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Kleiner Schreibtisch mit Galerie

Ident. Nr.: O-1975,112

ObjID: obj:2288838

Details (Expert)

Datierung
1785/1790
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 79 x 59,5 x 45 cm

Objektbeschreibung

Die Wirkung des Tisches ist kostbar, denn er ist bei seinem kleinen Format reich mit vergoldeten Bronzen geschmückt, die mit dem kostspieligen Mouchté-Mahagoni kombiniert sind, das nicht nur die Platte, sondern auch die Seiten des Tischkastens bedeckt. Dabei besteht ein besonderer Bezug zwischen dem Mahagoni und der Lackoberfläche. Das zunächst einheitlich schwer und dunkel erscheinende Holz gewinnt mit dem transparenten Lack und dem Alter erheblich an Leben und nimmt in der Pore einen goldenen Schimmer an. Die fein polierte Oberfläche der Roentgenmöbel bestach schon die Zeitgenossen durch ihre Härte und klare Transparenz. So wurde 1779 ein in Paris vorgestellter Mahagonitisch aus der Manufaktur für seine Oberfläche gerühmt, die nicht nur dem Augenschein nach, sondern auch bei der Berührung die perfekte Illusion von Marmor erwecke.
Der Tisch ist ein gutes Beispiel für das hohe technische Niveau der Manufaktur. Die Verwendung abschraubbarer Beine gehörte schon seit der zweiten Hälfte der 1760er Jahre zum Repertoire der vom überregionalen Absatz abhängigen Produktion. So heißt es in einer um 1770 verfassten Beschreibung zu einem Spieltisch: „Die Füße, welche in der Kiste bey dem Tisch liegen sind marquirt und dürfen nur nach dem Zeichen eingeschraubt werden (…).“ In die Beine wurden durch Muttern gekonterte Metallgewindestangen eingelassen, die einen bis heute festen Sitz der Beine garantieren. Besondere Raffinesse gilt der Tischplatte, denn wegen der unter ihr eingeschobenen Tablare und Schubkästen bleibt nur wenig Raum für ihre sichere Befestigung am Tischkasten und ihre dauerhafte Sicherung gegen das Verwerfen. Sie wird daher mit einem Halterungssystem, das modernen Schrankverbindern gleicht, auf die Eckpfosten des Zargenkastens aufgeschoben und mit einer Schraube gegen das Verrutschen fixiert. Um das Werfen der dünnen Tischplatten zu verhindern, sind die umlaufenden Messingkanten auf den Stirnseiten wesentlich massiver ausgeführt und 20 mm tief in das Holz eingelassen und festgeschraubt.
ASt

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa