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Kopf Karl Liebknechts auf dem Totenbett

Ident. Nr.: SZ Kollwitz 39

ObjID: obj:2299236

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Zeichner*in
Karl Liebknecht (13.8.1871 - 15.1.1919),
Dargestellt
Datierung
Herstellung: 1919
Systematik/Art
Geografische Bezüge
Entstehungsort: Berlin,
Stadt
Provenienz
Erich Mielke (1907-2000),
bis 1989/90 (?)
Bundesministerium des Innern,
bis 16.3.1990
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Abmessungen
Blattmaß: 31,7 x 39,8 cm
Erwerbung
1990 Aus dem Besitz des ehemaligen Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke, überwiesen vom Ministerium des Inneren an die Sammlung der Zeichnungen (Nationalgalerie, Berlin Ost), 1992 Überweisung an das Kupferstichkabinett

Objektbeschreibung

Karl Liebknecht (1871-1919), Mitbegründer und Führer des kommunistischen Spartakusbundes, wurde nach dem mißglückten Januaraufstand am 15. Januar 1919 mit Rosa Luxemburg von rechten Freikorpsoffizieren erschossen.
Obwohl sich die Künstlerin von den Zielen der Ultralinken bewußt abgrenzte, verurteilte sie entschieden die infame Ermordung Ihrer beiden profiliertesten
Repräsentanten. Von der Familie des Ermordeten gebeten, zeichnete Kollwitz ihn am
Tage seiner Beisetzung früh im Leichenschauhaus. Die dort aufgenommenen Studien versuchte sie dann später im Atelier nochmals besser zusammenzufassen.
Sechs Zeichnungen mit dem Kopf des toten Liebknecht auf dem Totenbett sind
insgesamt bekannt [...]. Die Arbeit des Kupferstichkabinetts ist eine vor Ort aufgenommene, sehr persönliche Studie. Während nahezu alle anderen Blätter den Kopf im Profil erfassen und ihn dadurch vom Betrachter distanzieren, nähert sich
unsere Studie dem Toten von schräg oben. Wie stark die Künstlerin von der Wirkung dieses Gesichtes berührt wurde, läßt sich an der Zartheit der Ausdeutung ablesen. Auf der Studie basiert eine der beiden stärker abgerundeten Zeichnungen [...], von denen angenommen wird, daß sie nachträglich im Atelier entstanden. Kollwitz schildert
ihren Eindruck des Toten in einer Tagebuchnotiz vom 25. Januar 1919. "Um die zerschossene Stirn rote Blumen gelegt, das Gesicht stolz, den Mund etwas geöffnet und schmerzhaft verzogen. Ein etwas verwunderter Ausdruck im Gesicht. Die Hände im Schoß, übereinandergelegt, ein paar rote Blumen auf dem weißen Hemd."
Die Eintragung stammt vom Tag der Beerdigung Liebknechts. Eine zeitgenössische Photographie mit dem aufgebahrten Toten [...] belegt die Authentizität ihrer Beobachtungen. Der starke Eindruck, den der Tod und das Begräbnis
Liebknechts bei Käthe Kollwitz hinterließen, veranlaßte sie noch im selben Jahr zur Gestaltung eines Gedenkblatts [#vgl. Ident. Nrn. 363-1927, AM 101-1957].

(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 123-124, Kat.-Nr. 150)

2025 digitalisiert aus Mitteln des Förderprogramms zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin.

Letzte Aktualisierung: 24.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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