Logo

Rundbogenfeld

Ident. Nr.: 8645

ObjID: obj:2288370

Details (Expert)

Datierung
16./17. Jahrhundert (?)
Geografische Bezüge
Material / Technik
Kalkstein
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 69 x 86 x 4 cm
Erwerbung
Ende März 1943 von O. Wery-Godart in Paris erworben.

Objektbeschreibung

Die flache, rundbogige Platte besitzt insgesamt acht Öffnungen: unten vier größere Rundbögen auf Säulchen, oben zwei etwas kleinere, ansonsten identisch gebildete Arkaden, flankiert von je einem Okulus. Über einer horizontalen Begrenzung eine Wellenlinie, die wohl Wasser andeuten soll, und seitlich der unteren Fensterreihe befinden sich je drei Bäume, darüber eine gezackte Linie und je drei Kübelpflanzen, anschließend im Bogenfeld außen jeweils zwei Schiffe, zwischen die augenförmige Gebilde, wohl Fische, den maritimen Hintergrund markieren. Zwischen den Fensterreihen, in den drei Zwickeln der unteren Arkaden, sind Kreise mit eingeschriebenen Kreuzen (lanzenförmige Enden) platziert, die sich als mittleres Gewächs einer dreistrahligen Pflanze mit seitlichen Stängeln entpuppen. Den oberen Abschluss stellt ein ähnliches Gewächs dar, das anstelle der Kreise ein weiteres Blatt in der Mitte zeigt, und zwischen dessen Stängel zwei dreizackige Kronen eingefügt sind. Die Symbolik ist unverkennbar christlich geprägt, die einer Pflanze entwachsenen Kreise mit eingeschriebenen Kreuzen können als Hinweise auf die verlebendigte Hostie verstanden werden, die Fische als Christussymbol. Auffällig ist die starke Präsenz der Schiffe, die vielleicht nicht christologisch zu deuten, sondern den Entstehungsumständen geschuldet sind.

Die geringe Tiefe der Platte und der relativ gute Erhaltungszustand legen die Platzierung in einem Innenraum, aufgrund der Darstellungen sicher ein sakraler, nahe. Die Schiffsmotivik spricht dafür, dass sich der Ort in Küstennähe befunden hat. Es handelt sich hingegen mit einiger Sicherheit um kein hochmittelalterliches Werk. Die gedrängten Reliefs, die Überfülle symbolischer Ornamentik und vor allem die Darstellung dreimastiger Schiffe, die es in Europa vor dem Spätmittelalter nicht gegeben hat, zeigen dies unmissverständlich. Vielmehr scheint der Bogen ein Werk der Volkskunst zu sein, vielleicht aus dem 17. Jahrhundert.


(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 10.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)