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Minnekästchen

Ident. Nr.: F 118

ObjID: obj:2260771

Details (Expert)

Datierung
um 1380
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 23 x 42 x 21,5 cm

Objektbeschreibung

Auf Vorder- und Rückseite des Deckels in Form eines Walmdaches erscheinen einander zugewandte Paare in der modischen Kleidung des ausgehenden 14. Jahrhunderts mit Spruchbändern, deren Texte auf die Liebe bezogen sind: "hilf mir / Lieb hilf Lieb" und "ich har / ich boch" ("ich harre, ich trotze"). Neben ihnen Hunde (als Treuesymbol) und Fabeltiere, umrahmt von stilisierten Pflanzen und Blüten. An den Stirnseiten in Rundbildern eine Frauenfigur mit gleichlautender Devise, auf der Gegenseite ein Pelikan mit seinen Jungen (Sinnbild für opferbereite Liebe). Unter dem Griff steht das Wort "Liebe". Als Rahmungen sind Schachbrett-Zinnenfriese und Blüten verwendet.
Auf der Vorderseite des Kastens befindet sich eine symbolisch zu deutende Jagdszene: Wild und Einhorn werden gejagt von einem Hund und einem vogelartigen Fabelwesen. In der höfischen Minnesymbolik des späten Mittelalters war die Einhornjagd ein beliebtes Thema. Die farblich besonders gut erhaltene Rückseite trägt wieder die Aufschrift "Lieb hilf Lieb", ihre Flächen sind gefüllt mit Blattwerk und Blüten, umrandet von Tremolierstichen.
An den Schmalseiten finden sich Medaillons mit einer weiblichen Halbfigur und Spruchband sowie die Darstellung eines Fuchses in Mönchskleidung, der Gänsen predigt. Diese, der Fabel entlehnte Gruppe, ist in moralisierender Absicht, als Warnung vor dem Verführer zu verstehen. EM

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa