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Ikonostase

Ident. Nr.: 2/76

ObjID: obj:2299833

Details (Expert)

Material / Technik
Holz, gefasst
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 393,5 x 432 x 35 cm

Objektbeschreibung

Als Ikonostase oder Templon bezeichnet man eine gemauerte oder aus Holz geschnitzte Trennwand zwischen dem Versammlungsraum der Gläubigen (Naos) und dem Altarraum (Bema) in einer orthodoxen Kirche. Ein Templon besteht aus mehreren „Etagen“, die nach einer festgelegten Ordnung mit Ikonen geschmückt sind, und bis zu drei Türen, die in in den Altarraum führen. Dieser darf während des Gottesdienstes nur von dem zelebrierenden Priester oder Bischof und den Diakonen (aber nie von Frauen!) betreten werden. Bekrönt wird ein Templon durch ein Kreuz mit der gemalten Darstellung des gekreuzigten Christus, meist flankiert von den trauernden Gestalten der Gottesmutter und des Jüngers Johannes. 

Der Aufbau des Templons im Bode-Museum ist charakteristisch für die Ikonostasen in kleineren griechischen und zypriotischen Kirchen des 17. bis 18. Jahrhunderts. Es ist aus Pinienholz reich geschnitzt und vergoldet und teilweise in Rot, Grün und Dunkelblau farbig gefasst. Das Templon besaß ursprünglich zwei Reihen von Ikonen, die jedoch nicht mehr erhalten sind oder deren Aufbewahrungsort unbekannt ist. Der untere Bereich gliedert sich in fünf Arkaden: Über einer Sockelzone aus Feldern mit ornamentalen Reliefs und einem breiten Zierfries darüber sind fünf große Öffnungen mit geschnitzten Dreipassbögen zu sehen, wobei der mittlere Bogen eine spätere Ergänzung ist. In den vier Öffnungen seitlich des mittleren Durchgangs waren ursprünglich Ikonen der Gottesmutter und von Christus sowie die Patronatsikone (die Ikone des/der Heiligen oder Festes, dem die Kirche geweiht war) und die Darstellung einer oder eines besonders verehrten Heiligen angebracht. Diese so genannte „Örtliche Reihe“ wird durch Halbsäulchen gegliedert, die ein Gesims und einen vorkragenden Aufbau mit zehn kleineren, rechteckigen Aussparungen unterhalb von Rundbogen tragen. Die Bögen sind mit radial angeordneten Blättern ausgefüllt., Die Aussparungen darunter boten Platz für die Ikonen der orthodoxen Kirchenfesttage oder eventuell der Deesis (Fürbittreihe). Obwohl die gerade Zahl der Öffnungen eher gegen eine Deesis mit der zentralen Ikone Christi zwischen der Gottesmutter und Johannes dem Täufer sprechen würde, kommen auf mehreren griechischen und zypriotischen Beispielen beide Alternativen – Festtagsreihe oder Deesis – vor. Höhere Ikonostasen weisen beide Reihen übereinander auf. Den oberen Abschluss des Templons bildet ein Gesims mit Girlanden sowie eine durchbrochen geschnitzte Ranke mit Blumen und zwei Drachen als Symbolen des überwundenen Bösen. Das bekrönende Kreuz ist nicht mehr vorhanden. Auf der Ranke sitzen zwei von ursprünglich fünf geschnitzten Vögeln (Tauben oder Adler) mit ausgebreiteten Flügeln, die in ihren Schnäbeln Ketten mit Öllampen zur Beleuchtung der Ikonen trugen.

Neben den vier mit floralen bzw. Tierreliefs verzierten Paneelen der Sockelzone, die durch Pilaster getrennt sind, befand sich in der großen Öffnung in der Mitte des Templons eine 176 x 84,5 cm große, ebenfalls vergoldete, zweiflüglige Königstür. Sie schließt oben mit einem Kielbogen ab, geschmückt mit durchbrochen geschnitzten Ranken und Blumen und einem bekrönenden Medaillon, das einen gemalten Cherub umschließt. Diese Königstür ist derzeit als Dauerleihgabe im Ikonenmuseum Frankfurt ausgestellt. Ihre sehr gut erhaltenen Malereien auf Goldgrund sind ein hervorragendes Beispiel für die zypriotische Ikonenmalerei des 18. Jahrhunderts. Im oberen Teil der Königstür ist – auf die beiden Flügel verteilt – die an dieser Stelle übliche Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel mit den begleitenden Gestalten des Propheten Jesaja und des Königs David dargestellt. Darunter sind in zwei Reihen in geschnitzten Rundbogenfeldern frontal stehende Heilige in halber Figur gemalt: in der oberen Reihe die Kirchenväter Basilios, Johannes Chrysostomos und Gregorios der Große sowie der hl. Nikolaus und darunter die Bischöfe Athanasios und Kyrillos von Alexandrien und die auf Zypern besonders verehrten Heiligen Spyridon und Lazaros. 

Die große Bedeutung des Templons für die Kunstgeschichte Zyperns liegt nicht nur in der hohen künstlerischen Qualität der Schnitzereien und Malereien, sondern auch darin, dass sowohl das Templon selbst als auch die Königstür datiert sind und die Namen der beteiligten Künstler und des Stifters aufweisen. Oberhalb der Sockelfelder verläuft über die gesamte Breite des Templons ein roter Streifen mit einer goldenen griechischen Inschrift, die den Stifter Priester Gabriel nennt, den amtierenden Bischof Makarios von Kytion (heute: Larnaka) und Nemesós (Lemessós/Limassol) sowie den Maler Nektários mit seinem Mitarbeiter Hadji Andronikos Karidis und seinen drei Schülern, dem Hierodiakon Leóntios, dem Mönch Philáretos sowie dem Mönch Philótheos. Das in dieser Inschrift genannte Datum 1762 dürfte sich auf die Fertigstellung des geschnitzten Templons mit seinen Ikonen beziehen. Da Nektários, Leóntios, Philáretos und Philótheos als Maler mehrerer weiterer Ikonen bekannt sind, könnte es sich bei Hadji Andronikos Karidis möglicherweise um den Schnitzer der Ikonostase handeln. Auch die Königstür besitzt auf einem gemalten Schrifttäfelchen neben der Gottesmutter der Verkündigung eine Inschrift, auf der die Namen des Stifters und des Philáretos als Maler wiederkehren und ein etwas früheres Datum genannt wird, nämlich 1757. Von Philáretos ist in der Heiligkreuzkirche in Pano Lévkara (Bezirk Larnaka) eine weitere Königstür mit demselben Aufbau und übereinstimmender Ikonographie erhalten, und auch das (viel größere) Templon dieser Kirche besitzt große Ähnlichkeit mit dem Berliner Beispiel. Victor H. Elbern, der ehemalige Leiter der Frühchristlich-Byzantinischen Sammlung in West-Berlin, zog eine weitere Königstür mit stilistisch verwandten Malereien und einer sehr ähnlich ausgeführten Inschrift als Vergleichsbeispiel heran, die ebenfalls den Mönch Leóntios und den Philáretos Hieromonachos erwähnt und die Jahreszahl 1778 aufweist. Diese Königstür, die sich damals im niederländischen Kunsthandel befand und später an das Kanazawa College of Art in Japan verkauft wurde, erwies sich als Raubkunst aus der Kirche Hagios Anastasios im türkisch besetzten Dorf Peristeronopigi und wurde schließlich 2021 an Zypern zurückgegeben.

Provenienz

Nach dem widerrechtlichen Einmarsch türkischer Truppen in den Norden Zyperns 1974 und der folgenden Besetzung dieser Gebiete wurden die griechischen Einwohner vertrieben und die orthodoxen Kirchen geplündert. Unzählige Ikonen sowie aus den Kirchenwänden herausgeschnittene Mosaiken und Fresken wurden illegal ins Ausland verbracht und verkauft. Dies ist jedoch nicht der Fall bei dem Berliner Templon, obwohl sein Ankauf durch die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz im Jahr 1976 in den Niederlanden dies nahelegen könnte. Wie sich jedoch eindeutig nachweisen lässt, war das Templon bereits 1902 vom Victoria & Albert Museum in London über einen Händler von einem in London ansässigen Privatmann angekauft und danach im Museum ausgestellt worden. 1966 wurde es aus der Museumssammlung ausgeschieden und 1967 auf einer Auktion von Christies versteigert, da es nach der kriegsbedingten Auslagerung in schlechtem Zustand war und der Platz anderweitig benötigt wurde. Aus welcher Kirche in der Diözese von Larnaka und Limassol im Süden der von 1878 bis 1960 von den Briten besetzten Insel das Templon stammt und wie es nach London gelangte, ist bisher nicht bekannt.

Nach dem Ankauf durch die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz wurden das Templon und die Königstür restauriert und einige Fehlstellen ergänzt. Seit 1979 bis zur Zusammenlegung der byzantinischen Sammlungen in Ost- und West-Berlin im Bode-Museum nach der Wiedervereinigung war das Templon in West-Berlin in der Frühchristlich-Byzantinischen Sammlung in Dahlem aufgestellt und wurde von dem Sammlungsleiter Victor H. Elbern eingehend publiziert. Nach der Wiedervereinigung wanderte es für Jahrzehnte ins Depot.

Dr. Eva Haustein-Bartsch, 2023


Weiterführende Literatur:

Literatur:

L. Bréhier, La sculpture et les arts mineurs byzantins, Paris 1936 (reprint 1973), S. 80f. und Taf. XLII

Victor H. Elbern, Das Ikonenkabinett der Frühchristlich-Byzantinischen Sammlung. Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz. Skulpturengalerie mit Frühchristlich-Byzantinischer Sammlung Berlin, Berlin 1979, Kat.-Nr. 2/3 auf S. 11–16, Abb. 2 und 3

Victor H. Elbern, Eine Ikonenmaler-Werkstatt des 18. Jahrhunderts auf Zypern, in: Ostkirchliche Studien 33 (1984), S. 121–135, Abb. 1 und 2

Victor H. Elbern, Ein Ikonostas des 18. Jahrhunderts aus Zypern und seine Künstler, in: Praktika B DieqnouV Kupriologikou Sunedriou 2: Mesaiwnikon tmhma Leukosia 1986, S. 601-607,




Letzte Aktualisierung: 20.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

Kruzifixus

Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler