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Stehende Maria mit Kind

Ident. Nr.: 5/57

ObjID: obj:2302844

Details (Expert)

Datierung
um 1330/40
Material / Technik
Kalkstein
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 80 x 31 x 20 cm
Erwerbung
Erworben 1957 von der Galerie Heinemann in Wiesbaden

Objektbeschreibung

Maria hält das Kind über ihrer linken Hüfte, ihre Hand umgreift den Oberschenkel des nach vorn schreitenden linken Beinchens. Mit der rechten reicht sie dem Kind sitzenden Vogel. Der Knabe berührt ihn spielerisch mit der Rechten am Hals und streckt ihm seine Linke entgegen, in dessen kleinen Finger der Vogel pickt. Aufgrund der zentralen Position und auch der einfachen Umsetzung dieses weit verbreiteten Motivs, bei der auf die ansonsten häufige elegante Verschleierung verzichtet wurde, wird die Bedeutung hier unmissverständlich: Der Schmerz, den der Vogel dem Kind zufügt, ist eine Anspielung auf die Passion.
Innerhalb des bei lothringischen Stehmadonnen bekannten Kanons bieten Kleidung bzw. Gewandbehandlung der Berliner Statue einige interessante Aspekte. Das Hemdchen des Kindes mit weiten Ärmeln gehört zum Standard. Das lässt sich auch für die Sichtbarkeit des schmalen, mit Rosetten besetzten Mariengürtels als Symbol der Jungfräulichkeit und für den Kronentyp mit goldschmiedeartigem Zierrat am schmalen Reif und an den blütenförmigen Zacken sagen. Die bei lothringischen Madonnen nicht seltene, aber auch keineswegs obligatorische vollrunde Ausarbeitung spricht für eine relativ freie Aufstellung. Einen Altarzusammenhang legen die mittlere Größe (ein Großteil der stehenden Marienfiguren der Region ist 70–90 cm hoch) und der gute Erhaltungszustand nahe. Weder Maria noch das Kind richten sich direkt an den Betrachter, sondern sind in sich abgeschlossen.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Blattornamenten

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)