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Stuckfragment

Ident. Nr.: AE 410

ObjID: obj:2292112

Details (Expert)

Datierung
Datierung: 2. Viertel 12. Jahrhundert
Material / Technik
Stuck
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 15 x 16 x 3,5 cm
Erwerbung
Erworben 1915 vom Sächsischen Provinzialmuseum Halle. Laut Inventarkatalog des Thüringisch-Sächsischen Altertumsvereins waren die Fragmente 1888 als Geschenk der Familie Karl Bergers, erster Chronist und Bürgermeister von Gerbstedt (amt. 1851–81), dorthin gelangt. Sie stammen ursprünglich aus der im frühen 19. Jahrhundert abgerissenen Kirche des Benediktinerinnenklosters Gerbstedt (Lks. Mansfeld-Südharz) und waren beim Bau eines Schulhauses 1869 gemeinsam mit anderen Stuckfragmenten ans Tageslicht gekommen, die man damals jedoch wieder in den Boden zurücklegte.

Objektbeschreibung

Das Fragment zeigt einen beschuhten Fuß auf einem wellenartigen Untergrund. Es wurde im Ostteil der Gerbstedter Klosterkirche St. Johannis ausgegraben.
Von der heute gänzlich verschwundenen Kirche wissen wir unter anderem einiges aus den nicht umgesetzten Plänen von 1710 zum Neuaufbau nach Einsturz des Langhauses 1650. Die Kirche war nur notdürftig instand gesetzt und nach Zusammenbruch des Südturms 1805 schließlich gänzlich abgetragen worden. Offensichtlich hat es unter dem erhöhten Chor eine Krypta gegeben, auf deren „Fußboden 2 Fuß tief unter dem Kirchenfußboden“ man 1869 die Stuckteile mitsamt einem Säulenfragment und Grabstein fand. Diese etwas dürftige Beschreibung lässt offen, ob die Stuckreste zu einer Chorschranke oder zu einer Wandverkleidung in der Krypta gehört haben.
Bei den Gerbstedter Fragmenten handelt es sich zweifellos um die Überreste eines der wichtigsten sächsischen Stuckensembles des 12. Jahrhunderts. Ihre Bedeutung besteht zum einen in der Beibehaltung eines Motivrepertoires, das sich bereits kurz nach 1100 an den Schrankenfragmenten der Quedlinburger Stiftskirche findet, zum anderen in der offensichtlich hier erstmals im Harzraum realisierten Folge relativ großformatiger Passionsszenen im Relief. Anhaltspunkte für eine Datierung bietet zunächst die Geschichte des Klosters selbst, d. h. die sehr wahrscheinliche Errichtung einer neuen Kirche ab 1118, mit deren Fertigstellung und Ausstattung mit Chorschranken wohl bis zur Jahrhundertmitte gerechnet werden kann.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 02.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Die Patene gehört zu einer durch zahlreiche ähnliche Objekte relativ gut bekannten Gruppe liturgischer Gefäße, die vermutlich überwiegend in Konstantinopel gefertigt wurden. Auf dem Rand sind die Einsetzungsworte der byzantinischen Liturgie in sorgfältiger Schrift eingraviert: ΛAB(ETE) ΦAΓETE TOYTO AI(C)TIN TO COMA MO(Y) TO Y(ΠE)P YM(ON) (K)ΛOMAINON IC AΦECCIN AMAPTION AMHN (Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wurde zur Vergebung der Sünden. Amen). Im Zentrum der dreifigurigen Komposition steht der bärtige Christus auf einem Bema in leichter Ponderation, bekleidet mit Tunika und Pallium. In der Linken hält er ein Evangelienbuch, die Rechte ist segnend vor der Brust erhoben. Das langgestreckte Haupt wird von einem Nimbus mit diagonal eingeschriebenem Kreuz umgeben. Zu beiden Seiten der Beischriftkürzel IC XC für »Iesous Christos«. Auf dem Ehrenplatz zu seiner Rechten steht der hl. Stephanos mit Beischrift O (mit eingeschriebenem A) CTEΦANOC (der hl. Stephanos), jugendlich und bartlos, mit Nimbus und bekleidet mit den Gewändern eines Diakons. Mit der Rechten schwenkt er an einer Kette ein Räuchergefäß, in der Linken hält er vermutlich eine Pyxis. Zur Linken Christi steht Kaiser Konstantin d. Gr., der in Byzanz als Heiliger verehrt wurde und daher vor seiner senkrecht angebrachten Namensbeischrift KONCTANTINOC das Kürzel O mit eingeschriebenem A für »der hl. Konstantinos« führt. Er ist mit dem für die mittelbyzantinische Zeit typischen Kaiserornat bekleidet – dem Sakkos und dem kunstvoll drapierten und reich mit angedeutetem Edelsteinbesatz verzierten Loros. In der Rechten hält er das mit einem Kreuz bekrönte Szepter, in der Linken die Sphaira, ebenfalls mit einem Kreuz. Im Unterschied zu den meist großformatigen, oft mit Stifterinschriften versehenen Silberdiskoi der frühbyzantinischen Zeit waren die eher bescheidenen mittelbyzantinischen Patenen aus Kupferblech wohl Massenproduktion für den Bedarf der zahllosen Kirchen.