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Porträt eines Herrn im Ornat des Sultans Mahmud I.

Ident. Nr.: 14138992

ObjID: obj:2282123

Details (Expert)

Beteiligte
Herstellung: Unbekannt,
Maler*in
Datierung
Herstellung: 1730 - 1753
Abweichende Datierung: 1750 - 1799
Weitere Titel
Sammlungstitel: Porträt eines Herrn im Ornat des Sultans Mahmud I.
Sultan Mahmud I, 25ter Regent aus Osmans I. Stamm, der 1289 den Titel Sultan annahm. Regierte von 1730 bis 1754
Geografische Bezüge
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 70,9 x 54,8 x 2,2 cm
Rahmenmaß: 92,2 x 76,6 x 6,5 cm

Objektbeschreibung

Der reich geschmückte Herr trägt auf dem Haupt einen perlenbehangenen Turban (Kavuk). Eine Aigrette mit Sichelmotiv und Federbausch ergänzen die in Kaskaden angeordneten Perlenketten. Die Schulter bedeckt ein hermelinverbrämter Kaftan. Unter dem Oberkleid ist ein mit Edelsteinen und Perlen besetztes Untergewand sichtbar. Ein Perlen- und edelsteinbesetzter Gurt verläuft von der linken Schulter abwärts zur rechten Brust). Mit Pelz gefütterte Kaftane waren im Osmanischen Reich ein gängiges Kleiderdelement und galten als Zeremonialkleidung. 
Stilistisch entstammt dieses Bildnis aus einer europäischen Malerschule. Die Darstellungsweise der porträtierten Person ist einzigartig in ihrer Opulenz und deutet auf einen europäischen Künstler hin. Einen ähnlichen Malstil und Bildaufbau zeigen auch die Porträts des deutschen Barockkünstlers Christian Seybold (1695-1768). In einem übersteigerten, für seine Zeit untypischen, Realismus schuf er naturalistische Porträts, denen jeder Idealismus fremd war. Auch das Gesicht des im Lipperheideschen Gemälde Dargestellten wird bis in die feinen Gesichtszüge ausgestaltet: die gerunzelte Stirn, die Adern der Schläfe und die feinen Faltenlinien rund um die Augen zeugen von einer mimetischen Präzision. Ein weiterer deutscher Maler des Barock, der vergleichbare Porträts schuf, war Bathasar Denner (1685 - 1749). Beide Künstler malten sogenannte Tronies. Es handelt sich keineswegs um Bildnisse im Sinne der Darstellung bestimmter Individuen, sondern um anonyme (Charakter-)Köpfe, die bestimmte Figurentypen vorstellen und sich von der zeitgenössischen auch formal deutlich abheben. Zu nennen sind naturgemäß auch die Darstellungen von Orientalen von Rembrandt Harmenszoon van Rijn. Aber auch seine Selbstporträts begann er in den 1630 Jahren im Stil von Tronies zu malen. Die Tradition wurzelte in den Niederlanden und wurde im 18. Jahrhundert zu einem verbreiteten Phänomen in Europa.
Ein direkter Vergleich kann zu dem Bildwerk 'Mann in orientalischem Kostüm', geschaffen um 1629/31 von Jan Lievens gezogen werden: ein holländischer Darsteller in einem orientalischen Kostüm auf.
Der hermelinbesetzte Umhang fällt am Kragen bogig, ein eher untypischer Schnitt für einen Kaftan. Der Schmuck am Turban, bestehend aus einer Aigrette, sorguç genannt, besetzt mit Edelsteinen, einer Sichel und einem kleinen Federbausch, erinnert an Darstellungen von osmanischen Herrschern und erscheint glaubhaft. Das wenig stilisierte Gesicht und der buschig zu beiden Wangen auslaufende Bart erinnert jedoch wenig an Darstellungen osmanischer Herrscher. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich - den rückseitigen Hinweis auf Mahmut I hinzunehmend - um das Bildnis eines europäischen Mannes im Stil, bzw. in Anlehnung an Mahmut I handelt.
Text: S. de Günther

Letzte Aktualisierung: 20.07.2026

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