1879, S. 251). Zurück in Deutschland porträtierte Treidler zunächst den Freund Karl Vormeng im grünen Uniformrock, sodann dessen Onkel Leopold und seine Frau Auguste. Als Vermächtnis Karl Vormengs, der besonders das Porträt der Auguste Vormeng schätzte, gelangten die drei Bildnisse 1909 in die Sammlung der Nationalgalerie (vgl. SMB-ZA, I/NG 996, Journal-Nr. 1909/986, Bl. 18 ff.). | Regina Freyberger

Spaziergänger (Der Überfall)

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Die unterschiedlichen Titel des Werkes erschließen mehrere Ebenen seiner Interpretation. »Die rote Mauer«, so der junge Klinger in der Widmung einer Fotografie des Bildes an seine Eltern vom 22. Oktober 1878 (Stadtarchiv Naumburg, Klinger Nachlaß) – ist eine für jene Zeit bezeichnende ›rein malerische‹ und deutet auf den gewagten, harten Dreiklang von Rot, Grün und Blau. Die Träger dieser Farben – Mauer, Gras, Himmel – zeigen sich alle gleichermaßen einförmig, ereignislos; das Licht modelliert nicht, der Farbauftrag bleibt plakathaft flach, die monotone Geometrie der Fugen auf der brandneuen Ziegelmauer wird nicht pittoresk verbrämt. Dies alles ist einer Szenerie sehr gemäß, aus der alles ausgestülpt scheint, was sonst ›Landschaft‹ oder ›Natur‹ ausmacht. Sie sind durch die baumlose Öde städtischer Peripherie ersetzt: Einstiges Bauernland wurde der Bauspekulation der Gründerjahre preisgegeben, die indes vorerst nur vermocht hat, es zu verunstalten. Diese Einsamkeit ist trotz der Tageshelle und Sonnenglut unheimlich. Der ursprüngliche Bildtitel »Spaziergänger« (so präsentiert auf der 52. Kunstausstellung der Königlichen Akademie der Künste, Ausst.-Kat., Berlin 1878, Kat.-Nr. 399) ist zweifellos als Plural gemeint und somit ironisch. Ein weiterer Titel, »Der Überfall«, macht darauf aufmerksam, daß der junge Mann – in einem frühen Zustand des Bildes von einer Frau begleitet – von Ganoven mit Stöcken bedroht wird weil auch er der Unterwelt angehört, hat er den Revolver gezogen (eine damals ganz neue, amerikanische Erfindung). Der Vorgang könnte einem Zeitungsbericht oder einem Kolportageroman entnommen sein, und er ist vorbehaltlos gegenwärtig, ohne alle romantische Tragik; nicht einmal in Architekturformen oder stilisierten Gebärden deutet Klinger eine historische Dimension an. Das eigentliche Thema des Bildes ist jedoch, worauf eine alte französische Titelfassung »Cerné« (»Umzingelt«; G. de Chirico, Max Klinger, in: Il Convegno, Mailand, 10.11.1920, S. 32–44, abgedruckt in: Max Klinger, Wege zum Gesamtkunstwerk, Ausst.-Kat., Hildesheim 1984, S. 141) hindeutet: die Bedrohung, die akute Angst. Diese wird anschaulich in der räumlichen Spannung zwischen den wie regungslosen Gestalten, die sich der Gruppierung versagen. Sie scheinen zur Vereinzelung verurteilt. Das auffallend überstreckte Bildformat erlaubt große Abstände, die durch die langen Schlagschatten unterstrichen werden und die der Blick nicht ohne Sprünge überwindet. Die Leere wird zum Ausdrucksträger des schleichenden Entsetzens am ›toten Punkt‹ des Geschehens. Denn wie das Drama ausgehen wird, bleibt, entgegen der klassischen Forderung nach dem ›fruchtbaren Moment‹, offen. All dies wird man in den Bildern surrealistischer Maler wiederfinden.Nicht zuletzt der Umschlag von Lapidarität und Nüchternheit ins Unheimliche (»Die Mauer macht den Eindruck, als bedeute sie die Grenze der Welt«) veranlaßte Giorgio de Chirico, in Klinger »den modernen Künstler schlechthin« zu erblicken (beides zit. nach: ebd. S. 140 und 142). »Spaziergänger« ist ein Frühwerk des 21jährigen Gussow-Schülers Max Klinger. In seinen Berliner Jugendjahren, die von einer fast beispiellos explosiven Produktivität erfüllt waren, wurzelt sowohl der sozial-naturalistische wie der symbolistische Zweig seiner Kunst. Während aber dieser sich fortlaufend entfaltete, wurde jener – ungeachtet des Aufsehens, das »Spaziergänger« bei seiner Ausstellung 1878 machte – erst im radierten Zyklus »Dramen« (1883) wiederaufgenommen und blieb auf das graphische Werk beschränkt. | Claude Keisch

Bildnis Jean Paul

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Kaum dreißigjährig sollte Friedrich Meier im Juni 1815 als Offizier der Lützower Jäger in der Schlacht bei Ligny ums Leben kommen. Eine unruhige Laufbahn hatte ihn aus Rathenow über Berlin, Halle und Dresden – wo er mit Kleist, Varnhagen von Ense und anderen Modernen umging – nach Wien geführt. Neben einem lebhaften Interesse an geistigen Begegnungen, das ihn wohl auch zum Porträtmalen führte, ist die Freundschaft mit den Malerbrüdern Friedrich, Ferdinand und Heinrich Olivier und zu den gleichfalls von romantischen Ideen erfaßten Brüdern Leopold und Wilhelm von Gerlach ein Leitmotiv seines kurzen Lebens.Romantischer Freundschaftskult liegt auch der Entstehung des Jean-Paul-Porträts zugrunde. 1809 begingen Meier und der entfernt studierende Wilhelm von Gerlach den Geburtstag Jean Pauls (1763–1825), des damals berühmtesten und meistgelesenen Schriftstellers Deutschlands. Sie lasen das 38. Kapitel aus dem »Hesperus« und schrieben einander abends darüber. Meier berichtete dies dem Dichter und bat zugleich um Porträterlaubnis. »Ich wurde nie getroffen«, heißt es in der skeptischen Antwort (J. Paul, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe, Abt. 3, Briefe, Bd. 6, Berlin 1952, S. 21). Doch im folgenden Frühjahr unternahm Meier mit den Brüdern von Gerlach und dem Dichter Karl Thorbecke die ersehnte ›Wallfahrt‹ nach Bayreuth und malte das Porträt, von dem alsbald mehrere Wiederholungen bestellt wurden. Der Dichter war auch menschlich tief beeindruckt: »Seit langem wurd’ ich im Spätjahr des Lebens […] nicht so schnell und anhaltend für zwei Menschen erwärmt als für Sie und Ihren Freund«, schrieb er dem Künstler (ebd., S. 270) und nannte Meiers Porträt »das einzig treffende« (ebd., Bd. 7, S. 114 f.). Mit einer an altdeutsche Bildnisse erinnernden hingebungsvollen Geradheit überliefert der ›Seelen- und Körpermaler‹ den Charakterkopf, nicht ohne die emotionalen und geistigen Spannungen deutlich zu machen. Die glasigen Augen des Trinkers mit jenem unsteten, rollenden Blick, den Zeitgenossen bemerkten, das wirre Haar, die nachlässige Kleidung werden nicht ignoriert, sie untermauern jedoch den Ausdruck zurückgehaltener Leidenschaft und visionären Ernstes. | Claude Keisch

Sitzende

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Maillols bekannteste Kleinplastiken stammen aus Editionen, die der Kunsthändler Ambroise Vollard herausgegeben hat. Von 1902 bis 1911 schlossen beide Verträge über mehr als zwanzig Plastiken, dabei wurde dem Kunsthändler das uneingeschränkte Reproduktionsrecht eingeräumt. Das Modell der „Sitzenden“ ist im zweiten Vertrag zwischen Maillol und Vollard vom 20. Dezember 1905 als „Jeune fille assise, tenant son pied aux mains“ („Junges sitzendes Mädchen, seinen Fuß mit den Händen haltend“) aufgeführt (Nachlass Vollard, Privatbesitz). Die Statuette war vermutlich kurz zuvor entstanden. Vollard gab diese Kleinplastik sowohl in Bronze als auch in Terrakotta in unlimitierten Auflagen heraus. Die Nationalgalerie erwarb bei ihm von 1905 bis 1907 sechs Bronzestatuetten, von denen zwei weitere erhalten sind („Kniender weiblicher Akt“, 1900, B I 249 b und „Junges Mädchen, sich die Haare bindend“, um 1900, B I 249); drei weitere jedoch sind seit 1945 verschollen. Im November 1905 bestellte Nationalgalerie-Direktor Tschudi die „Sitzende“, die daraufhin gegossen wurde; sie traf erst im Juni 1906 in Berlin ein (Barbara Paul, Hugo von Tschudi und die moderne französische Kunst im deutschen Kaiserreich, Mainz 1993, S. 373). Tschudis Erwerbungen in Paris waren die ersten Ankäufe von Maillol-Plastiken für ein öffentliches Museum. Die Ankaufsgelder stammten aus Mitteln des Generalkonsuls Paul Freiherr von Merling. Als Käufer wird in den Unterlagen der Galerie Vollard jedoch Tschudi genannt (Fonds Vollard, Musée d’Orsay, Paris). Später gelangte auch das ebenfalls von Vollard vertriebene Porträt von Auguste Renoir (B II 66) in die Sammlung. | Ursel Berger

Gänsegeier

Gänsegeier

An der Düsseldorfer Kunstakademie bei Karl Janssen geschult spezialisierte sich Pallenberg auf Tierdarstellungen. Obwohl er in seiner detailreichen Gestaltung einer weitestgehend konventionellen Formensprache gefolgt ist, enthält die Skulptur „Gänsegeier“ durch ihre polychrome Ausgestaltung ein modernes Moment. Der Bildhauer kombinierte die natürliche Färbung des grau geäderten Marmors mit rot-bräunlich lasierten Partien am Fels sowie eingesetzten Glasaugen und getönten Krallen. Eine Fehlstelle am Schnabel und Bohrungen auf der rechten Seite des Felsens deuten ebenso auf heute verlorene Materialergänzungen hin. 1918 wurde Pallenbergs Schaffen auf der „Großen Berliner Kunstausstellung“, die in jenem Kriegsjahr in Düsseldorf stattfand, mit über sechzig Tierplastiken gewürdigt, doch schon damals bemängelten Kritiker seine Formauffassung: „Pallenberg […] wirkt sympathisch durch seine anspruchslose Freude an Form und Bewegung meist exotischen Getiers. Leider bleibt er in der Auffassung der Form etwas kleinlich, gibt mehr Oberflächenplastik mit einem zu liebevollen Eingehen auf jede Einzelheit der zufälligen Erscheinung, da doch gerade das Typische der Tierform eine stilistisch größere Behandlung nahelegt. Nicht zufällig greift er meist zu kleinen Formaten“ (Adam Kuckhoff, Große Berliner Kunstausstellung Düsseldorf, in: Die Rheinlande, 28. Jg. [1918], H. 11/12, S. 222). Pallenberg baute sich für seine Studien eine beachtliche naturwissenschaftliche Sammlung auf und fertige neben freien Schöpfungen auch Rekonstruktionsmodelle urzeitlicher Tiere an. | Yvette Deseyve