Logo

Lackierter Kabinettschrank aus dem Holländischen Palais in Dresden

Ident. Nr.: W-1980,106

ObjID: obj:2291257

Details (Expert)

Beteiligte
Martin Schnell (um 1675 - um 1740)
Datierung
1710 - 1725
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Dresden (Sachsen)
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 165 x 122 x 52 cm

Objektbeschreibung

Ende des 17. Jahrhunderts galt die Faszination der europäischen Höfe den exotisch anmutenden Bilderwelten der fernöstlichen Kultur, die sie vor allem im Porzellan und den hochglänzenden perfekten Lackarbeiten schätzten. Wurden anfangs die aus Japan und China importierten Kabinettkästen auf Tische gesetzt, wandelte sich diese Kombination unter dem Bemühen, die kostbaren Importe zu imitieren, zu dem "Cabinet de la Chine" genannten, eigenständigen neuen europäischen Möbeltyp.
Auf den Außenseiten des Möbels bildet Schwarz den Rahmen für die farbigen Lackmalereien, die auf ehemals weißen – und heute stark vergilbten – Flächen angelegt sind. Sie zeigen auf den beiden Türen figürliche Szenen und den Seiten Felslandschaften mit Bäumen und Blüten. Beim Öffnen der Türen offenbart sich ein anderer Farbklang, hier tragen goldene Rahmen leuchtend rote Füllungen mit Goldmalerei. In den dargestellten Szenen vermischen sich europäische Phantasien mit fernöstlichen Vorbildern. Die Gestaltung des Gestells und Details der Lackarbeit weisen das Stück als Dresdner Arbeit aus. Dort war Martin Schnell (um 1675 - um 1740) seit 1710 der führende Lackkünstler.
Das Lackkabinett kann unter den wenigen erhaltenen Arbeiten besonderen Rang beanspruchen, denn es läßt die Nähe zum Porzellan auf ungewöhnliche Weise anschaulich werden. Die großen, früher weißen Tafeln mit der farbigen Malerei liegen hinter illusionistisch gemalten Schattenkanten leicht vertieft in den schwarzen Rahmen und sind offensichtlich als Imitation von Porzellanfüllungen konzipiert.
ASt

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa