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Parabel von den klugen und den törichten Jungfrauen. Karton zu den Wandbildern der Fürstengruft (Campo Santo) in Berlin

Ident. Nr.: A I 187

ObjID: obj:2262504

Details (Expert)

Beteiligte
Peter von Cornelius (1783 - 1867),
Maler*in
Datierung
1862/1863
Provenienz
Preußischer Staat (aus dem Nachlaß des Künstlers übernommen),
nach 6.3.1867 - 13.9.1875
Abmessungen
Höhe x Breite: 188 x 157 cm

Objektbeschreibung

Zur Eröffnung der Nationalgalerie 1876 waren von Peter Cornelius über siebzig Entwürfe für Fresken, auch Kartons genannt, in den beiden Sälen des Hauptgeschosses ausgestellt. Cornelius hatte das Kunstgeschehen in der ersten Jahrhunderthälfte mit seinen Darstellungen bedeutender Themen der Mythologie, Religion und Geschichte maßgeblich beeinflußt und war einer der wenigen über Deutschland hinaus bekannten Künstler. Als führender Kopf der Nazarener in Rom hatte er für eine Erneuerung der deutschen Kunst die Freskomalerei wieder eingeführt (vgl. die Fresken zur Casa Bartholdy, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 419).
1818 erteilte ihm Kronprinz Ludwig von Bayern, der spätere König Ludwig I., mit der Ausmalung zweier Säle in der neu errichteten Münchner Glyptothek einen der umfangreichsten Aufträge seiner Zeit (Inv.-Nr. A I 114–158, davon 26 Kartons in der Nationalgalerie). Im Rückgriff auf Stil und Formensprache der Renaissance-Meister entwickelte Cornelius ein komplexes Bildprogramm zur antiken Mythologie. Ab 1829 begann er mit den Vorbereitungen für die Ausmalung der Ludwigskirche in München (Inv.-Nr. A I 162–170, davon 7 Kartons in der Nationalgalerie), zwischen 1836 und 1840 erfolgte die Realisierung der Fresken.
Nach Cornelius’ Bruch mit dem König von Bayern berief der preußische König Friedrich Wilhelm IV. 1841 den inzwischen 58jährigen Künstler nach Berlin. Seit dieser Zeit widmete er sich hauptsächlich der geplanten Grablege der Hohenzollern am Berliner Dom, dem sogenannten Campo Santo, welche er als größtes Freskenprojekt des 19. Jahrhunderts konzipierte (Inv.-Nr. AI 171–187, davon 11 Kartons in der Nationalgalerie). Obwohl sich nach 1848 abzeichnete, daß das Vorhaben scheitern würde, setzte er seine Arbeit daran noch Jahre fort. Überzeugt vom Primat der Idee in der Kunst sah Cornelius seine Vorstellungen ohnehin am reinsten in der Linienkunst der Zeichnung ausgedrückt. Seine Aufmerksamkeit galt deshalb vor allem den teils monumentalen, im Maßstab 1:1 mit Kohle gezeichneten Kartons, weniger den auszuführenden Fresken. Nach seinem Tod gingen die Kartons für die Glyptothek und die Ludwigskirche in München sowie für den Campo Santo in Berlin in den Besitz des preußischen Staates über. Die Bewilligung der Mittel für den Bau der Nationalgalerie verband man 1865 mit der Auflage, dort die Werke des Meisters zu zeigen. Die Sammlung der Nationalgalerie wurde damit um ein allein Cornelius gewidmetes ›Personal-Museum‹ bereichert. Dessen Werke beanspruchten die beiden zentralen zweigeschossigen Hauptsäle des Hauses nicht nur wegen ihrer übergroßen Formate. Die beherrschende Stellung des Œuvres von Cornelius, zusätzlich betont durch eine vergoldete Kolossalbüste des Künstlers, spiegelte dessen herausragenden Stellenwert: Cornelius wurde zum Staatskünstler und sein Werk zum Höhepunkt der Kunstentwicklung des 19. Jahrhunderts deklariert.
Bereits mit Beginn des 20. Jahrhunderts erlosch Cornelius’ Ruhm, und seine Werke verschwanden in den Depots. Eine neue, von der Moderne geprägte Sicht auf das 19. Jahrhundert erklärte Cornelius’ Kunst für unbedeutend. Eine wesentliche Rolle spielte dabei der seit Februar 1896 als Direktor der Nationalgalerie wirkende Hugo von Tschudi, der die aus der Tradition von Renaissance und Klassizismus erwachsene Kunst von Cornelius für ›überwunden‹ hielt. Individuelle Handschrift und Subjektivität des Ausdrucks waren die neuen Kriterien. Mit der Jahrhundertausstellung, die Tschudi 1906 in der Nationalgalerie zeigte, wurde der Gang der Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts nunmehr als ein Weg in den Impressionismus dargestellt. | Birgit Verwiebe

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Weitere Objekte aus den Sammlungen

Blick auf Paris

Blick auf Paris

Max Schlichting hat mehrfach Blicke über Paris gemalt. Auf der Großen Berliner Kunstausstellung von 1897 zeigte er das Bild »Hoch über Paris« (Kat.-Nr. 1260), das von der Nationalgalerie aus der Großen Berliner Kunstausstellung 1911 erworben, 1913 aber gegen das Bild »Pariser Boulevard am Abend« getauscht wurde. Im Herbst 1898 verließ er Paris. In Berlin wurde er 1899 Mitglied der Berliner Secession, wodurch eine weitere Beteiligung an den von der Akademie und dem Verein Berliner Künstler veranstalteten offiziellen Ausstellungen ausgeschlossen war. Anfang 1902 trat er wohl aus diesem Grund aus der Secession wieder aus. Auf der zweiten Ausstellung der Berliner Secession im Jahr 1900 hatte Schlichting einen »Blick auf Paris vom Montmartre aus« gezeigt (Kat.-Nr. 290), vermutlich das vorliegende Bild. Es ist der Signatur zufolge im September 1898 entstanden. Das dort als verkäuflich ausgewiesene Werk war 1905 erneut auf der Großen Berliner Kunstausstellung zu sehen (Kat.-Nr. 945). Hier wurde es aus Staatsmitteln für die Nationalgalerie erworben. Mit den beiden Rückenfiguren am Zaun, der zugleich den Vordergrund begrenzt, schaut der Betrachter vom Montmartre über das Häusermeer auf das abendliche Paris und die Kirche Saint-Vincent-de-Paul (erbaut 1824–1844 von Jean-Baptiste Lepère und seinem Schwiegersohn Jakob Ignaz Hittorff), die dominant vor der verschwimmenden Ferne steht. Eine ähnliche Fassung von 1910 in festeren Formen und größerem Format befindet sich im Museum Kunstpalast, Düsseldorf. | Angelika Wesenberg

Der Kammersänger Karl Wallenreiter

Der Kammersänger Karl Wallenreiter

Der Sänger Karl Wallenreiter war von 1861 bis 1863 am Weimarer Theater engagiert. Böcklin wiederum war 1860 einer Berufung an die Kunstschule Weimar gefolgt. Der Maler aber wurde in Weimar nicht heimisch, er litt unter der Provinzialität des Ortes, der Etikette des Hofes, und ihm fehlte die inspirierende Landschaft und Kultur Italiens. In dieser beengenden Situation mag das Weimarer Theater für Böcklin eine wichtige Rolle als Ort der Ausflucht gespielt haben. So malte er nicht nur seinen Freund Wallenreiter, sondern auch die Schauspielerin Fanny Janauschek (Städel Museum, Frankfurt am Main).Beide Bilder gelangten in den Besitz Wallenreiters, der ein Bewunderer von Böcklins Kunst blieb, wie ein begeisterter Brief vom Dezember 1867 bezeugt. Über ein damals in Stuttgart ausgestelltes Bild heißt es dort: »In jedem Strich erkannte ich Deine volle gesunde eigen gelernte Natur, von der Schönheit in der Malerei, der Stimmung u. der großartigen menschlichen Auffassung garnicht zu reden.« (Böcklin Memoiren, Berlin 1910, S. 171).Das Porträt des Karl Wallenreiter ist sicher eher konventionell als großartig, aber von ›Schönheit in der Malerei‹. Wie mehrere der Weimarer Bilder zeugt es von einem Einfluß der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts. Böcklin hat wohl im Zusammenhang mit der Reise nach Weimar auch die Dresdner Galerie besucht. Das Bildnis von Wallenreiter zeigt Anklänge an ein Gemälde Tizians in Dresden, dem »Bildnis des Farbenhändlers Alvise dalla Scala« von 1561 (Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden). Auf beiden Bildern ist der Porträtierte vor einem Pfeiler dargestellt, der der Komposition Festigkeit verleiht und zugleich einen weiten Blick ins Land erlaubt. Der Pfeiler gehörte seit Weimarer Tagen zu Böcklins Repertoire. Mitsamt den Lorbeerzweigen begegnen wir ihm noch in einem Selbstbildnis von 1873 (Hamburger Kunsthalle). Das Motiv des gerollten Papiers mit zusätzlichen Informationen – hier erkennt man einen Baßschlüssel und den Anfang des Wortes »Adagio« – benutzte Böcklin wenig später nochmals in dem Gemälde »Sappho« (Kunstmuseum Basel). | Angelika Wesenberg

Arco di Miseno bei Miliscola mit Blick nach Nisida

Arco di Miseno bei Miliscola mit Blick nach Nisida

Der aus Wien stammende Joseph Rebell lebte von 1810 bis 1824 in Italien. Angeregt dazu wurde er von seinem Lehrer Michael Wutky, der viele Jahre in Neapel verbrachte. Ab 1812 wirkte Rebell für drei Jahre als Maler am Hofe Joachim von Murats, des zeitweiligen Königs von Neapel. Nach dessen Sturz und Erschießung 1815 kehrte er nach Rom zurück. Wenige Jahre später, 1819, schuf der Künstler im Auftrag von Kaiser Franz I. vier großformatige Landschaftsansichten der Gegenden um Neapel: »Der Hafen Granatello bei Portici«, »Sonnenuntergang über den Campi Flegrei«, »Meeressturm am Arco di Miseno bei Miliscola« sowie eine »Ansicht der Stadt Vietri mit Blick auf den Meerbusen von Salerno« (alle vier Gemälde in der Österreichischen Galerie Belvedere, Wien). Anstoß zu diesem Auftrag war eine Landschaft von Tivoli, mit welcher der Maler an der zu Ehren des österreichischen Monarchen 1819 gezeigten Ausstellung der deutschen Künstler im römischen Palazzo Caffarelli teilgenommen hatte. Im gleichen Jahr, nach Eintreffen der vier Auftragswerke am Wiener Hof, bot der Kaiser Rebell die Stelle des Direktors der Kaiserlichen Gemäldegalerie an und berief ihn zudem zum Leiter der Landschaftsklasse an der Akademie der bildenden Künste. Ende der 1820er Jahre wiederholte Rebell einige der für Franz I. gemalten Werke mehrmals. Sowohl mit der »Ansicht der Stadt Vietri« als auch mit »Arco di Miseno bei Miliscola« besitzt die Nationalgalerie im Format kleinere Fassungen der Wiener Bilder (Inv.-Nr. A II 578 und W.S. 185). Das erstgenannte Gemälde zeigt einen Fernblick auf Küste, Meer und Berge zwischen Vietri und Amalfi, im Vordergrund zurückhaltend belebt mit Landleuten. In der Darstellung des einst am Capo di Miseno ins Meer ragenden Felsbogens treibt im sturmgepeitschten Meer ein gekentertes Fischerboot auf die Küste zu. Düstere, von Sonnenstrahlen durchbrochene Wolkengebilde am Himmel steigern die Dramatik der Situation. | Birgit Verwiebe

Dachauerin mit Kind

Dachauerin mit Kind

Um 1870 kopierte Leibl in der Münchner Alten Pinakothek von Cornelis de Vos die in prächtiger Kleidung dargestellte »Charlotte Butkens mit ihrem Sohn« (die Kopie von Leibl im Wallraf-Richartz-Museum, Köln). Als er während seines Aufenthaltes in Graßlfing bei Dachau, vom Frühjahr 1873 bis Herbst 1874, eine »Dachauerin mit Kind« malte, vermutlich die Müllerin Ploner (Lebensdaten unbekannt), wird er sich an diese Arbeit erinnert haben. Auch die Dachauerin trägt eine festliche Tracht, weniger farbenfreudig und kontrastreich, aber doch geeignet, den verschiedenen Strukturen und Farbnuancen nachzuspüren. Leibls Vorstellung von Ehrlichkeit kam die schlichtere, bäuerliche Frau mit ihrem Kind sogar mehr entgegen; ihre monochrome Kleidung erlaubte eher, den Eigenwert der puren Malfläche herauszustellen. Weder bei Cornelis de Vos noch bei Leibl ist eine Szene dargestellt, in beiden Fällen schaut die Mutter eher zurückhaltend, das Kind frei aus dem Bild heraus. Leibl nimmt das alte Genre der Bildnismalerei bewußt auf. Mutter und Kind sind trotz ihres einfachen Standes als Individuen erfaßt. Dabei spielte soziales Engagement für Leibl kaum eine Rolle. Er wählte seine bäuerlichen Modelle ihrer herben Schönheit wegen. Das Bild ist von dem Gegensatz zwischen den hellen Gesichtern von Mutter und Kind sowie der bläulichen Rückwand zu den dunklen, schwarz-braunen Trachten geprägt. Sie sind silhouettenhaft gegen den hellen Grund gesetzt. Die unvermittelten Kontraste zwischen hell und dunkel empfand der Vorbesitzer, ein Herr Elias in Brüssel, um 1890 als so störend, daß er »die hellen Stellen mit einem trüben Firnis überziehen ließ« (E. Waldmann, Wilhelm Leibl, Berlin 1930, S. 54). Unterdessen ist das Bild restauriert worden. | Angelika Wesenberg

Huldigung der Schlesischen Stände vor Friedrich II. in Breslau 1741. Skizze

Huldigung der Schlesischen Stände vor Friedrich II. in Breslau 1741. Skizze

Schon Ende 1853 hatte der Schlesische Kunstverein in Breslau bei Menzel – der seine Geburtsprovinz niemals vergessen hatte – ein Bild aus der schlesischen Geschichte bestellt, ihm die Wahl des Themas aber überlassen. Das große Bild konnte im Juli 1855 in der Lüderitzschen Buchhandlung in Berlin ausgestellt werden. Lange gehörte es dem Schlesischen Museum der bildenden Künste in Breslau und befindet sich heute als Treuhandgut der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in der Nationalgalerie (vgl. auch die Studie Inv.-Nr. A III 505).In einem Holzschnitt Menzels zum 15. Kapitel von Franz Kuglers »Geschichte Friedrichs des Großen« (1840–1842) ist das Ereignis schon in einer auf drei Personen konzentrierten Darstellung festgehalten. Aus dem Kontext wird deutlich, daß die Zeremonie keineswegs nur einer Routine folgte, sondern erst durch den erfolgreichen Verlauf des Feldzuges von 1741 ermöglicht wurde. Die Erbhuldigung im Fürstensaal des Breslauer Rathauses am 7. November 1841 sollte die auch in späteren Jahren umstrittene Eroberung Schlesiens legitimieren. Menzel folgt einem (apokryphen) Bericht von Friedrichs Freund Baron Bielfeld, wonach das Reichsschwert, auf das die Ständevertreter ihren Schwur leisten mußten, unauffindbar blieb, worauf Friedrich kurzentschlossen und keck seinen Degen zog, um es zu ersetzen.Eine Zeichnung Menzels (Verbleib unbekannt) verzeichnet die Namen der Anwesenden, unter ihnen Prinz Leopold I. von Anhalt-Dessau (hinter Feldmarschall Graf von Schwerin, der von Friedrich den Degen entgegennimmt) und Prinz August Wilhelm, Friedrichs Bruder (rechts vom König) sowie Staatsminister Graf von Podewils (an den Thronstufen). Rechts stehen Vertreter der Kirche. Bei der Übertragung in das große Format wurden Lichtführung und auch Figurenmotive verändert, was die Gesamtwirkung ruhiger und geschlossener, aber auch zeremonieller und konventioneller macht. | Claude Keisch