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Manipel

Ident. Nr.: 9186

ObjID: obj:2276883

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 9.-10. Jahrhundert
Abmessungen
Höhe x Breite: 7,5 x 60 cm (Textil)
Höhe x Breite x Tiefe: 15 x 70 x 1,5 cm (Rahmenmaß)
Erwerbung
1903 von Robert Forrer erworben

Objektbeschreibung

Der Manipel gehörte wie das Omophorion (Inv.-Nrn. 9182, 9185, 9187, 9188) zur liturgischen Gewandung. Im Gegensatz zum Omophorion, das den Patriarchen und Bischöfen vorbehalten war, konnte der Manipel – eine um das Handgelenk gelegte Binde – von allen Klerikern unabhängig von ihrer Stellung in der kirchlichen Hierarchie getragen werden.
Die Ober- und Unterseite dieses, im mittleren Teil schadhaften Manipels bestehen aus unterschiedlichen Leinengeweben, die an den Kanten aneinandergeheftet wurden. Die beiden Schmalseiten der aus zwei Teilen zusammengenähten Vorderseite enden in einer dekorativen Fransenkante. Die dicken Fransen ergaben sich aus den losen Kettfäden,
die zu mehreren gebündelt und miteinander verdreht wurden. Die Vorderseite ist mit Applikationen aus wiederverwerteten Seidengeweberesten verziert. Je einem rechteckigen Besatz an den Enden folgt mit etwas Abstand und in unterschiedlicher Größe ein runder. Die Mitte des Manipels schmücken ein Kreuz mit geschweiften und eines mit schmalen, geraden Armen. Von der ehemaligen, in bräunlichem Rot und Weiß gehaltenen Musterung der Seidenbesätze in Samittechnik ist so gut wie nichts mehr erhalten.
Auf dem linken Besatz ist noch schwach ein Ausschnitt aus einem pflanzlichen Rautenmuster, auf dem rechten eine gefasste Rosette zu sehen. Kreuz und runder Besatz im rechten Teil sind aus einem anscheinend ungemusterten Gewebe aus sehr feinen Seidengarnen, die mit wattigen Fäden aus Schappeseide binden, ausgeschnitten worden.
Der Manipel stammt wie das Omophorion aus dem Areal der Achmīmer Nekropole, in dem die Priesterschaft beigesetzt wurde. Dort fand man auch ein weiteres Omophorion
mit seidenen Zierstücken, die denen auf dem Manipel sehr ähneln. Die beiden Stücke könnten ein Ensemble gebildet haben.

(Cäcilia Fluck 2021)

Letzte Aktualisierung: 24.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

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Bei dem Fragment handelt es sich, wie die äußere Form und die Tiefe des Reliefs zeigt, um eine ehemalige Wandfliese, die Teil eines Fensterpfostens oder einer Türrahmung gewesen ist. Der Stein besitzt eine gleichschenklig trapezförmige und könnte zur Mittelstütze einer Fenstergruppe gehört haben, die aus einem schmalen lotrechten Wandstreifen und den im stumpfen Winkel anschließenden Schrägen bestand. Er zeigt einen Fries senkrecht laufender und miteinander verbundener Herzpalmetten und stammt aus dem Zisterzienserkloster St. Urban bei Luzern, wo es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine florierende Produktion von Formsteinen gab, die weit über die umliegenden Ortschaften hinaus exportiert wurden. Von den bekannten Backsteinherstellungen hebt sich das St. Urbaner Stück in mehrerer Hinsicht ab: Es ist übermäßig groß, Maße von 54 x 30 x 22 cm sind die Regel, wofür man einen riskanten Brennprozess in Kauf nahm; es imitiert Hausteinformen, die in keine backsteingerechte Formen übersetzt wurden. Die Backsteinproduktion in St. Urban lässt sich vor allem aufgrund der zum Teil sicher datierten Burgen und Kirchen, an denen sie zum Einsatz kamen, zeitlich gut eingrenzen. Klar ist außerdem, dass sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen ist. Es wurde immer wieder vermutet, dass der reiche Motivschatz der St. Urbaner Muster (mehr als 100 verschiedene Motive nachgewiesen) illustrierten Handschriften der Klosterbibliothek entnommen wurde. Immerhin fallen in diese Zeit auch andere Verfeinerungen bestimmter Kunsttechniken in St. Urban (Inkrustationen, Glasuren), die auch dort betrieben wurden.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)