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Ziegelplatte

Ident. Nr.: 6112

ObjID: obj:2287877

Details (Expert)

Beteiligte
Albrecht Haupt (18.3.1852 - 27.10.1932),
Vermittler*in
Datierung
5./6. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Material / Technik
gebrannter Ton
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 32,5 x 21,5 x 4,8 cm
Erwerbung
1906 durch Prof. Albrecht Haupt in Sevilla erworben und als anonyme Schenkung in die Sammlung gelangt.

Objektbeschreibung

Hochrechteckige Tonkacheln mit Reliefdekor sind häufig im Süden der Iberischen Halbinsel gefunden worden. Die beiden Stücke der Berliner Sammlung [MBK Inv. 6112 und 6641] folgen einem speziellen Typus mit Arkadenstellung und Inschrift. Das Bildfeld wird hier oben und unten von einer dünnen Linie eingefasst. Die seitliche Begrenzung bildet die Inschrift. Der eigentliche Dekor besteht aus zwei Säulen mit Basis und Blattkapitell, die einen Bogen stützen. Dessen innere Fläche füllt ein Muschelmuster. Außen verlängern dreiblättrige Palmetten optisch die Säulenstellung. Unterhalb des Muschelmotivs dominiert ein Christogramm aus den griechischen Buchstaben Chi und Rho. Zu dessen Seiten deuten die ebenfalls griechischen Buchstaben Alpha und Omega auf Christus als Anfang und Ende hin. Die beigefügte Inschrift lautet: BRACARI VI│VAS CVM TVIS. Vermutlich ist damit Bracario gemeint, der um 657 bis 680 Bischof von Sevilla war.
Die frühere Auffassung, es könne sich bei den Tonkacheln um Grabverschlüsse handeln, ist mittlerweile - nicht zuletzt der zahlreich erhaltenen Kacheln mit gleichlautender Inschrift wegen - verworfen worden (siehe auch British Museum, Inv. 1889,0705.1 oder Museo Nacional de Cerámica y Artes Suntuarias González Marti, Inv. CE1/03194). Wahrscheinlich zierten sie als reines Dekorationselement Decken oder Wände in Gebäuden, die möglicherweise mit besagtem Bischof in Verbindung standen.
(Ehler 2017)

Letzte Aktualisierung: 04.05.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Blattornamenten

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)